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„House of Resources“ – Abschlussbericht und Perspektiven des 2019 beendeten Projekts.

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„House of Resources“ (HoR) ist ein Modellprogramm des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zur Erprobung neuer Ansätze des Bürgerschaftlichen Engagements im Bereich Integration.

Abschlussbericht und Perspektiven

Das BAMF wählte das Inter-Kultur-Büro des Amtes für Kultur und Freizeit(KUF/IKB) mit seinem Konzept als einen von bundesweit 14 Standorten aus und förderte von September 2016 bis Dezember 2019 eine Voll-zeitstelle sowie Sachmittel in Höhe von durchschnittlich 73.000 € pro Jahr.

Diese zusätzlichen Ressourcen ermöglichten es, in der Arbeit des KUF/IKB neue Akzente zu setzen. Dies wäre sonst mit der knappen regulären Personalausstattung nicht möglich gewesen. Schwerpunkt war es, die Weiterentwicklung und Professionalisierung des Engagements der Zielgruppen zu unterstützen. Das Projekt stärkte die Herkunfts-bzw. Bezugsland übergreifende Vernetzung der Migrantenvereine unter-einander und förderte die Zusammenarbeit mit Künstler/-innen und Kulturschaffenden. Verbessert wur-den die Rahmenbedingungen für die Realisierung von innovativen, inter-/transkulturellen Kooperationsprojekten.

Konkrete Angebote waren dabei:

- Beratung, Begleitung, Coaching von Vereinen und Kulturschaffenden

- Informations- und Qualifizierungsangebote

- Bereitstellung von Infrastruktur, insbesondere von Räumen für Proben und für
die Produktion künstlerischer Projekte. Von Januar 2017 bis August 2018 konnten ein 200 qm großer Probe- und Kreativraum sowie ein 90 qm großer Coworking-Space auf dem AEG-Gelände angemietet und den Zielgruppen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Ab Herbst 2018 konnte ein Teil des Raumbedarfs (Gruppentreffen, punktuelle Proben) durch die Mitnutzung von Räumen zweier Migrantenvereine abgedeckt werden. Dafür wurde ein Mietkos-tenzuschuss gewährt und das Raummanagement unterstützt.

- Finanzielle Förderung von übergreifenden und innovativen Kooperationsprojekten mit ca. 20.000 € jährlich.

Besonders wichtig war es dabei, dass die verschiedenen Angebote ineinandergreifen und dadurch die Akteure umfassend in allen Phasen ihres Entwicklungsprozesses bzw. ihrer Projektarbeit bedarfsgerecht unterstützt werden konnten.

In der Projektlaufzeit wurden insgesamt mit den verschiedenen Unterstützungsangeboten ca. 80 Verei-ne, Initiativen und Kulturschaffende erreicht.

Beratung bzw. Coaching nahmen über 60 Vereine, Initiativen und Kulturschaffende in Anspruch. Davon wurden 11 Vereine und 10 Kulturschaffende intensiver bzw. längerfristig begleitet. Durch die Begleitung des vom Inter-Kultur-Büro initiierten „Global Art Netzwerks“ und des neugegründeten Zusammenschlus-ses „MOiN (Migrantenorganisationen in Nürnberg)“ wurden weitere Kulturschaffende und Vereine er-reicht.
Neben alltagspraktischen Fragen ging es dabei auch um Vereinsgründungen, Unterstützung bei der Entwicklung von Angebots- bzw. Projektideen oder auch Fragen der Organisationsentwicklung. Kulturschaffende suchten v.a. Beratung in Bezug auf Fundraising, Öffentlichkeitsarbeit/Marketing, aber auch begleitende Unterstützung bei der erstmaligen Umsetzung von Projekten und Veranstaltungen.

Es wurden 20 Informations- und Qualifizierungsveranstaltungen mit ca. 280 Teilnehmer/-innen durchgeführt. Mit den Themen wurden aktuelle und praxisorientierte Bedarfe aufgegriffen, so z.B. Antragstellung, Projektmanagement, Vereinsrecht, Datenschutz, Öffentlichkeitsarbeit, Webseiten-Erstellung, Präsentation und Moderation.

Wichtiges Ziel im Rahmen des Projekts war die Anregung zu und die Unterstützung von Herkunfts-/Bezugsland übergreifender Zusammenarbeit. Entsprechende Projekte hatte es vorher wenige gegeben. Durch HoR Nürnberg konnten im Projektzeitraum 24 solcher Kooperationsprojekte realisiert werden.

Die Räume wurden insgesamt von 14 Vereinen, Initiativen und Künstlergruppen sowie von neun Einzel-künstler/-innen genutzt. Es wurden insgesamt Akteure aus über 20 verschiedenen Herkunfts- bzw. Bezugsländern erreicht.

