|
|
Buchtipps zum Weiterlesen
Moderne Zeiten
Für die Zeitgenossen war der „Adler“, der als erste Eisenbahn in Deutschland 1835 von Nürnberg nach Fürth fuhr, ein Wunderwerk der Technik. Aber nicht die technische Entwicklung steht im Mittelpunkt von Hermann Glasers Kulturgeschichte. Der Publizist beleuchtet die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Begleiterscheinungen des Bahnzeitalters. Läutete es doch einen neuen Abschnitt der Weltgeschichte ein. Die Eisenbahn erschloss bislang unbekannte Welten, beförderte die Industrialisierung und mit ihren teils kühnen Streckenkonstruktionen die Ingenieurskunst. Angekommen in der Moderne, entstanden einerseits prunkvolle Bahnhofsbauten und Luxuszüge, andererseits spiegelte sich die gesellschaftliche Realität in den unterschiedlichen Eisenbahnklassen. Bahnunglücke waren eine andere Folge der Beschleunigung. Die Rolle der deutschen Bahn in Kriegszeiten spart Hermann Glaser in seiner Darstellung nicht aus. Das europäische Streckennetz diente nicht nur dem Transport von Soldaten und Material an die Fronten. Während des Zweiten Weltkriegs brachte die Reichsbahn Millionen europäischer Juden mit Güterwagen in die Vernichtungslager, die die Nazis auf polnischem Boden errichtet hatten: ein „Abgrund auf Schienen.“
Hermann Glaser: Kulturgeschichte der Deutschen Eisenbahn, Schrenk-Verlag, Gunzenhausen 2009, 224 Seiten, 29,90 Euro.
Ein Mythos überdauert die Jahrhunderte
Vor knapp 175 Jahren absolvierte der „Adler“ seine Jungfernfahrt auf Deutschlands erster Eisenbahnstrecke zwischen Nürnberg und Fürth. Bis heute fasziniert die historische Lokomotive viele Menschen. In dem Buch „Adler. Stationen einer Lokomotive im Laufe dreier Jahrhunderte“ beleuchtet Peter Heigl die geschichtliche Bedeutung des „Adlers“. In sieben Kapiteln finden Eisenbahnliebhaber technische Details der Tenderlok und ihrer Nachbauten, Fotos und Zeichnungen. Im letzten Kapitel des Buchs begleitet der Autor die Restaurierung des 2005 bei einem Brand zerstörten fahrtüchtigen Nachbaus aus dem Jahr 1935.
Peter Heigl: Adler. Stationen einer Lokomotive im Laufe dreier Jahrhunderte, Buch & Kunstverlag Oberpfalz, Amberg 2009, 158 Seiten, 19,80 Euro
Bahngeschichte mit Wanderanleitung
Nachdem man die Lok „Adler“ in Einzelteilen von England nach Deutschland verschifft und in Nürnberg wieder zusammengesetzt hatte, konnte im Dezember 1835 endlich die Eröffnungsfahrt der Ludwigseisenbahn stattfinden. Auch wenn deren Betrieb auf der Originalstrecke zwischen Nürnberg und Fürth nicht einmal hundert Jahre später wieder eingestellt wurde, gilt sie heute als Symbol für den Beginn eines neuen Mobilitätszeitalters. Pünktlich zum Bahn-Jubiläum greift Manfred Bräunlein in „175 Jahre Eisenbahn in der Metropolregion Nürnberg“ wichtige Momente der Entwicklung des Bahnschienennetzes in Nürnberg auf. Eine typische Geschichtschronik ist das 97-seitige Buch allerdings nicht. So schildert der Autor nicht die gesamte Bahngeschichte, sondern erläutert vielmehr einzelne ausgesuchte Ereignisse und Hintergründe. Diese werden durch unzählige Bilder illustriert. Neben Aufnahmen aus den Stadtarchiven Fürth und Nürnberg sind vor allem die vielen Bilder aus der eigenen Sammlung Manfred Bräunleins interessant. Zum aktiven Nacherleben der Geschichte eignet sich sein „Wandervorschlag“, der den Leser dazu einlädt, die alte Bahnstrecke vom ehemaligen Startpunkt am Plärrer bis zum Fürther Bahnhofsplatz abzulaufen. Ebenfalls eine kleine Besonderheit: ein Interview mit dem Kabarettisten Klaus Karl-Kraus, dessen Erfahrungen mit der Bahn natürlich in original fränkisch wiedergegeben sind. Vor allem für Bahnexperten ist dieses Buch eine Empfehlung.
Manfred Bräunlein: 175 Jahre Eisenbahn in der Metropolregion Nürnberg, PH.C.W. Schmidt Verlag, Neustadt an der Aisch 2010, 97 Seiten, 19,95 Euro.
