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Konferenz Arbeitsgemeinschaft Berufsbildungsforschungsnetz nimmt in Nürnberg Berufsbildung für Zuwandernde in den Blick

Am 11. und 12. Juli 2016 beleuchteten bei einem AG BFN-Forum über 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Akteure der Berufsbildungspolitik und -praxis aus dem ganzen Bundesgebiet den Zugang zu beruflicher Bildung für Zuwandernde. In zahlreichen wissenschaftlichen Beiträgen aus verschiedenen Fachdisziplinen sowie durch die Vorstellung von Praxiserfahrungen wurden die Bildungs- und Arbeitssituation von Zuwandernden beleuchtet. Daneben wurden Verfahren zur Feststellung der beruflichen Potenziale von Zugewanderten erörtert sowie Strategien und Konzepte zur Aus- und Weiterbildung von Zuwandernden in den Blick genommen.

Eingeladen hatten das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in die Bundesagentur für Arbeit. Auf Basis vorliegender Erfahrungen mit Zuwanderung und den beruflichen Potenzialen von Zugewanderten wurden Strategien für passende Ausbildungs- und Qualifizierungsangebote diskutiert.

Großes Interesse zeigten die Teilnehmenden an der Integration von jungen Flüchtlingen in die duale Ausbildung, die in Bayern insbesondere durch die beruflichen Schulen geleistet wird. Bereits 2010 wurden an städtischen Berufsschulen in Nürnberg Sprachintegrationsklassen für neuzugewanderte Jugendliche ohne ausreichende Deutschkenntnisse entwickelt, in denen Neuzugewanderte innerhalb von zwei Jahren Deutsch lernen, eine Berufsorientierung durchlaufen und möglichst einen Schulabschluss erwerben können. Das mittlerweile bayernweit eingeführte Modell wurde von Dr. Thomas Geiger vom Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst und von Thomas Hochleitner vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung vorgestellt und reflektiert.

Auch bei der Abschlussdiskussion wurde nochmals ausführlich auf die Nürnberger Erfahrungen eingegangen. Michael Adamczewski, Schulleiter an der städtischen Nürnberger beruflichen Schule 11, berichtete aus der Praxis und formulierte Gelingensfaktoren. Unabdingbar sei eine gelebte Willkommenskultur, in der auch konkurrierende Gruppen durch pädagogische Neuausrichtungen profitieren und sich nicht zurückgesetzt fühlen. Geschult werden müssten daher alle und nicht nur einzelne Lehrkräfte. Netzwerke bräuchtchen gezielt Koordination und müssten regelmäßig mit Informationen versorgt werden. Besonders wichtig sei auch, dass sich mehr Unternehmen zur Zusammenarbeit bereit zeigten.

Einig war man sich, dass ein herausragendes Engagement und große Kreativität auf allen Ebenen und in allen Institutionen festzustellen sind, um Neuzugewanderte in Ausbildung und Arbeitsmarkt zu integrieren. Große Probleme bestehen aber darin, dass es noch immer kaum rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit gibt.

In seiner Schlussbemerkung forderte Prof. Eckart Severing, Geschäftsführer des Forschungsinstituts Betriebliche Bildung, den „Übergang von der Improvisation zur Strukturbildung“. Berufsbildung in einer Einwanderungsgesellschaft brauche neue Organisationsformen der Ausbildung, so zum Beispiel die Ausbildung in Etappen, die berufsbegleitende Ausbildung oder den ausbildungsbegleitenden Spracherwerb. Notwendig sei auch eine Vereinfachung der Prüfungssprache. Die Pflege der Bildungslandschaft dürfe nicht länger abhäng sein vom persönlichen Engagement vieler einzelner, sondern müsse in eine strukturelle Entwicklung münden, von der dann nicht nur Neuzugewanderte, sondern alle profitieren.

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