Sichtbare Ergebnisse des Projekts waren u.a.:

- Die Gründung des Vereins Migrantenorganisationen in Nürnberg (MOiN e.V.) im Januar 2018, einem aus dem anfangs ebenfalls vom Inter-Kultur-Büro begleiteten Projekt „samo.fa - Stärkung der Aktiven aus Migrantenorganisationen in der Flüchtlingsarbeit“ entstandenem Zusammenschluss von aktuell 9 Migrantenvereinen. Dass sich auch in Nürnberg – wie in vielen anderen Großstädten in Deutschland – ein Zusammenschluss von Migrantenvereinen aus unterschiedlichen Herkunftsländern gründet, war schon länger ein vielfach geäußerter Wunsch von Vereinen. Damit verbunden ist die Erwartung der Stärkung der Interessensvertretung und eine bessere Sichtbarkeit des Engagements der Migrantenvereine. Die circa sechsmonatige Phase der Vereinsgründung wurde im Rahmen des Projekts beratend begleitet. Neben der grundlegenden Rechtsberatung zur Gründung eines derartigen lokalen Dachverbandes wurden Räume und Infrastruktur zur Verfügung gestellt. MOiN e.V. ist zwischen-zeitlich auch Träger des bundesweiten Modellprojektes „samo.fa“, über das eine hauptamtliche Stelle und Sachkosten finanziert werden.

- Die zunehmende Professionalisierung und Etablierung des Netzwerks „Global Art Nürnberg“, das im Frühjahr 2019 ebenfalls einen Verein gegründet hat. Das Netzwerk ist ein seit Frühjahr 2015 bestehender offener Zusammenschluss engagierter inter-kultureller Kunst- und Kulturschaffender verschiedener Kultursparten. Ziel ist, das kreative Potential, das sich durch Migration und kulturelle Globalisierung in Nürnberg entwickelt hat, zu stärken, weiterzuentwickeln und in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Die vielfältigen Aktivitäten des Netzwerks konnten nur durch die intensive Unterstützung des Inter-Kultur-Büros im Rahmen von „House of Resources“ realisiert werden. Insbesondere die beiden mehrtägigen „Global Art Festivals“ 2017 und 2019 wurden in enger Kooperation durchgeführt. Dabei hatte das Inter-Kultur-Büro v.a. die Funktion des „Ermöglichers“ für das bürgerschaftliche Engagement der Kulturschaffenden. Es kümmerte sich vorwiegend um die organisatorischen Fragen und um die Infrastruktur, die Kulturschaffenden entwickelten das künstlerische Programm. Dies war nur durch die personellen und finanziellen Ressourcen möglich, die im Rahmen des Projekts zur Verfügung standen. Das Netzwerk hat sich zwischenzeitlich als Teil der Nürnberger Kulturlandschaft etabliert und wurde als ein Preisträger des Kulturpreises der Stadt Nürnberg 2019 ausgewählt. Das „Global Art Festival“ ist auch Bestandteil des BidBooks zur Bewerbung Nürnbergs als Kulturhauptstadt Europas 2025.

- Die Realisierung von 24 Kooperationsprojekten von Migrantenvereinen und interkulturellen Kulturschaffenden, zum Teil mit Beteiligung etablierter Kultureinrichtungen durch finanzielle Förderung aus Projekt-Mitteln und durch Bereitstellung von Räumlichkeiten und Beratung.

Einige Beispiele:

o Theaterprojekt "Antigone", bei dem Künstler/-innen (Schauspiel, Musik, Bildende Kunst) mit und ohne Migrationshintergrund auf Augenhöhe zusammengearbeitet haben.

o "Asik Veysel – Stimme des anatolischen Humanismus", bei dem die Alevitische Gemeinde Nürnberg, der Humanistischer Bund Nürnberg und die Villa Leon zusammengearbeitet haben.

o Kooperationsprojekt „Gegensätze“, der Äthiopische Kulturverein arbeitete dabei mit Junge Stimme e.V. und einer Konzeptkünstlerin zusammen.

o Kreativcamp des Netzwerks Global Art Nürnberg: 30 unterschiedlichste Künstler/-innen und Kulturschaffende arbeiteten ein Wochenende in wechselnden Gruppen kreativ zusammen (Film, Foto, Musik, Impro-Theater, Malerei).

o Drei multimediale Kunstaktionen der Künstlergruppe "MOBILE" im Volksbad, in historischen Eisenbahnwaggons und in einer Autowerkstatt mit Beteiligung von Künstler/-innen und Kulturschaffenden unterschiedlichsten Sparten mit und ohne Migrationshintergrund.

o Multilingualer Chor mit Vertreter/-innen aus 8 Migrantenvereinen. Präsentation beim Global Art Festival 2019.

