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Feinstaub in Nürnberg: Unser grüner Umweltreferent erklärt die Lage

Peter Pluscke

In der zweiten Januarhälfte und zu Beginn des Monats Februar sind in ganz Deutschland hohe Feinstaubkonzentrationen gemessen worden – mit Spitzenwerten in Nürnberg. Unser grüner Umweltreferent Peter Pluschke erklärt die Lage und betont, dass mit keinen Grenzwertüberschreitungen zu rechnen ist.

Feinstaub – verschiedene Größen

Feinstaub wird in zwei verschiedenen Formen gemessen, einmal als PM10 (Partikel mit einem Durchmesser <10 µm) und als PM2,5 (mit Partikel-Durchmesser <2,5 µm). Als Grenzwert festgesetzt ist der Jahresmittelwert. Dieser liegt für PM10 bei 40 µg/m³ und für PM2,5 bei 25 µg/m³. In Nürnberg wurden diese beiden Grenzwerte noch nie überschritten. Auch für das Jahr 2017 ist keine Überschreitung zu erwarten – trotz der zeitweise hohen Messwerte am Jahresanfang.

Grenzwerte: In Nürnberg noch nie überschritten

Speziell für PM10 hat der Gesetzgeber über die Europäische Luftqualitätsrichtlinie hinaus, die durch BundeSimmissionsschutzgesetz und deren zugehörige Verordnungen in deutsches Recht umgesetzt wurde, eine zweite Grenzwertsetzung vorgenommen: So darf ein Tagesmittelwert in Höhe von 50 µg/m³ nicht öfter als 35-mal pro Jahr überschritten werden. Auch gegen diese Grenzwertregel ist in Nürnberg noch nie verstoßen worden. Es gibt Befürchtungen, dass sich das dieses Jahr ändern könnte, weil in den ersten beiden Monaten bereits 22 Überschreitungen des Tagesmittelwertes gemessen wurden. Peter Pluschke gibt aber Entwarnung: „Auch in den letzten sechs sind im Durchschnitt 22 Überschreitungstage beobachtet worden. Dreiviertel der Tage lagen zwischen Januar und März. Grund dafür ist die Inversionswetterlage, die in Nürnberg besonders oft zu Jahresbeginn vorkommt. In dieser Zeit ist der Austausch der vertikalen Luftschichten stark eingeschränkt und es gibt insgesamt nur eine geringe Luftbewegung. Das führt zu einer hohen Schadstoffkonzentration in der Luft. Angesichts der Erfahrungswerte aus den letzten Jahren dürfte deshalb auch dieses Jahr keine Grenzwertüberschreitung für Feinstaub auftreten,“ ist sich Peter Pluschke sicher.

Stickstoffdioxid – der eigentlich bedenkliche Schadstoff

Der grüne Umweltreferent weist auf ein noch dringlicheres Problem hin: „Bei der Feinstaub-Debatte geht oft verloren, dass ein zweiter Schadstoff für Nürnberg eine noch größere Bedeutung hat; und zwar Stickstoffdioxid. Zumindest im Bereich der Ringstraße, dort wo sie dicht und hoch bebaut ist, sind für Stickstoffdioxid Überschreitungen des gesetzlich als Grenzwert festgelegten Jahresmittelwertes von 40 µg/m³ festgestellt worden.“ Anders als bei Feinstaub, für den es neben dem Verkehr noch zahlreiche weitere Quellen gibt, stammt Stickstoffdioxid im innerörtlichen Bereich zu mehr als 70 Prozent aus dem Verkehr mit einem besonders hohen Beitrag durch Diesel-Pkw. Für diese Fahrzeuge gelten im Grundsatz strenge Emissionsnormen. Peter Pluschke erklärt: „Würden alle Diesel-Pkw die heute für Neufahrzeuge geltenden Normen nach EURO 6 erfüllen, wären wir das Stickstoffdioxidproblem los. Deshalb muss in der Luftreinhaltepolitik die Einhaltung der Kfz-Emissionsgrenzwerte höchste Priorität haben, und zwar sowohl bei Altfahrzeugen als auch bei Neufahrzeugen. Mit den trickreichen Verfahren zur Abschaltung der Abgasreinigung bei angeblich nach EURO 6 ausgestatteten Neufahrzeugen hat die Automobilindustrie die gültige Rechtsetzung ausgehebelt. Sie trägt damit die Verantwortung für die Grenzwertüberschreitungen. Eine Verschiebung des Problems zu den Kommunen verschleiert nur die Verantwortung. Beim Stickstoffdioxid noch stärker als beim Feinstaub muss es darum gehen, die Automobilindustrie auf die gesetzten Normen zu verpflichten und Fahrzeuge, die diesen nicht entsprechen, nicht mehr zuzulassen.“

Stetig bessere Luftqualität seit 50 Jahren

Derzeit wird der Luftreinhalteplan für Nürnberg überarbeitet – im Zusammenwirken mit der Regierung von Mittelfranken, bei der die Zuständigkeit für diesen Luftreinhalteplan liegt. Die darin festgeschriebenen Maßnahmen sollen wirksamer als kurzfristige Ad-hoc-Reaktionen zu einer nachhaltigen und grundsätzlichen Verbesserung der Luftqualität führen. „Bei allem Ärger über die aktuelle Luftqualität ist trotzdem festzustellen: Die Luftqualität hat sich im Verlaufe der letzten 50 Jahre schrittweise und kontinuierlich verbessert, auch die Belastung mit Feinstaub ist rückläufig,“ fasst Peter Pluschke die momentane Lage zusammen.

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