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Der neue Fotokalender ist da: Verborgenes Barock in Nürnberg

Barocke Kirchen und Rokokohäuser erwarten Besucherinnen und Besucher nicht unbedingt in Nürnberg. Hartnäckig hält sich bis heute der Eindruck einer vom spätem Mittelalter geprägten Stadt, obschon die ehemalige Reichsstadt zur Kunst und Kultur des 17. und 18. Jahrhunderts einiges beigetragen hat: Hier wurde im Jahr 1662 die Malerakademie ins Leben gerufen, die als erste Einrichtung dieser Art in Deutschland von zentraler Bedeutung für die Entwicklung von Malerei und Kunsthandwerk in Nürnberg war, und 1644 entstand der Pegnesische Blumenorden, die einzige der im 17. Jahrhundert gegründeten Sprachgesellschaften, die noch heute existiert. Ein gebürtiger Nürnberger ist der bekannte Barockkomponist Johann Pachelbel, der in seiner Heimatstadt ab 1695 als Organist wirkte.

Laubengang im Hesperidengarten Johannisstraße 45. Foto Herbert Liedel, 2014.

Laubengang im Hesperidengarten Johannisstraße 45. Foto Herbert Liedel, 2014. (Stadtarchiv Nürnberg A 104 Nr. 274)

Da der Dreißigjährige Krieg in der Stadt keine Spuren der Zerstörung hinterlassen hatte, war zwar eine durchgreifende Bautätigkeit ausgeblieben, dennoch bietet die Stadt durchaus Zeugnisse der Barockarchitektur, wie die 1718 eingeweihte Egidienkirche. Deutlich zeigen sich auch die Spuren des 17. und 18. Jahrhunderts im Inneren der Häuser, wie im Stadtmuseum Fembohaus oder im Baumeisterhaus Bauhof 9, die beide mit prachtvollen Stuckdecken aufwarten können. Ein Großteil, der einst zahlreich vorhandenen Wohngebäude mit barocker Ausstattung wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört und sind nur mehr über die Fotografien der Staatlichen Bildstelle Berlin, vor allem aber über die Bildnachlässe der Kunsthistoriker Fritz Traugott Schulz (1875–1951) und Friedrich August Nagel (1876–1959) sowie die Aufnahmen des Fotopioniers Ferdinand Schmidt (1840–1909) überliefert; alle drei Sammlungen werden im Stadtarchiv Nürnberg aufbewahrt.

Tritonbrunnen am Maxplatz. Foto Staatliche Bildstelle Berlin, 1935.

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Tritonbrunnen am Maxplatz. Foto Staatliche Bildstelle Berlin, 1935. (Stadtarchiv Nürnberg A 44 Nr. C-6107-1)

Eine Besonderheit des Barockzeitalters in Nürnberg sind die Hesperidengärten. Der Name spielt auf die goldenen Äpfel im Garten des Hesperus an, die von Herakles entwendet wurden. Nachdem 1708 Johann Christoph Volkamers (1644–1720) Werk über Zitruskulturen unter dem Titel „Nürnbergische Hesperides“ erschien, bürgerte sich der Begriff als Bezeichnung für die hiesigen Barockgärten ein. Die seit dem Mittelalter bestehenden Gärten, die zwischen Stadtmauer und Landwehr einen Grüngürtel um die Altstadt bildeten, erfuhren im 17. und 18. Jahrhundert eine Umgestaltung nach italienischen und holländischen wurden mit kunstvollen Skulpturen und kleinen Brunnenanlagen ausgestattet. Im Zuge der Industrialisierung wurden die Gartenareale nach und nach mit Mietshäusern überbaut. Geblieben sind von dieser reich gepflegten Hortikultur lediglich einige wenige Beispiele in der Johannisstraße sowie in der Altstadt die Gartengrotte im Haus Maxplatz 44. Auf dem Platz selbst ist der Tritonbrunnen zu bewundern, gestaltet nach dem Vorbild einer Figur der Fontana di Trevi in Rom. Ein Meisterwerk des Frühbarocks ist der Neptunbrunnen, der auf eine äußerst wechselvolle Geschichte zurückblicken kann und dessen Kopie ein Anziehungspunkt im Stadtpark ist.

Hesperidengarten Johannisstraße 47. Foto Herbert Liedel, 2011.

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Hesperidengarten Johannisstraße 47. Foto Herbert Liedel, 2011. (Stadtarchiv Nürnberg A 104 Nr. 279)

Inspiriert von den Aufnahmen Herbert Liedels (1949–2015) hat das Stadtarchiv Nürnberg für den Jahreskalender 2021 Ansichten dieser in der Altstadt und in den Vororten versteckt liegenden barocken Kleinode zusammengestellt und kontrastiert dabei die atmosphärischen Farbbilder des Fotokünstlers mit historischen Schwarz-Weiß-Bildern, die vor der Zerstörung Nürnbergs entstanden sind.

Bestellung des Kalenders

Der Fotokalender 2021 kann für den Preis von € 19,90 sowohl über den Buchhandel wie direkt über den Verlag Ph. C. W. Schmidt, Nürnberger Str. 27-31, 91413 Neustadt a. d. Aisch, T. 09161/8860-0, Fax: 09161/8860-40 ab sofort erworben werden.

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