- Die Kombination von Probe- und Kreativraum mit dem Coworking-Space war für einzelne Kulturschaffende und Vereine/Initiativen ein passgenaues Angebot, das bisher so in Nürnberg für die Zielgruppen nicht bestand. Dadurch konnten u.a. mehrere innovative künstlerische Produktionen verwirklicht werden. So z.B. die oben genannten Projekte "Antigone" und "Gegensätze", drei mehrwöchige Performance-Workshops und die Veranstaltungsreihe "Global Art Session". Auch die Gründung zweier neuer interkulturellen Theatergruppen wurde so ermöglicht.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass durch die Unterstützung, die das Inter-Kultur-Büro dank der zusätzlichen Personal- und Sachmittel leisten konnte, zahlreiche Impulse für die Professionalisierung und Weiterentwicklung von Migrantenvereinen und interkulturellen Kulturschaffenden gegeben werden konnten. Sichtbar wird das an der Zunahme neuer Kooperationen und einer verstärkten Entwicklung in Richtung Inter-/Transkulturalität. Das Projekt ist Ende Dezember 2019 zu Ende gegangen, der Bedarf an Unterstützung, Beratung und Förderung besteht jedoch weiter.

Ausblick

Mit Ende des Projektes steht dem Inter-Kultur-Büro eine Vollzeitstelle weniger zur Verfügung. Der zusätzliche „Fördertopf“ für innovative herkunftsübergreifende Kooperationsprojekte entfällt ebenso wie die Möglichkeit, kostenlos Probe- und Kreativräume zur Verfügung zu stellen, die für künstlerische Produktionen auch für ein oder mehrere Wochen am Stück genutzt werden können. Demgegenüber be-steht weiterhin ein großer Bedarf an Unterstützung, Förderung und Beratung.

- Um Veränderungsprozesse bei Vereinen (z.B. strategische Vereinsentwicklung, herkunftsüber-greifende Kooperationen, sich aktiv in (kulturpolitische) Prozesse und Strukturen einbringen) „in die Fläche zu bringen“ und nachhaltig zu gestalten, bedarf es langfristiger Unterstützung und Begleitung.

- Auch wenn während der Projektlaufzeit bei einigen Vereinen schon neue Entwicklungen ange-schoben werden konnten, beschränkt sich das kulturelle Angebot vieler Migrantenvereine noch immer auf regelmäßig wiederkehrende jährliche Veranstaltungen – etwa aus Anlass von Feiertagen oder kulturellen Festen – und auf die Präsentation von kulturellen Traditionen aus den Herkunfts-/Bezugsländern, mit denen ein gewisses Stammpublikum erreicht wird. Aber es wird noch zu wenig versucht, neue Zielgruppen bzw. breitere Teile der Stadtgesellschaft anzusprechen und sich mit den aktuellen Herausforderungen einer sich dynamisch entwickelnden Gesellschaft zu beschäftigen.

- Die beiden Zusammenschlüsse von Migrantenvereinen bzw. interkulturellen Kulturschaffenden MOiN e.V. und Global Art Nürnberg e.V. bedürfen bei ihrer weiteren Organisationsentwicklung weiterhin intensiver Beratung und Unterstützung.

- Aus den zur Verfügung stehenden Zuschussmitteln für Vereine und Gruppen im Bereich der In-terkulturellen Arbeit können - neben den „herkömmlichen" Vereinsaktivitäten - nur vereinzelt größere Projekte von Vereinen unterstützt werden. Eine Förderung von interkulturellen Projek-ten von einzelnen Künstler/-innen und Kulturschaffenden (die nicht in einem Verein organsiert sind) ist aus diesen Mitteln nicht möglich.

- Es können seitens des Inter-Kultur-Büros keine Räume für Proben und für die Produktion künst-lerischer Projekte mehr zur Verfügung gestellt werden. Auch die Nutzung von Räumlichkeiten von Migrantenvereinen durch andere Vereine und Kulturschaffende konnte bislang nur durch Unterstützung im Rahmen des Projekts realisiert werden. Gerade Vereine mit eigenen Räumlichkeiten sind mit ihrer "Alltagsarbeit" schon bis an die Grenzen der Belastbarkeit ehrenamtlich engagiert. Eine Mitnutzung der Räumlichkeiten durch andere ist aber ein nicht zu unterschätzender organisatori-scher Mehraufwand.

Neben den geschilderten, auch nach dem Ende von „House of Resources“ weiterhin bestehenden Bedarfen werden im Zusammenhang der Kulturhauptstadtbewerbung und der Umsetzung der Kulturstrategie zusätzliche Anforderungen bezüglich Beratung, Vermittlung und Kooperation bei inter-/transkulturellen Projekten und Prozessen der interkulturellen Öffnung an das Inter-Kultur-Büro gestellt. Diese sind mit dem vorhandenen Team (1 Vollzeit-, 1 Teilzeitstelle mit 19,5 Std sowie 13 Std. und 1 Verwaltungskraft) nicht zu leisten. Das Amt für Kultur und Freizeit wird deshalb erneut einen Stellenschaffungsantrag für eine zusätzliche Stelle beim Inter-Kultur-Büro zum Haushalt 2021 anmelden.

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