Kontakt

6. Nürnberger Integrationskonferenz

Gemeinsamkeiten in der Vielfalt - Leitlinien für die Stadtgesellschaft

Die 6. Nürnberger Integrationskonferenz fand am Samstag, 13.05.2017 im südpunkt in Nürnberg statt. Veranstalterin war die Stadt Nürnberg / Koordinierungsgruppe Integration in Kooperation mit dem Nürnberger Rat für Integration und Zuwanderung. An der Integrationskonferenz haben über 180 Interessierte die Leitlinien zum Integrationsprogramm der Stadt Nürnberg kritisch überprüft und Ideen zur Weiterentwicklung der kommunalen Gesellschaftspolitik entwickelt.


Begrüßung und Grußwort

In seiner Begrüßung betont Jürgen Markwirth, Koordinierungsgruppe Integration, die Kontinuität der Themen der Integrationskonferenzen seit 2011 bei der Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses der Stadtgesellschaft. Wegweisende Fragen zu den Themen Integration, Interkultur und Vielfalt wurden und werden auf den Konferenzen diskutiert, um gemeinsam Vorstellungen für die Zukunft zu entwickeln. Dies alles sind Themen, die auch bei der anstehenden Bewerbung Nürnbergs als Europäische Kulturhauptstadt eine bedeutsame Rolle spielen. Die Konferenz 2017 dient nun einer Bilanz der Leitlinien zur Nürnberger Integrationspolitik, die 2004 vom Stadtrat beschlossen wurden. Was fehlt, wo stehen wir, wo müssen wir hin – in den die Arbeitsphasen der diesjährigen Integrationskonferenz sind die Einschätzungen und Ideen aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefragt.

Für den Nürnberger Rat für Integration und Zuwanderung spricht Lemia Yiyit, die 1. Stellvertretende Vorsitzende, das Grußwort. Für sie ist Integration ein ständiger Prozess der Bewegungen und Herausforderungen. Bei der Konferenz soll überprüft werden, welche Leitlinien erfolgreich umgesetzt wurden, wo noch Bedarf besteht und wie Defizite ausgeglichen werden können. Insbesondere bei der Leitlinie 9, „Interkulturelle Öffnung und Kompetenz“ sieht Frau Yiyit großen Verbesserungsbedarf und fordert verstärkte Anstrengungen der Stadt Nürnberg, in ihrer Verwaltung den Anteil der Beschäftigten mit Migrationshintergrund zu erhöhen. Sie kritisiert die bisherigen Maßnahmen als unzureichend und zaghaft. Um das Ziel zu erreichen, sollten daher weitere konkrete Maßnahmen geplant und umgesetzt werden. Beispielsweise solle das Personalamt gezielt Menschen mit Migrationshintergrund als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Auszubildende anwerben.


Integrationspolitische Entwicklungen der letzten Jahre

Elisabeth Ries, Koordinierungsgruppe Integration, gibt einen Überblick über wichtige integrationspolitische Entwicklungen seit 2004. Ausgewählte Schlaglichter auf Migration, Integration und Gesellschaftspolitik schlagen einen Bogen von der Aussage Bundeskanzler Kohls „Die Bundesrepublik Deutschland ist kein Einwanderungsland.“ (1991) zu Bundeskanzlerin Merkels Zugeständnis „Wir sind im Grunde schon ein Einwanderungsland“ (2015).

Die Chronologie umfasst die Themenbereiche „Europa: Wachstum, Krisen und Chancen“, „Von der Ausländerpolitik zur Integration: Gestaltung einer politischen Aufgabe“, „Fluchtmigration im Fokus“, „Zusammenhalt und Ausgrenzung - Normalität der Vielfalt“.


