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"Herzenssache" – Stimmen zur Bewerbung N2025

Artikel aus dem Stadtmagazin "Nürnberg Heute"

Nürnberg will sich der Welt präsentieren – 2025 sollen Gäste aus ganz Europa
die Stadt und ihre Menschen als Kulturhauptstadt erleben. Der Bewerbungsprozess
ist in vollem Gange. Acht Nürnbergerinnen und Nürnberger über ihre
Ideen und Visionen.

Nürnberg, trau dich!

Christian Margulies

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Christian Marguliés, Vorsitzender des Seniorenrats

Das sagt Christian Marguliés

„Altersarmut beeinflusst auch das kulturelle Leben. Viele Senioren brauchen Vergünstigungen und der Stadtseniorenrat möchte das Vorhandene noch mehr kommunizieren. Für die Kulturhauptstadt fände ich es schön, wenn alte und junge Menschen miteinander Kultur gestalten und erleben würden: musizierend, lesend, malend, tanzend... Denen, die das Projekt Kulturhauptstadt als zu teuer und unnötig ansehen, muss man klarmachen, dass auch für sie ein Zugewinn drin ist – wenn sie sich denn beteiligen. Bei dem Projekt muss sich Nürnberg, müssen sich die Nürnberger auch mal was trauen. Think big!“


Auffallen und schocken

Christine Bruchmann

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Christine Bruchmann, Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer Nürnberg

Das sagt Christine Bruchmann

„Viele, die wegen des Berufs hierherkommen, halten Nürnberg für eine graue Maus. Sie stellen aber fest, die Stadt ist ein exotischer Tiger, und wollen nie wieder weg. Ich vermisse bei der Kulturhauptstadt aber Themen, die schocken und provozieren: Wir müssen auffallen und nicht Everybody‘s Darling sein. Und mir fehlt in der Stadtpolitik eine Zukunftsvision. Wir reden darüber, ob Fahrräder über den Hauptmarkt fahren dürfen oder nicht – das ist zu kleinteilig! Es geht darum: Wie wollen wir wahrgenommen werden? Die Stadtspitze und alle, die mitmachen wollen, sollten sich fragen, wo wir in zehn Jahren stehen wollen, und Schritte festlegen, wie wir das erreichen können. Und zwar in allen Bereichen: Kultur, Arbeitswelt, Infrastruktur, Verkehr, Bildung und Wirtschaft.“


Fokus auf die Jungen

Fabian Hoschmann

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Fabian Hoschmann, Gewinner des N2025-Videowettbewerbs, Konzeptartist bei BSH Films

Das sagt Fabian Hoschmann

„Oben, beim „Wanderer“ am Dürerhaus find‘ ich es sehr entspannt, da versammelt sich Alt und Jung und alle sind gut drauf. Manchmal wird’s in Nürnberg aber auch zu gemütlich, nach dem Motto „Bassd scho!“. Viele Entscheider denken einfach zu konservativ für unsere Zeit. Warum muss man alles so machen, wie es früher schon gemacht wurde? Die Kommunikation mit jungen Leuten sollte noch verbessert werden. Wenn man nicht aktiv sucht, bekommt man von Kulturhauptstadt noch zu wenig mit. Wäre schade, wenn man gute Sachen macht, nur die Aufmerksamkeit dafür fehlt. Mit Blick auf Syrien, Türkei, Russland, Amerika, aber auch den Rechtsruck in Europa fände ich es gut, wenn Nürnberg als Stadt der Menschenrechte Kulturhauptstadt würde und auf diese Probleme aufmerksam macht.“


Von braun zu bunt

Betinna Ostermeier

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Bettina Ostermeier, Musikalische Leiterin der Schauspielmusik am Staatstheater, freie Musikerin

Das sagt Bettina Ostermeier

„Für mich ist Nürnberg: bunt. Integration ist hier eine selbstverständliche Sache – Hitlers ehemalige Lieblingsstadt ist heute so reich an unterschiedlichen Kulturen. Man könnte auch sagen: von braun zu bunt! Die Stadt hat für mich die perfekte Größe. Ich kann anonym sein, wenn ich das will, oder ich gehe dorthin, wo ich bestimmt jemanden treffe. Die Lebenshaltungskosten sind noch überschaubar. Nürnberg sollte definitiv Kulturhauptstadt werden, aber die Verantwortlichen bei der Stadt sollen bitte auch über 2025 hinausdenken! Die Kunstszene müsste sich mehr vernetzen. Und es sollte die Neugier aufeinander gefördert werden. Ich liebe verschiedene Kunstformen und Crossover! Ob Hoch- oder Nischenkultur, das eine kann nicht ohne das andere existieren.“


