Die Interkulturelle Schulpsychologie befasst sich mit Fragen und Problemen, die im schulischen Alltag und Kontext auftreten und bei denen der Migrationshintergrund eine Rolle spielt.
Viele Kinder und Jugendliche, die in unserer Beratungsstelle vorgestellt werden, haben einen Migrationshintergrund. Die meisten sind hier geboren und ein Elternteil kommt bzw. beide Eltern kommen aus einem anderen Staat. Einige sind in Ausland geboren bzw. aufgewachsen und zu einem späteren Zeitpunkt nach Deutschland gekommen. Manche Kinder und Jugendliche haben Eltern, die zwei verschiedenen Nationalitäten bzw. Kulturkreisen angehören. Der Großteil der Kinder und Jugendlichen wächst zweisprachig, ein Teil sogar dreisprachig auf.
Der Migrationshintergrund an sich ist keine Hauptursache für die Entstehung schulischer Probleme. Im Gegenteil: Kinder, die schon sehr früh mit verschiedenen Kulturen in Berührung kommen, mehrere Sprachen beherrschen und andere Länder kennen, sind hervorragend vorbereitet für das Leben in einer globalisierten Welt. Die Kinder und Jugendlichen, die ihren Migrationshintergrund als Ressource entdeckt haben und nutzen, haben in der Regel kaum schulische Probleme.
Unsere Klienten sind vor allem Schülerinnen und Schüler, die ihren Migrationshintergrund als zusätzliche Belastung erleben. Das führt oft zu einer Intensivierung der schulischen Probleme bzw. deren Lösung wird erschwert. Der Migrationshintergrund kann auch die Probleme verschärfen, die bei einigen Kindern und Jugendlichen während bestimmter Entwicklungsphasen auftreten (z.B. beim Eintritt in den Kindergarten, bei der Einschulung und in der Pubertät).
Für jeden Mensch ist die Frage der eigenen Identität und Zugehörigkeit in jeder Entwicklungsphase von großer Bedeutung. Entwicklungsbedingte Zweifel, Unsicherheit und der Wunsch nach Anerkennung werden von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund noch intensiver erlebt. Vor allem diejenigen, die hier zweisprachig aufwachsen und daher gewohnt sind, zwischen den Sprachen zu „zappen“, tun sich schwer mit der eindeutigen Zugehörigkeit zu bzw. Abgrenzung von einer Kultur. Sie leben zwischen den Kulturen. Eine klare endgültige Entscheidung „entweder/oder“ für die eine und gegen die andere können die wenigsten treffen.
Daher ist die häufig gestellte Frage ebenso wie der Wunsch des Fragenden nach einer klaren, eindeutigen und unwiderruflichen Zuordnung und Abgrenzung wie: „Fühlst du dich eher als Deutsche/r oder als ...?“ wenig hilfreich und sinnvoll. Die Schule sollte diese kulturelle Vielfalt im Sinne einer inklusiven Bildung anerkennen und im pädagogischen Alltag mehr berücksichtigen.
Als sehr wichtig und hilfreich für die Beratung ist das Sammeln von Informationen über die Migrationsgeschichte der Familie (Eltern, Kinder usw.). Dabei geht es nicht darum, die Ursachen für die Entstehung und Aufrechterhaltung der schulischen Probleme zu suchen bzw. zu finden, sondern um ein genaueres Bild des Systems, in dem das Kind eingebettet ist, zu erhalten und so die verschiedenen Wechselwirkungen und Einflussfaktoren bei einem schulischen Problem besser zu sehen und zu verstehen.
Unser Beratungsansatz ist in erster Linie lösungs- und ressourcenorientiert.