Integrationspolitik als Gesellschaftspolitik

Dr. Ulrich Maly, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, hat bei seinem Amtsantritt 2002 Integration zur Chefsache erklärt. Damals wie heute verspürt er in der Gesellschaft eine Verunsicherung, wie wir mit uns selbst als Einwanderungsland umgehen und er empfiehlt, den Satz „Wir können Integration“ nur vorsichtig zu verwenden. In seinem Vortag geht er der Frage nach, in welchen Bereichen in der Politik der letzten Jahre möglicherweise zu wenig getan wurde. Generell gelte, dass man den Endzustand einer integrierten Gesellschaft nie beschreiben kann, da sich eine Gesellschaft immer verändern wird. Am Beispiel der Präsidentschaft von Barack Obama erläutert er, dass Symbolhaftigkeit vermutlich nicht reicht, um Politik tatsächlich grundlegend zu verändern. Unverzichtbar sei es aber, dass sich die Politik dem Thema Integration widmet.

Dr. Maly analysiert weiter, dass das Etablieren von Gemeinsamkeiten in der Vielfalt bei weitem noch nicht ausreichend erfolgt sei. Fehlende Wertschätzung und das Gefühl, nicht als gleichwertig akzeptiert zu sein, sieht er hierbei als einen bedeutsamen Faktor. Eine Verbesserung der Wertschätzung muss auch von der Kommune stärker gefördert werden.

Grundsätzlich hält Dr. Maly die Beschwörung eines einheitlichen und diffusen „Wir“ für problematisch, er hält es für zukunftsweisender, die Gemeinsamkeiten in einer vielfältigen Gesellschaft zu finden, wie es auch der Titel der Integrationskonferenz, „Gemeinsamkeiten in der Vielfalt“, formuliert.

Nach dem Vortrag von Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly hat das Publikum Gelegenheit zu Fragen und Anmerkungen. Die Diskussion wird moderiert von Oxana Strobel, 2. Stellvertretende Vorsitzende Nürnberger Rat für Integration und Zuwanderung.


global art intermezzo: „Einsamkeit – Das Leben im Netz“

Das global art intermezzo „Einsamkeit – Das Leben im Netz“, ist ein (inter)kultureller Beitrag von Alevtina Miller, Athina Tsimplostefanaki und Konstantinos Zarifopoulos. Bei der Improvisation greifen drei Genres experimentell ineinandergreifen: Fotografie, Pantomime und Musik.

Neue Kooperationsformen ausprobieren, Grenzen sprengen, den Blick auf Innovationen richten: das alles hat sich das vom Inter-Kultur-Büro im Amt für Kultur und Freizeit initiierte "Global Art Netzwerk" auf die Fahnen geschrieben.

Das breit aufgestellte Netzwerk der interkulturellen Kunst- und Kulturszene Nürnbergs begann im Herbst 2015 mit den regelmäßigen "Global Art Sessions" in der Werkstatt 141. Bisheriger Höhepunkt war vom 28. bis zum 30.4.2017 das erste GLOBAL ART FESTVAL. Das global art intermezzo auf der Integrationskonferenz gibt einen kurzen Einblick in die kulturelle Vielfalt Nürnbergs.


Gemeinsamkeiten in der Vielfalt

In seinem Vortrag stellt Prof. Dr. Armin Nassehi, Institut für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, sieben Thesen zur Diskussion. In seinem „anderen Blick aufs Migrantische jenseits von naiver Schwärmerei und prinzipieller Feindschaft“ provoziert er mit der Überschrift „Desintegration als Ziel“ und prangert das oft zu beobachtende Schwarz-Weiß-Denken beim Thema an. Generell hadere er mit dem Begriff Integration, da der Begriff Integration mehr Bedeutung mitschleppe, als diejenigen wissen, die ihn verwenden.

Nassehi beschreibt Europa als Ergebnis von Integrationsprozessen, Migration als eine europäische Lebensrealität. Am Beispiel der Zuwanderung von polnischen Migrantinnen und Migranten ins Ruhr-gebiet vor 150 Jahren schildert er zunächst, wie Zuwanderungsmerkmale mit der Zeit zu verschwinden pflegen. In seinen sieben Thesen geht er dann auf die Gegenwart ein.

Kontakt:

Zurück zum Seitenanfang URL dieser Seite:
<http://www.nuernberg.de/internet/integration/konferenz2017.html>