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Zwei Fachstellen unter einem Dach

Bild: Katja Günther

Dr. Katja Günther, Bereichsleitung

Die stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes der Stadt Nürnberg und zuständige Bereichsleitung für die medizinische Flüchtlingsversorgung, hat klare Ziele: Sie will, dass traumatisierte Flüchtlinge nicht nur medizinisch, sondern auch psychiatrisch betreut werden.

Große Anerkennung gab´s im Gesundheitsausschuss der Stadt Nürnberg für die Arbeit, die Sie und Ihr Team bei der Versorgung der Flüchtlinge bisher geleistet haben. Wie wird es mit der medizinischen Fachstelle weiter gehen und wo sehen Sie die Stärken dieses Projekts?

"Neben den Aufgaben der ersten Zeit des Aufenthaltes in Deutschland wie der Erstuntersuchungen und der allgemeinärztlichen Basisversorgung inkl. Case -Management sind mittlerweile weitere ergänzende Angebote notwendig geworden. Hier sind das Angebot einer (Erst)Untersuchung für alle Familiennachzügler von Flüchtlingen und die Früherkennung von psychiatrischen Auffälligkeiten durch ein psychiatrisches Screening bei den ersten Untersuchungen ebenso zu nennen wie die Beratung und „Lotsenfunktion“ für suchtkranke Flüchtlinge."

Im April wurde die medizinische Fachstelle um die Fachstelle Trauma ergänzt. Was war der Grund , diese Fachstelle einzurichten und was sind die ersten Erfahrungen?

"Gemäß aktuellen Studien liegt die Rate an posttraumatischen Belastungsstörungen unter Flüchtlingen bei ca. 25%, mehr als die Hälfte der Geflüchteten leidet unter einer psychischen Erkrankung wie Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen. Knapp die Hälfte der Flüchtinge weisen eine behandlungsbedürftige psychiatrische Störung auf. Auch in der medizinischen Fachstelle war festzustellen, dass mehr und mehr auch psychische Problematiken aufbrechen und bearbeitet werden müssen. Dem hohen Bedarf an Therapieplätzen steht aber aufgrund der Sprach- und kulturellen Barriere sowie der komplexen Erkrankungsbilder eine erhebliche Knappheit an (ambulanten) Therapieplätzen gegenüber. Hier wird das Gesundheitsamt ergänzend tätig. Die ersten Erfahrungen seit der Eröffnung der Fachstelle Trauma zeigen den hohen Bedarf für das Angebot und v.a. auch, dass unser Angebot die Menschen erreicht und ihnen helfen kann."

Die beiden Fachstellen zur medizinischen und psychiatrischen Versorgung gelten als Pilotprojekt in Deutschland. Welche Vorteile sehen Sie in der gemeinsamen Arbeit?

"Der große Vorteil der „integrierten“ Fachstelle liegt darin, dass neben der Sprachkompetenz die interkulturelle Kompetenz des multinationalen Teams eingebracht werden kann. In der integrierten Fachsstelle arbeiten folgende „Bausteine“ zusammen:

1. das muttersprachliche medizinische Team, welches ein Erstgespräch durchführt im Sinne eines „Screening“ und die körperliche Untersuchung übernimmt.

2. eine Psychiaterin, die auch Kinder- und Jugendpsychiaterin ist, eine psychiatrische Diagnostik durchführt und Empfehlungen hinsichtlich medikamentöser Therapie und Psychotherapie gibt - hierbei erfolgt häufig eine kulturvermittelnde Unterstützung durch das muttersprachliche med. Team -.

3. externe approbierte Psychotherapeuten, die in der Fachstelle Psychotherapien durchführen und

4. ein Team speziell geschulter Dolmetscher."

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