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Hinter den Kulissen des Corona-Managements

Titelbild zur Kampagne Hinter den Kulissen des Corona Managements

März 2020 – ab jetzt nur noch Corona?

Diese Frage stellte sich auch die Nürnberger Stadtspitze. Als die Pandemie in Nürnberg ankam, wusste niemand, wie sich die Situation weiter entwickeln würde. Heute haben wir uns alle in einen veränderten Alltag eingefunden. Und auch im Corona-Management der Stadt läuft vieles routiniert ab.

Doch es gibt weiter viel zu tun: Was sind die Aufgaben der Stadt rund um Corona? Wie laufen Prozesse ab und was wird in der Stadtverwaltung organisiert und koordiniert? Ein Blick hinter die Kulissen lohnt sich.

Unser Netzwerk - gemeinsam gegen Corona, für uns alle

wabenförmige Darstellung der Kooperationspartner im Corona Management

Unser Netzwerk

Rückblick: März 2020, der Beginn einer anderen Zeit. Die Pandemie erreicht Nürnberg. Es gibt aufgeregte Nachrichten und schnell ist klar: Die Bewältigung der Corona-Pandemie kann nur mit einem großen Team geschehen.
Die Stadtspitze hat deshalb innerhalb der ersten Monate der Pandemie die Kompetenz aus den verschiedenen Ämtern und Dienststellen zusammengezogen und sich mit Partnern aus ganz Nürnberg zusammengetan. Unter anderem wurden Sonderfallteams für Heime, Gemeinschaftseinrichtungen für Flüchtlinge, Kitas, Schulen, Kliniken, Praxen, Erntehelfer, Reiserückkehrer, Hygieneanfragen, rechtliche Fragen und Ausnahmegenehmigungen sowie Statistik geschaffen.

Es wird deutlich, das Corona-Management findet nicht nur im Gesundheitsamt statt. Die Grafik gibt einen vereinfachten Überblick darüber, wie die Stadtverwaltung die Corona-Pandemie mit vereinten Kräften in den Griff bekommt. Wer welche Aufgaben in Nürnberg übernimmt, zeigt die Grafik mit vielen Beteiligten.

Ein Großteil der Arbeit ist dennoch an das Gesundheitsamt angegliedert, etwa die telefonische Begleitung der Erkrankten und die Kontaktnachverfolgung. Auch das medizinische Fachwissen zur Beurteilung der Lage kommt aus dem Gesundheitsamt.

Von Wellen und Fluten

Themenbereiche der Schreiben des Bayerischen Gesundheitsminister

Von Wellen und Fluten

Neben den Corona-Wellen gab es im Gesundheitsamt noch eine weitere Flut: eine aus ministeriellen Schreiben. Von März 2020 bis August 2021 gingen rund 2 100 solcher Schreiben aus dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege ein. Das sind im Durchschnitt 133 Schreiben im Monat oder vier pro Tag. Die Anzahl war in Spitzenzeiten höher und nahm zwischen den Wellen wieder ab.

Von der Theorie in die Praxis

Anzahl der Schreiben des Bayerischen Gesundheitsministeriums

Von der Theorie in die Praxis

Für die Beschäftigten im Corona-Management bedeutet das, dass sich Vorgaben manchmal mehrfach am Tag ändern und Informationen von einer Stunde zur nächsten nicht mehr gültig sind. Deshalb müssen auch Arbeitsprozesse sehr häufig angepasst werden. Verständlicherweise fühlten sich viele Bürgerinnen und Bürger zeitweise von der Fülle der Informationen überfordert.

Auf www.nuernberg.de werden die aktuellen Regelungen unter der Rubrik „Informationen zum Coronavirus“ kontinuierlich von Experten aktualisiert. Vieles in der Pandemie-Bewältigung liegt aber eben nicht in den Händen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Nürnberg, sondern in den politischen Entscheidungen auf landes- und Bundesebene.

