Kontakt

Corona-Virus: Impfstoffstrategie der EU

Mit der Marktzulassung des Impfstoffes von BioNtech/Pfizer durch die Europäische Kommission am 21. Dezember 2020 konnte am 27. Dezember 2020 mit den Impfungen in der EU begonnen und dadurch ein wichtiger Schritt in Richtung der Überwindung der Corona-Pandemie gemacht werden. Doch aus den derzeitigen Debatten kann man entnehmen, dass das Impftempo für viele noch nicht schnell genug ist. Objektiv betrachtet hat die Europäische Union jedoch nachvollziehbar gehandelt.

GERMANY Vaccinations

Das Grundprinzip der EU-Impfstoffstrategie beruht darauf, die Erfolgsrisiken zu streuen und nicht alles auf eine Karte zu setzen. So hat die EU auf mehrere Unternehmen mit unterschiedlichen Herangehensweisen und deren Vakzine gesetzt. Darunter bewährte Hersteller mit traditionellen, etwas langsameren Verfahren, aber auch auf solche, die eher schnellere und innovativere Verfahren anwenden. Die Entscheidung welche Hersteller sich in den Augen der EU eignen, basieren auf den Erfolgsprognosen, dem Zeitfaktor, dem Preis, der Fähigkeit zur sicheren Massenproduktion und Verteilung und, wie bei vielen anderen Medikamenten auch, auf Haftungs- und Logistikfragen.

Was hat die EU konkret getan? Durch Investitionen in die Herstellerunternehmen wurde der Aufbau von Produktionskapazitäten ermöglicht und ein Produktionsanlauf vorfinanziert. Beispielsweise wurden bereits Anfang Juni 2020 ca. 100 Millionen Euro in BioNTech/Pfizer investiert. Warum aber wurde nicht mehr in BioNTech/Pfizer investiert? Nachdem bekannt war, dass der Impfstoff gute Erfolgsaussichten hat, wurden die Verhandlungen schnell erweitert und die Planung von neuen Produktionsstätten begann. Zum Zeitpunkt der ersten Investitionen war jedoch noch nicht klar, welche konkreten Erfolgsaussichten der Impfstoff hat, deshalb wurden die Gelder und somit auch die Erfolgsrisiken gestreut. Hierfür schloss die Europäische Union bislang Verträge mit den Unternehmen BioNTech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca, Sanofi-GSK, Johnson&Johnson und Curevac ab. In diesen Verträgen garantiert die EU die Abnahme einer bestimmten Anzahl an Impfdosen, sodass die Risiken für die Unternehmen sinken und gleichzeitig eine Herstellung der Impfdosen für die EU schnell anlaufen kann. Die Vorfinanzierung und Investitionsstrategie der EU wurde vom Europäischen Rat gebilligt, zugleich bekam die EU die Verhandlungsvollmacht für alle 27 Mitgliedsstaaten.

Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt ist, dass während die Europäische Kommission Rahmenverträge mit den Pharmaunternhemen für alle 27 Mitgliedsstaaten aushandelt(e), den Kauf der Impfdosen per se die einzelnen Länder selbst tätigen. Somit greift das teilweise angeführte Argument, die EU sei zu sparsam oder zu geizig, nicht. Auf jeden Fall ist es sinnvoll die Verhandlungen der Europäischen Union zu überlassen. Denn als europäischer Verbund ist die Einkaufsmacht gegenüber den Herstellern größer als für einzelne Länder. Außerdem ist so eine erfolgreichere Verhandlung über Konditionen, Preis, Lieferfristen und Haftungsfragen garantiert. Darüber hinaus ist eine gemeinsame und einheitliche Lösung wichtig, denn nur mit gemeinsamen Ansätzen ist eine langfristige Besserung zu erwarten.

Das Ergebnis der EU-Impfstoffstrategie, die von allen Staats- und Regierungschefs begrüßt wurde, umfasst jetzt ein breites Portfolio an verschieden Impfstoffen. Wenn die Impfstoffe aller Hersteller mit denen die Europäische Union Vertäge ausgehandelt hat, zugelassen werden, hat die EU so mehr als zwei Milliarden Impfdosen für Europa gesichert - und das in relativ kurzer Zeit sowie bei gleichzeitiger Einhaltung von hohen Standards wie Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit.

Impfstoffdosen

Mit dieser Impfstoffstrategie verfolgt die EU das Ziel, dass ein solider Genehmigungs- und Überwachungsprozess möglich ist, Impfkapazitäten aufgebaut werden können und dass alle Mitgliedsstaaten gleichzeitig einen fairen und finanziell tragbaren Zugang zu Impfstoffen mit hohen Standards haben. Nur so, solidarisch und gemeinsam, kann eine dauerhafte Lösung zur Überwindung der Pandemie gefunden werden.

Zurück zum Seitenanfang URL dieser Seite
<http://www.nuernberg.de/internet/eu_buero/aktuell_69985.html>