Verkehrsknoten mit Tradition
Auch wenn in diesem Jahr die Eisenbahn in Nürnberg im Mittelpunkt steht, haben andere Verkehrsmittel das Gesicht der Stadt und der Region ebenso geprägt. Wie eindrucksvoll die Spuren sind, die zum Beispiel die Ausweitung des öffentlichen Nahverkehrs und der Bau des Nürnberger Hafens hinterlassen haben, kann man in Ferdinand von Rüdens schwarz-weiß bebildertem Buch „Verkehrsknoten Nürnberg“ nachvollziehen. Vor allem die gestochen scharfen Luftaufnahmen vermitteln ein Gefühl für die weitreichenden Veränderungen im Nürnberger Stadtgebiet. Natürlich steht auch in diesem Buch die Rolle der Bahn im Vordergrund. Beginnend mit der Eröffnung der ersten deutschen Bahnlinie, widmet sich der Autor verschiedenen Elementen der Nürnberger Eisenbahngeschichte bis in die 1970er Jahre. Er schafft es aber, zusätzlich einen kurzen Überblick über die Entwicklung der Stadt Nürnberg selbst und alle anderen Verkehrsmittel in und um Nürnberg zu geben. Man könnte meinen, dass so detaillierte Information in einem Buch vielleicht zu viel wäre. Da von Rüden seine Geschichte jedoch überwiegend in Bildern – und deren ausführlichen Erklärungen – erzählt, macht die Lektüre keine Mühe.
Ferdinand von Rüden: Verkehrsknoten Nürnberg – Von den Anfängen bis in die siebziger Jahre, EK-Verlag, Freiburg 2010, 112 Seiten, 19,80 Euro.
Mordhinweis im „Adler“
Paul Flemming ist schockiert. Auf dem Nürnberger Trempelmarkt hat er eine alte Kamera gekauft und darin einen Schwarzweißfilm aus den 1980er Jahren entdeckt. Die Bilder zeigen einen brutalen Mord an einer jungen Frau. Hobbydetektiv Flemming erfährt, dass der Film jahrelang im „Adler“ – Nürnbergs historischer Eisenbahn – versteckt gewesen sein soll. Gemeinsam mit Sensationsreporter Blohfeld begibt er sich auf eine – nicht immer ganz legale – Suche nach den Hintergründen des Verbrechens. Bei seinen Nachforschungen stößt er auf einen mächtigen und traditionsreichen Nürnberger Stahlkonzern und bringt sich damit selbst in Gefahr.
Jan Beinßen: Herz aus Stahl. Paul Flemmings fünfter Fall, ars vivendi Verlag, Cadolzburg 2009, 223 Seiten, 15,90 Euro.
Für lange Fahrten
Klar ist: Wer viel Bahn fährt, lernt einiges über den Menschen. Kein anderes Transportmittel bietet sich so gut an, um Wut, Abschiedsschmerz, Vorfreude, Langeweile oder Mitteilungsbedürfnis der Mitreisenden zu beobachten. Bahnsteigszenen und andere Gedanken zum Thema Bahn haben 27 deutsche Autoren nun in unterhaltsamen und manchmal ein wenig bizarren Kurzgeschichten festgehalten. Ars Vivendi hat diese Geschichten zum „Adler“-Jubiläum auf Postkarten gedruckt und in ein kleines Köfferchen gepackt. Wer also für die Zugfahrt einen Zeitvertreib sucht oder einfach jemand anderen an den Erfahrungen des Bahnreisenden per Ansichtskarte teilhaben lassen will, für den sind die Postcardstories „Zug um Zug“ eine gelungene Idee. Mit im Koffer sind Juli Zeh, Eva Menasse, Ulrike Draesner, Rafik Schami, Burkard Spinnen, Angela Krauß, Thommie Bayer und viele andere.
Zug um Zug – Eisenbahn-Postcardstories, ars vivendi Verlag, Cadolzburg 2010, Blechköfferchen mit 27 Postkarten im Format 16,8 x 13 x 4,4 cm, 12,90 Euro.
„Die Nürnberg-Fürther Straßenbahn im Wandel der Zeiten”
Als 1835 der Adler von Nürnberg nach Fürth fuhr, war dies auch die Geburtsstunde des Nahverkehrs in der Stadt. 1881 wurde die erste Pferdebahn eröffnet und schon 1896 auf elektrischen Betrieb umgestellt. Seit Beginn des Pferdebahnbetriebes wurden erhaltenswerte Objekte und Wagen aufgehoben, um sie der Nachwelt zu erhalten. Mit Eröffnung des Historischen Straßenbahndepots St. Peter 1985 hat diese einzigartige Sammlung eine dauerhafte Bleibe gefunden.
Das Buch beschreibt die Anfänge des Nahverkehrs in Nürnberg und Fürth und die Geschichte des Straßenbahnmuseums. Besondere Aufmerksamkeit wird der Sammlung historischer Straßenbahnen und Omnibusse geschenkt.
Erhältlich ist das Buch im Historischen Straßenbahndepot St. Peter und dem KundenCenter der VAG im Hauptbahnhof.
Freunde der Nürnberg-Fürther Straßenbahn e.V. (Hsg.): Die Nürnberg-Fürther Straßenbahn im Wandel der Zeiten, Ein Streifzug durch das Historische Straßenbahndepot St. Peter, Nürnberg 2005, 191 Seiten, 14,90 Euro (Softcover) sowie 29,90 Euro (Hardcover).
|
|