Der Weg der Zahlen

Schematische Darstellung wie aus einer Labormeldung die Inzidenz wird.

Der Weg der Zahlen

Im Verlauf der Pandemie haben alle erfahren, wie wichtig Zahlen und Analysen für die Corona-Bewältigung sind. Um Einschätzungen treffen zu können, wurde ein komplexes Meldesystem geschaffen, an das heute viele Beteiligte angeschlossen sind. So etwas brauchte Zeit und gute Technik.

Der Meldeweg der Corona-Zahlen scheint undurchsichtig und verschlungen.
Doch gibt es eine funktionierende Struktur, die es dem Robert Koch-Institut (RKI) ermöglicht, stets aktuell über die Situation in ganz Deutschland informiert zu sein. Dieses System musste erst aufgebaut werden. Eine Mammutaufgabe, denn Zahlen zur Corona-Pandemie entstehen ständig und an vielen Stellen:
In Kliniken und Praxen, in Laboren, Apotheken, in Firmen, Schulen, Heimen oder bei Privatpersonen – überall kann eine Corona-Infektion festgestellt werden … und dann? Dann müssen Daten sofort an die richtigen Stellen geleitet werden.

In Nürnberg hat man bereits in der ersten Welle ein eigenes Datenbanksystem zur Erfassung der vielen Informationen entwickelt. Dieses Nürnberger Corona-Contact Management System (CCM) benötigte passende Schnittstellen zu Systemen des RKI und des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Und hier wird schon deutlich: Es gibt viele Beteiligte, die berücksichtigt werden müssen, die Zahlen verwalten, Daten zusammenführen und helfen, ein komplexes Bild der Lage zu entwickeln. Doch die vielen Stationen der Daten bergen auch Risiken und Fehlerquellen in Übermittlung und Abgleich.

Neue Wege mit Sormas

Die Grafik stellt den Weg der Daten mit der Software Sormas dar.

Neue Wege mit Sormas

Der Umstieg auf die Software Sormas ist verpflichtend für alle Gesundheitsämter in Deutschland und wurde von Bund und Ländern gemeinsam beschlossen. Derzeit stellen viele Städte und Gemeinden in Deutschland auf das neue Erfassungssystem um. In Nürnberg liefen bereits Schulungen für die Mitarbeitenden, die Umstellung fand im August 2021 statt.

Sormas wird nicht nur für die Verwaltung der Corona-Pandemie eingesetzt. Die Software soll künftig alle meldepflichtigen Krankheiten verwalten. Dazu gehören zum Beispiel auch Masern oder Tuberkulose. Vorteile einer zentralisierten Softwarelösung sind der vereinfachte Austausch von Daten zu Infizierten (= Indexfällen) und deren Kontaktpersonen zwischen verschiedenen Gesundheitsämtern.
Außerdem besteht die Möglichkeit, Unterstützer aus Dienststellen und Behörden außerhalb der Stadtverwaltung Nürnberg zentral zu schulen. Es können auch statistische Auswertungen anonymisierter Falldaten für Entscheidungsträger erstellt werden.

Der Prozess, einen guten Umgang mit den Zahlenmeldungen zu Corona zu entwickeln, ist also noch nicht abgeschlossen. So dynamisch wie das Pandemiegeschehen, so entwickelt sich auch dessen Verwaltung mit.

Corona-Kontakt-Nachverfolgung: „Es sind schon Schicksale, mit denen man zu tun hat.“

An jedem unserer Telefone sitzt ein Mensch.

Corona-Kontakt-Nachverfolgung

Wer sich in Nürnberg mit dem neuen Corona-Virus infiziert oder als enge Kontaktperson in Quarantäne muss, erhält einen Anruf des Corona-Kontakt-Nachverfolgungs-Teams (CTT – Corona Contact Tracing Team). Und wer sitzt da am anderen Ende der Leitung? Zum Beispiel Moritz. Er erzählt, was man da alles zu hören bekommt und warum ältere Menschen ihm besonders liebe Gesprächspartner sind.

