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Bis 29. September 2017: "Der Feind in der Stadt. Vom Umgang mit Seuchen in Augsburg, München und Nürnberg"

Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Stadtarchiv Augsburg, dem Stadtarchiv München und der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns.

A 6 Nr. 684

Mit medizinischen Ratgebern versuchten der Rat der Stadt und das „Collegium medicum“, der Beulenpest entgegenzuwirken. Hier eine Zeichnung, die es erleichtern sollte, anhand der Symptome dem Patienten die richtige Ader für den Aderlass zu öffnen (StadtAN A 6 Nr. 684).


"Fleuch pald, fleuch ferr, kum wider spot! / das sind drey krewter in der not!"

„Flieh gleich, flieh weit, komm spät wieder! Das sind drei Kräuter in der Not.“ – dieser Spruch des Nürnberger Meistersingers Hans Folz aus dem 15. Jahrhundert, war für die Mittelschichten und gar Tagelöhner oder Arbeiter nicht umzusetzen, wenn eine hoch ansteckende Krankheit wie Pest oder Cholera in einer Stadt auftraten. Durch die hygienisch schlechteren und beengten Lebensverhältnisse war die Ansteckungsgefahr höher, die Überlebenschance aber zugleich geringer. Ein Feind war in den geschützten, ummauerten Raum eingedrungen und einen plötzlichen Tod oder eine lange, qualvolle Zeit der Krankheit mit sich gebracht. Jedenfalls aber riet das soziale, wirtschaftliche und politische Gefüge einer Stadtgemeinde regelmäßig aus dem Gleichgewicht. Die Namen dieses Feindes waren vielfältig, am schlimmsten wütete die „Pest“. Bis ins 18. Jahrhundert wurden damit mitunter auch andere seuchenartige Krankheiten bezeichnet. Allgemein wurde eine Seuchenwelle auch „Sterbensleuffte“ oder einfach „Großes Sterben“ genannt.

B 19 Nr. 481

Die Zahl der Erkrankten, der in Lazarette Verbrachten und der Verstorbenen an der Pest wurden 1561-1563 auf Anordnung des Rates genau dokumentiert und mit den Zahlen der letzten großen Pestwelle 1533 verglichen (StadtAN B 19 Nr. 481).


Wie aber konnte und sollte man auf einen Seuchenausbruch reagieren, als Einwohner, als Bürger, als Mitglied des Stadtmagistrats? Gerade die Reaktionen der Bevölkerung trugen mitunter zur weiteren Verbreitung der Krankheiten bei: die Abhaltung von Prozessionen, Bittgottesdiensten vor einem Altar oder das schwächende Fasten.
In vielen Städten gab es vom Magistrat bestellte Personen, meist selbst Angehörige des Rates, die in Seuchenzeiten für die Organisation zuständig waren. Sie sollten Maßnahmen einleiten und die Einhaltung von Vorschriften, wie sie etwa in den „Pestregimina“ erhalten sind, überprüfen. Von Seiten des Stadtmagistrats aus rückten üblicherweise Hygienemaßnahmen in den Vordergrund, sobald eine Seuche ausbrach. So wurden Nutztiere aus der Stadt entfernt und die Abfuhr menschlicher und tierischer Hinterlassenschaften strenger geregelt. Tierkadaver mussten umgehend entfernt werden. Die Einsicht aber, dass eine gleichmäßige, stets aufrecht erhaltene Hygiene den Ausbruch neuer Krankheiten wo nicht verhindern, so doch erschweren würde, setzte sich nur langsam durch. Lediglich beim Begräbniswesen ist schon Anfang des 16. Jahrhundert zu beobachten, dass auch gegen den Widerstand der Geistlichkeit zusätzlich zu den Kirchhöfen in der Stadt Friedhöfe vor den Mauern eingerichtet wurden. Wütete bereits eine Seuche, schaffte man möglichst die Kranken, jedenfalls aber die Toten vor die Mauern der Stadt. Für die Erkrankten wurden Lazarette errichtet, die jedoch weder von der Belegzahl noch von der Ausstattung und Versorgungslage mit modernen Krankenhäusern verglichen werden können. Dort eingelieferte Personen werden solche Gebäude eher als Ort zum Sterben denn als Ort der Genesung begriffen haben.

E 13/II Nr. 451

Das Sebastianspital im Westen vor den Mauern der Stadt gilt als ältestes Pesthaus auf deutschem Boden. Auf die private Initiative des Stifters Konrad Topler hin wurde es um 1500 errichtet und kam 1533 erstmals zum Einsatz (StadtAN E 13/II Nr. 451).


Seit es Seuchen gibt, spekulieren die Menschen über ihre Ursachen. Über Jahrhunderte war die „Miasmatheorie“ verbreitet, im 17.Jahrhundert vermutete Athanasius Kircher „kleine würmelin“ als Auslöser. Eine von Anfang an zu findende und kulturgeschichtlich besonders wirksame Erklärung war der Zorn Gottes beziehungsweise sein Wille, die sündigen Menschen zu prüfen. Die nähere Erforschung und Systematisierung von Mikroorganismen, also von Bakterien und Viren, ließ noch bis in das 19. Jahrhundert auf sich warten, und schloss andere Interpretationen nie gänzlich aus.
Aus der Vielzahl möglicher Reaktionen und Auswirkungen möchte die Ausstellung besonders drei Aspekte hervorheben, die den städtischen Raum Augsburgs, Münchens und Nürnbergs betreffen: Auswirkungen im oder auf den kulturellen Bereich, Versuche der organisatorischen Bewältigung der Seuchengefahr oder eines Ausbruchs und schließlich die räumliche Umsetzung von Maßnahmen. Alle drei Bereiche rücken die Perspektive von oben, also von der Stadtherrschaft her, in den Vordergrund. Die Verwaltung des Ausnahmefalles, der auch durch die dauernde Bedrohungslage nie zur Normalität wurde, steht im Mittelpunkt der Präsentation.

Weitere Informationen

Ausstellung vom 13. Juni bis 29. September 2017 im Kleinen Foyer des Stadtarchivs Nürnberg, Norishalle, Marientorgraben 8, 90402 Nürnberg

Öffnungszeiten:
Mo - Fr 08.30 - 15.30 Uhr
Di 08.30 - 18.00 Uhr

Der Eintritt ist frei.

Zur Ausstellung ist gegen eine Schutzgebühr von 1 EUR ein kleiner Katalog (67 S., zahlreiche Abb.) erhältlich: Der Feind in der Stadt. Vom Umgang mit Seuchen in Augsburg, München und Nürnberg. Eine Ausstellung der Bayerischen Archivschule der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns (Staatliche Archive Bayerns – Kleine Ausstellungen 50), München 2016.

Faltblatt zur Ausstellung

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