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Sharing Economy – Vom Besitzen zum Teilen

Ein Beitrag von Britta Walthelm:

Erstens, Umwelt- und Klimaschutz: Tauschen und Teilen trägt dazu bei brachliegende Ressourcen zu aktivieren und sie insgesamt sparsamer einzusetzen. Man denke zum Beispiel daran, wie viel Platz wir mit mehr Car Sharing in der Innenstadt z.B. für Bäume und FußgängerInnen gewinnen könnten, steht doch das Durchschnittsauto 23 Stunden am Tag nutzlos auf seinem Parkplatz. Weniger Überflüssiges besitzen und mehr Teilen und effizienter Nutzen bedeutet weniger (Über-)produktion, weniger Wegschmeißen, weniger CO2-Ausstoß und ist deshalb gut für das Klima.

Zweitens, hat das Teilen auch einen sozialen und zivilgesellschaftlichen Aspekt: Teilen heißt kooperieren, heißt vertrauen. Man lernt sich besser kennen und das ist gut für den sozialen Zusammenhalt in unserer Stadt. Interessant ist, dass sich in Nürnberg eine richtige Graswurzelbewegung entwickelt hat, die gesellschaftliche Entwicklungen und Missstände aufgreift und innovative Lösungen anbietet: Beispiel Lebensmittelverschwendung: Mit food sharing muss ich, wenn ich in den Urlaub fahre, Lebensmittel nicht mehr wegschmeißen, sondern kann sie unkompliziert an andere weitergeben. Beispiel Bauernhofsterben: Mit einem Ernteteil bei der Solidarischen Landwirtschaft Nürnberg unterstütze ich die regionale Produktion von Lebensmitteln und den Erhalt gesunder Böden und lerne auch noch beim Hoffest Gleichgesinnte kennen. Beispiel Individualisierung/Flexibilisierung: Die Couch-Surfing-Community bietet nicht nur einen Übernachtungsplatz, sondern auch eine Plattform für Leute, die neu in der Stadt sind.
Klar dürfen wir die Sharing Economy nicht rosarot malen, denn es geht nicht nur um Kooperation im Kleinen. Längst sind große Konzerne auf dem Feld aktiv - Sharing ist eben auch ein gigantischer globaler Markt. Ich glaube aber, dass wir das einfach nüchtern betrachten müssen: Chancen erkennen und fördern und dort an den gesetzlichen Stellschrauben drehen wo Risiken sind. Bei kommerziellen Angeboten müssen natürlich für Alle die gleichen Regeln gelten - Stichworte fairer Wettbewerb, gute Arbeit, oder auch Datenschutz. Es geht aber insgesamt vor allem darum, wie wir den Wandel in unserem Sinne gestalten können – da ist mir die Diskussion bei uns bisher viel zu rückwärtsgewandt und negativ geprägt, siehe zum Beispiel die Diskussion um UBER.
Was kann die Stadt Nürnberg jetzt konkret tun? Auf jeden Fall das Thema strategisch angehen und mehr Raum für Sharing-Angebote in der Stadt schaffen – zum Beispiel für Grundstücke, für Stadt- und Gemeinschaftsgärten oder Wohnprojekte mit Gemeinschafträumen. Heute finden übrigens schon diverse Tauschbörsen in den Kulturläden statt und die Stadt plant gerade „Mobilitätsstationen“, an denen Car- und Bike-Sharing mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln vernetzt sind. Oft geht es aber auch um ganz kleine konkrete Maßnahmen: So stellt die Stadt Nürnberg seit kurzen Bewohnerparkausweise für Nutzer von Car Sharing aus – damit es keine Strafzettel mehr beim Parken vor der eigenen Haustüre gibt.

20160406 Sharing Economy Impulsreferat Heinrichs

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Prof. Dr. Heinrichs

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(v.l.n.r.) Frank Braun, Britta Walthelm und Prof. Dr. Heinrichs

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Stadträtin Britta Walthelm bei einer Podiumsdiskussion des Bildungszentrums zur Sharing Economy unter anderem mit dem Professor für „Nachhaltigkeit und Politik“ Harald Heinrichs und Frank Braun von Blue Pingu e.V.

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