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Sommerausstellung im Handwerkerhof "Verborgenes Barock – Historische und aktuelle Fotografien aus den Beständen des Stadtarchivs"

Zu den wenig bekannten Aspekten der Kulturgeschichte Nürnbergs zählen die Beiträge zur Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts. So beruht die hiesige Akademie der bildenden Künste auf der 1662 gegründeten Malerakademie, die als erste Einrichtung dieser Art in Deutschland von zentraler Bedeutung für die Entwicklung von Malerei und Kunsthandwerk in Nürnberg war und zahlreiche auswärtige Künstler anzog. Im Jahr 1644 wurde der Pegnesische Blumenorden ins Leben gerufen, die einzige der im 17. Jahrhundert gegründeten Sprachgesellschaften, die bis heute existiert. Einer der bekanntesten deutschen Barockkomponisten ist der Nürnberger Johann Pachelbel (1653–1706), der in seiner Heimatstadt ab 1695 als Organist wirkte.

Da der Dreißigjährige Krieg in der Stadt keine Spuren der Zerstörung hinterlassen hatte, war zwar eine durchgreifende Bautätigkeit ausgeblieben, dennoch bietet die Stadt etliche Zeugnisse der Barockarchitektur. 1718 konnte die nach einem Brand zerstörte Egidienkirche eingeweiht werden. Der Barockbau ist ein Werk der Baumeister Johann (1639–1700) und Gottlieb Trost (1672–1728). Die einst reiche, 1945 zerstörte Innenausstattung mit Stuck stammte von Donato Polli (1663–1738), die Deckengemälde von Johann Daniel Preißler (1666–1737) und Johann Martin Schuster (1667–1738), beide Leiter der Malerakademie.

Stuckdecke von Donato Polli im Hauptschiff der Egidienkirche

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Stuckdecke von Donato Polli im Hauptschiff der Egidienkirche. Foto Staatliche Bildstelle Berlin, um 1935. (StadtAN A 44 Nr. C-6168-12)

Deutliche Spuren hinterließ das 17. und 18. Jahrhunderts im Inneren mancher Häuser, wie im Stadtmuseum Fembohaus oder im Baumeisterhaus auf der Peunt (heute Bauhof 9), die beide mit prachtvollen Decken aufwarten können. Ein Großteil, der einst zahlreich vorhandenen Wohngebäude mit barocker Ausstattung wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört und nur mehr die Fotografien der Staatlichen Bildstelle Berlin, vor allem aber über die Bildnachlässe der Kunsthistoriker Fritz Traugott Schulz (1875–1951) und Friedrich August Nagel (1876–1959) sowie die Aufnahmen des Fotopioniers Ferdinand Schmidt (1840–1909) überliefern deren Aussehen.

So genannter Kaisersaal im Rückgebäude des Bürgerhauses Winklerstraße 5

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So genannter Kaisersaal im Rückgebäude des Bürgerhauses Winklerstraße 5. Foto Staatliche Bildstelle Berlin, um 1935. (StadtAN A 44 Nr. C-6116-29)

Eine Besonderheit des Barockzeitalters in Nürnberg sind die Hesperidengärten. Der Name spielt auf die goldenen Äpfel im Garten des Hesperus an, die von Herakles entwendet wurden, eine Geschichte aus der antiken Mythologie. Nachdem 1708 Johann Christoph Volkamers (1644–1720) Werk über Zitruskulturen unter dem Titel "Nürnbergische Hesperides" erschien, bürgerte sich der Begriff als Bezeichnung für die im heutigen Stadtteil St. Johannis gelegenen Barockgärten ein. Die seit dem Mittelalter bestehenden Gärten erfuhren im 17. und 18. Jahrhundert eine Umgestaltung nach italienischen und holländischen Vorbild und wurden mit kunstvollen Skulpturen und kleinen Brunnenanlagen ausgestattet. Im Zuge der Industrialisierung kam es zur Überbauung des Viertels mit Mietshäusern überbaut und die Gartenareale verschwanden nach und nach. Geblieben sind von dieser reich gepflegten Hortikultur lediglich einige wenige Beispiele in der Johannisstraße.

Hesperidengarten in der Johannisstraße 13.

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Hesperidengarten in der Johannisstraße 13. Foto Herbert Liedel, 2005. (StadtAN A 104 Nr. 275)

Ein Beispiel für Gärten in der Altstadt ist die Gartengrotte im Haus Maxplatz 44. Auf dem Platz selbst ist der Tritonbrunnen zu bewundern, gestaltet nach dem Vorbild einer Figur der Fontana di Trevi in Rom. Ein weiteres Meisterwerk frühbarocker Skulptur ist der Neptunbrunnen, der auf eine äußerst wechselvolle Geschichte zurückblicken kann und dessen Kopie heute ein Anziehungspunkt im Stadtpark ist.

Inspiriert von den Aufnahmen Herbert Liedels (1949–2015) hat das Stadtarchiv Nürnberg für die – eigentlich schon 2020 geplante – Ausstellung Ansichten dieser in der Altstadt und in den Vororten versteckt liegenden barocken Kleinode zusammengestellt und kontrastiert dabei die atmosphärischen Farbbilder des Fotokünstlers mit historischen Schwarz-Weiß-Bildern, die vor der Zerstörung Nürnbergs entstanden sind.

Der Bratwurstesser im Garten Johannisstraße 43

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Der Bratwurstesser im Garten Johannisstraße 43. Foto Herbert Liedel, 2006. (StadtAN A 104 Nr. 280)

Öffnungszeiten

Die Fotografien sind vom 16. Juli bis 29. August im Ausstellungforum im Handwerkerhof (Eingang über der Töpferei), täglich von 10.30 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. Bitte beachten Sie bei Ihrem Besuch die aktuellen Hygienemaßnahmen und Hinweisschilder.

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