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Baum des Jahres 2021: die Europäische Stechpalme

Die Europäische Stechpalme (Ilex aquifolim) wächst vor allem in Gebieten mit milden Wintern und nicht allzu trockenen Sommern, oft nahe von Meeresflächen. In Deutschland wächst sie vor allem im Norden und Nordwesten, sowie am Nordrand der Alpen, In Nürnberg ist die Stechpalme nicht heimisch.

Sie tritt als Strauch oder als bis zu 15 Meter hoher Baum auf, und ist vor allem im Winter gut zu erkennen an ihren immergrünen, glänzenden Blättern mit Stacheln, und ihren leuchtend roten, runden Steinfrüchten. Aber Vorsicht, die Früchte sind auch schon in geringen Mengen für den Menschen giftig!

Als einer von nur sehr wenigen in Mitteleuropa wachsenden immergrünen Laubbäumen kam der Stechpalme schon zu Zeiten der Kelten eine kulturelle Bedeutung zu. Im Christentum wurde das Gewächs wegen seiner roten Früchte mit Leben, Blut und Hoffnung in Verbindung gebracht. Die Stechpalme wird hier oft mit Weihnachten, aber auch mit dem Palmsonntag assoziiert.

Das Holz der Pflanze erfreut sich großer Beliebtheit. Es eignet sich ob seiner Härte gut für kleinere, feine Arbeiten wie dem Drechseln. Bekannt ist etwa der Spazierstock von Johann Wolfgang von Goethe, oder auch, für Fantasy Liebhaber, der Zauberstab aus Stechpalmenholz von Harry Potter aus der gleichnamigen Buchserie.

Noch größere Bedeutung kommt der Stechpalme aber als Dekoration an Weihnachten zu. Diese Tradition reicht Jahrhunderte zurück und ist vor allem in Großbritannien, und Nordamerika auch heute noch sehr beliebt. Stechpalmenzweige (engl. „holly“) werden dort extra auf Plantagen angebaut.

In Deutschland sind Stechpalmen als Dekoration zu Weihnachten heutzutage kaum noch zu finden. Das war aber nicht immer so. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert erfreuten sich die Zweige derartiger Beliebtheit, dass sie in Wagenladungen aus den Wäldern geerntet und später sogar mit der Eisenbahn in Regionen exportiert wurden, in denen eigentlich gar keine Stechpalmen wuchsen. Dies führte zu Protesten von Natur- und Landschaftsschützern. Auf deren Druck hin wurden in den 1920ern erste regionale Verordnungen zum Schutz der Pflanze erlassen. 1935 wurde die wildwachsende Stechpalme dann deutschlandweit unter besonderen Schutz gestellt - dieser Schutz besteht in vergleichbarer Form bis heute. Die Stechpalme darf weder kommerziell noch privat gepflückt, beschnitten oder ausgegraben werden.

Und die Maßnahmen zeigten Erfolg! Die wildwachsende Population der europäischen Stechpalme in Deutschland hat sich wieder erholt und gilt nun als Beispiel für gelungenen Artenschutz.

Zudem ist die Stechpalme eine Krisengewinnerin des menschengemachten Klimawandels. Durch die Erwärmung konnte sie sich in den letzten Jahrzehnten weiter nördlich ausbreiten als zuvor, und auch innerhalb ihres natürlichen Vorkommens wird sie wohl von der Erwärmung profitieren. Damit könnte sie durchaus eine Rolle im Erhalt gesunder Wälder spielen.

Quellen / Mehr zum Thema

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