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Homosexualität und Transgender an Schulen – noch immer ein Tabu?!

Die Welt ist bunter – Schulen tun sich schwer

Die Realität an den Schulen sieht noch immer so aus, dass sich ausschließlich die klassische Familienkonstellation, also Vater, Mutter, Kind in Schulbüchern und Lehrmaterialien wiederfindet. Dies wird aber den Ansprüchen nicht gerecht, denn rein statistisch gesehen gibt es in jeder Schulklasse so viele Homosexuelle wie Linkshänder. Ein Abbilden von schwullesbischer oder transidenter Lebensrealität sollte auch stärker von den Lehrkräften forciert werden, wirbt Heiko Rohde, aktiv bei der AG LesBiSchwuler Lehrer_innen in Hessen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und selbst Berufsschullehrer. Das kontinuierliche Aufzeigen von den unterschiedlichen Familienmodellen und sexuellen Identitäten vermittelt Normalität. Matheaufgaben könnten dann beispielsweise lauten: „Papa und Papa kaufen ein Mehrschweinchen für 17,95 Euro.....“.

Dies unterstütze homosexuelle und transgender Kinder und Jugendliche in ihrer Phase der Identitätsfindung, pflichtet auch Andreas Unterforsthuber von der Koordinierungsstelle Gleichgeschlechtliche Lebensweisen der Stadt München bei. Er stellte eine Münchner Studie aus dem Jahr 2010 vor, bei der 800 Fachkräfte der Kinder- und Jugendarbeit befragt wurden. Orten wie Schulen und Jugendtreffs, wird mit über 90 % ein unfreundliches soziales Klima für lesbische und schwule Jugendliche attestiert. Auch wird das Thema „Sexuelle Identität“ mehrheitlich nicht als mögliche Problemursache junger Menschen mitgedacht. Oftmals fehlt bei den Fachkräften das Fachwissen, wie beispielsweise die verschiedenen Stufen eines Coming-outs. Studien zeigen zudem, dass es eine vier bis achtfache höhere Suizidgefährdung gibt als bei heterosexuellen Jugendlichen.

Die Diskussionsrunde

In der anschließenden Diskussionsrunde, moderiert von Dieter Barth, wurden von den Podiumsgästen, darunter Gerda Reuss, eine offen lebende lesbische Hauptschullehrerin, gefordert, wieder Fortbildungen für Lehrkräfte anzubieten, dies es vor etlichen Jahren bereits gab. Dass der Bedarf da ist, verdeutlichte Peter Gruber, Schulleiter der Tusnelda Schule, der mit dem Thema in seiner langjährigen Schullaufbahn noch nicht konfrontiert wurde. Er gab offen zu, dass er nicht wirklich wüsste, wie er mit dem Thema bzw. den Jugendlichen umgehen solle. Inge Breuling, von der Elterngruppe bei Fliederlich e.V. benannte die wichtige Rolle der Eltern in dieser Phase. Unterstützung für transidente Jugendliche bietet auch die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität, so Sandra Wissgott, Transfrau und Schulleiterin in Windsbach. Kerem Dykast, Stadtschülersprecher, betonte, dass sich die Einstellung in der Gesellschaft ändern müsse.

Deutlich wurde: an den Schulen muss noch viel unternommen werden um alle Jugendlichen gleichwertig und vor allem wertschätzend in ihrer Entwicklung zu begleiten. Hierfür müssen alle, Schüler/innen wir Lehrkräfte und Schulleitung an einem Strang ziehen und Homosexualität und Transgender thematisieren, ohne es zu problematisieren.

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