Mehr als die Burg

Holger Felten

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Prof. Dr. Holger Felten, Präsident der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg

Das sagt Holger Felten

„Der Titel Kulturhauptstadt täte der Stadt und der Akademie sicher gut, aber wichtiger ist die Bewerbungsphase: Eine solche Phase bietet nämlich eine große Chance: festgefahrene Strukturen zu hinterfragen, aufzubrechen und neue Kooperationen einzugehen. Nürnberg ist außerdem mehr als die Tradition einer mittelalterlichen Stadt. Man sollte das Stadtverständnis also nicht nur an der Burgsilhouette festmachen, sonst verdrängt sie alle anderen Inhalte: die tolle Arbeit zum Beispiel, die Kultur-Institutionen hier machen. Denn Nürnberg ist auch die Wiege vieler kultureller Einrichtungen. Hier gibt es die älteste Kunstakademie im deutschsprachigen Raum, die erste Buchhandlung und vieles mehr.“


Menschen prägen die Stadt

Sabine Powels

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Sabine Powels, Geschäftsführerin Hotel Victoria

Das sagt Sabine Powels

„Ich bin stolz, dass die Stadt sich entschieden hat, sich als Kulturhauptstadt zu bewerben. Nürnberg wird an nichts verlieren, wenn mehr Touristen kommen. Wer die Stadt zum ersten Mal besucht, bewegt sich ja meistens entlang der Hauptachsen. Aber Nürnberg ist noch so viel mehr. Das gilt auch für die Kulturhauptstadt: Die Menschen, die hier leben, machen die Stadt aus. Und wie wir leben und was wir im Alltag machen, das wollen sich viele Gäste auch anschauen. Es gibt hier so viele interessante Stadtteile und unglaublich tolle Events. Sportlich und musikalisch Interessierte kommen in Nürnberg gleichermaßen auf ihre Kosten.“


Barrierefreiheit hilft allen

Michael Mertel

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Michael Mertel, Vorsitzender des Behindertenrats Nürnberg

Das sagt Michael Mertel

„Ich sehe die Kulturhauptstadt als große Chance, damit Nürnberg noch inklusiver wird: Rund zehn Prozent haben eine Behinderung. Wenn Nürnberg barrierefrei wird, hat das auch für nichtbehinderte Menschen Vorteile: Über eine U-Bahn ohne Spalt freuen sich zum Beispiel auch Kinder, Eltern mit Kinderwägen oder Senioren mit Rollatoren. Und das
abgeflachte Kopfsteinpflaster ist gut für Rollstuhl- und Radfahrer. Wichtig wäre, dass die Veranstaltungen, Programme und Informationen für alle verständlich sind: Das heißt Großschrift, idealerweise Brailleschrift, leichte Sprache, induktive Höranlagen und Gebärdensprachdolmetscher.“


Eine emotionale Frage

Lemia Yiyit

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Lemia Yiyit, Zweite Vorsitzende des Integrationsrats

Das sagt Lemia Yiyit

„Menschen, die schlecht deutsch sprechen, fühlen sich schnell zurückgewiesen und bleiben unter sich. Die müssen wir erreichen, um ihnen zu zeigen, was Nürnberg alles zu bieten hat! Denn Nürnberg ist eine vielfältige, offene, aufgeschlossene Stadt. Das Gefühl dazuzugehören, musste ich mir aber auch erst erarbeiten. 45 Prozent haben einen Migrationshintergrund, aber sie haben die gleichen Sorgen und Bedürfnisse wie der Rest. Zugewanderte diskutieren das Thema Kulturhauptstadt leidenschaftlich und emotional. Das zeigt: Sie identifizieren sich mit Nürnberg! Für mich ist die Kulturhauptstadt eine Herzensangelegenheit.“


Hintergrund

Nürnberg möchte Kulturhauptstadt Europas 2025 werden. Kulturhauptstadt kann allerdings nur gelingen, wenn sich möglichst viele Menschen daran beteiligen. Aber was denken die Einwohnerinnen und Einwohner Nürnbergs über ihre Stadt? Und welche Wünsche und Ideen haben sie für die Zukunft? Das Stadtmagazin „Nürnberg Heute“ hat dazu acht Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen gefragt: aus der Kunstszene, der Wirtschaft, dem Gastgewerbe. Weitere Stimmen liefern ein Seniorenvertreter, ein junger Kreativer, ein Sprecher für die Interessen von Menschen mit Behinderung, ein Hochschulprofessor und eine Vertreterin von Menschen mit Migrationshintergrund.



Nürnberg Heute

Dieser Artikel stammt aus der Zeitschrift „Nürnberg Heute“. Das Heft können Sie an den Auslegestellen kostenlos mitnehmen oder hier online lesen.



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