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Zeitzeugengespräch 2019

Die „Todesschlinge“ überlebt – die Holocaust-Überlebende Klara Gorlatschowa besucht das Sigena-Gymnasium

Der 27. Januar ist der Internationale Gedenktag für die Opfer des Holocausts, denn an diesem Tag vor 74 Jahren befreite die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz, das Synonym für den Massenmord der Nazis. Dieser Tag ist jedoch kein Feiertag im üblichen Sinn, es ist ein „Denk-Tag“ zum Nachdenken über die Vergangenheit, um Orientierung für die Zukunft zu schaffen. Denn, wie Roman Herzog es einmal formulierte, „ohne Erinnerung gibt es weder Überwindung des Bösen noch Lehren für die Zukunft.“

Aus diesem Grund haben die Fachschaft Geschichte und die SMV-Aktionsgruppe „Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage“ die 9. Jahrgangsstufe am 4. Februar zum Zeitzeugengespräch eingeladen. Stellvertretend für alle Schülerinnen und Schüler begrüßte Sulejman Bekbulatow vom SMV-Aktionskreis die Zeitzeugin. Da es schwerfällt, vor allem wenn man selbst betroffen ist, über solch ein Thema zu sprechen, ist es ein riesiges Glück, wenn es noch Menschen gibt, die über ihre Vergangenheit und ihr ganz persönliches Leiden zur Zeit des NS-Regimes berichten. Einen solchen Menschen durften die Schülerinnen und Schüler an diesem Tag kennenlernen.

Frau Klara Gorlatschowa (geb. 1938), die seit 1997 in Mittelfranken lebt, besuchte das Sigena-Gymnasium und erzählte von ihrer ganz persönlichen Leidensgeschichte als jüdisches Kind in der von den Deutschen besetzten Sowjetunion. Bei dem von Frau Birgit Mair vom Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung e.V. (ISFBB) moderierten und von einer Russisch-Dolmetscherin begleiteten Gespräch erfuhren unsere Schülerinnen und Schüler aus erster Hand, was Frau Gorlatschowa in ihrer Jugend hat erleiden müssen. Sie wuchs in Trostjanez in der Sowjetunion auf und wurde nach dem Einmarsch der Deutschen mit ihren Eltern in ein Todeslager in Petschory (heute Pechera, Winnyzja/Ukraine) deportiert. In diesem Lager in Petschory, das von den Insassen auch „Todesschlinge“ genannt wurde, lebten mehr als 11.000 Jüdinnen und Juden, von denen nur wenige hundert überlebten. Frau Gorlatschowa berichtete uns Schülern dann, wie sie von den Nationalsozialisten in das Todeslager deportiert wurden. Sie erzählte vom Tod, der sie umgab, von Misshandlung und Hunger, von all den furchtbaren Dingen, die sie und ihre Familie erleben mussten. Ihre Geschichte war sehr bedrückend aber auch sehr traurig; an vielen Stellen musste sie ihre Tränen unterdrücken. Wir Schülerinnen und Schüler durften ihr im Anschluss an ihren Bericht auch noch Fragen stellen. Insgesamt war es sehr interessant und beeindruckend, derartige Erlebnisse von einer Frau geschildert zu bekommen, die all das selbst erlebt hatte. So konnte man sich in ihre Lage hineinversetzen und sich vieles sehr bildlich vorstellen. Wir wünschen auch den zukünftigen NeuntklässlerInnen die Gelegenheit, diese Erfahrung machen zu können.

Das Sigena-Gymnasium bedankt sich bei Frau Gorlatschowa für ihren Besuch und wünscht ihr für die Zukunft alles Gute!

(Bilinguale Geschichtsgruppe Klasse 9ab)

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