Moritz kennt man in der Nürnberger Musikszene. Seit 15 Jahren arbeitet er dafür, die Stadt fest auf der musikalischen Landkarte zu verankern. Und dann kommt Corona – Clubs und Locations schließen, den Rest kennen wir. „Klar ist es schlimm. Die Kulturszene ist klinisch tot. Wir arbeiten noch im Hintergrund, halt mehr so für uns. Aber es gibt ein großes Verständnis bei den Leuten, dass es gerade nicht anders geht,“ ist seine Erfahrung, die er im Juli 2021 schilderte.

Moritz hilft in der Corona-Kontakt-Nachverfolgung aus und telefoniert Infizierte und deren enge Kontaktpersonen ab. Am Anfang war er in dem Team, das die Menschen aus der Quarantäne entlässt – also eigentlich die beste Aufgabe? „Naja schon. Aber man muss da auch manches glattziehen, was bis dahin nicht so gut gelaufen ist. Am Ende des Tages ist da aber auch viel Dankbarkeit und Freude. Mehr als man vielleicht denkt.“ Gespräche dauern manchmal nur ein paar Minuten, manchmal auch eine halbe Stunde.
„Es sind Leute dabei, zu denen man eine Beziehung aufbaut. Von Lachen bis Weinen, erlebt man alles mit.“ berichtet Moritz. Es geht eben um mehr, als nur bloße Information oder die Ansage von Regeln.

Viel mehr als ein Callcenter
„Viele Leute sind echt nett, gerade Ältere. Die machen oft Scherze und sind lustig. Die freuen sich auch, dass jemand in der Zeit mit ihnen redet.“ So kommt es auch, dass die Telefonate hier nicht streng getaktet oder rein nach Effizienz abgehandelt werden. „Einmal hatte ich eine Frau am Telefon, die war gerade aus dem Koma erwacht und hat nicht gewusst, dass ihr Mann bereits verstorben ist und ihr Kind in die Klinik musste. Da legst du nicht gleich wieder auf. Das ist echt schlimm und so was gab es öfter.“
Um sich eine Vorstellung vom Umfang der Anrufe zu machen, muss man wissen, dass eine infizierte Person am Anfang zweimal angerufen wird, um in Quarantäne gesetzt zu werden und dann gefragt wird, mit welchen Menschen enger Kontakt bestand. Danach erfolgen tägliche Anrufe bis zum Ende der Quarantäne und die Entlassung. Hat ein Infizierter fünf Kontaktpersonen, so müssen diese ebenfalls kontaktiert werden. Bei täglich zehn neu Infizierten, das ergibt eine Sieben-Tages-Inzidenz von etwa 13,5 – müssen summa summarum täglich 750 Telefonate geführt werden. Bei einer Inzidenz von 35 wären es bereits 1 942 Anrufe bei 26 neu Infizierten pro Tag.

Zu Spitzenzeiten arbeiteten über 400 Menschen bei der Kontakt-Nachverfolgung. Viele Unterstützerinnen und Unterstützer kamen aus anderen Ämtern, Behörden oder dem Ruhestand. Polizei, THW, Bundeswehr und viele andere zogen an einem Strang, um die Kontakt-Nachverfolgung zu unterstützen.

Neben dem Telefon ist das wichtigste Werkzeug der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Datenbank mit allen Infos zu infizierten Personen und Bürgern in Quarantäne. Außerdem hat das Gesundheitsamt ein internes Wiki aufgebaut, das die aktuell geltenden Regelungen, Gesetzteslagen Arbeitsanleitungen enthält.

Diese Seite wird fortlaufend ergänzt.

Schauen Sie wieder vorbei.

Aktualisiert am 06.09.2021, 16:52 Uhr

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