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Mythologie und Historie. Illustrationen von Sieglinde Bottesch

In loser Folge präsentiert die Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg Werke zeitgenössischer Buchkünstlerinnen und Buchkünstler. Die aktuelle, in Kooperation mit dem Nürnberger Kulturbeirat zugewanderter Deutscher im Haus der Heimat Nürnberg entstandene Ausstellung umfasst Graphiken der aus Siebenbürgen stammenden und heute in Ingolstadt lebenden Künstlerin Sieglinde Bottesch.

Transsylvania mythologica – Illustrationen zu siebenbürgisch-sächsischen Sagen

Sieglinde Bottesch: Illustration zu „Die schwarze Sau“, 1981

Sieglinde Bottesch: Illustration zu „Die schwarze Sau“, 1981

Am Anfang steht das Wort – den Graphiken von Sieglinde Bottesch liegen kraftvolle Texte aus ihrer Heimat zugrunde, die sie zu eindrücklichen Bildern inspirieren. Ohne Farbe kommen die schwarz-weißen Illustrationen zu siebenbürgisch-sächsischen Sagen und Sprichwörtern aus, die mit einfachen Mitteln als Linolschnitte hergestellt wurden. Sie stammen zum größten Teil noch aus der Zeit vor der Umsiedelung Botteschs aus ihrem Geburtsort Hermannstadt (Sibiu) nach Deutschland im Jahr 1987.

An den Sammlungen von kurzen, ehemals mündlich überlieferten Erzählungen faszinieren die phantasievollen, die Wirklichkeit übersteigenden Inhalte: Immer wieder treten Drachen, Feen, Truden (Hexen), Riesen oder Zwerge auf, es kommen eine „Alte mit der Eisennase“ oder ein „Kleiner mit dem roten Schwänzchen“ vor, Tiere wie Schlangen, Hunde, Büffel oder Schweine spielen eine wichtige Rolle.

Zielsicher greift Sieglinde Bottesch einzelne Figuren oder kleine Episoden aus diesen Einblicken in eine Welt der Mythen, Sagen und Volksweisheiten heraus und übersetzt diese in archetypische Bilder, die das Derbe, das Grausame, Unheilvolle und Bedrohliche der Texte nicht aussparen. Die bewusst auf den harten Kontrast von Schwarz und Weiß, von Linie und Fläche reduzierte Bildsprache ist künstlerisch gewollt und entspricht der einfachen Sprache der volkstümlichen Erzählungen.


Ein Hexenprozess in Bildern

Sieglinde Bottesch: Buhlschaft mit dem Teufel aus dem „Hexenzyklus”

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Sieglinde Bottesch: Buhlschaft mit dem Teufel aus dem „Hexenzyklus”; Foto: Reinhard Dorn

Der erstmals ausgestellte „Hexenzyklus“ beruht dagegen auf der literarischen Bearbeitung eines authentischen, heute im Staatsarchiv Hermannstadt aufbewahrten Dokuments: In dem Romanprojekt „Kleine Hexe kleine Hexe“ verarbeitete die Schriftstellerin Ricarda Terschak (1929-2012) erhaltene Zeugnisse zu Hexenprozessen. Entsetzen und Erschütterung Sieglinde Botteschs über das vor allem Frauen zugefügte Leid sprechen aus den zwischen 2017 und 2021 entstandenen Monotypien. Die dunklen, beklemmenden Bilder zeigen die Ausweglosigkeit der einmal Beschuldigten, deren Weg vom Aufkommen der ersten Gerüchte an vorgezeichnet ist und nach Beschuldigung, Befragung und Folter unweigerlich auf dem Scheiterhaufen endete. Die Bilder können als Mahnmale verstanden werden für das Unrecht, das Menschen anderen Menschen zufügen.


Bottesch

Über die Künstlerin

Sieglinde Bottesch, Malerin, Grafikerin und Objektkünstlerin, geboren 1938 in Hermannstadt (Sibiu), lebt und arbeitet seit 1987 in Ingolstadt.

Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg – Stadtbibliothek Zentrum

Gewerbemuseumsplatz 4

Ebene L2, Ausstellungskabinett

90403 Nürnberg


Öffnungszeiten:

Ausstellung, 8. Juli bis 10. September 2022
Mo-Fr 11-19 Uhr
Sa 11-16 Uhr


Sonn- und Feiertage geschlossen



Eintrittspreise :

Eintritt frei

Ausstellungsführungen

von Sieglinde Bottesch am Donnerstag, 14. und 21. Juli 2022, jeweils um 17 Uhr

Treffpunkt auf der Ebene L2, Eintritt frei

Nur bei den Führungen zu erwerben:
Sieglinde Bottesch: Siebenbürgisch-sächsische Sagen und Sprichwörter in Bildern. Mit Texten von Friedrich Schuster und Claus Stephani, Ingolstadt 2016 (20 Euro)

Nürnberger Kulturbeirat zugewanderter Deutscher

Die Ausstellung ist eine Kooperation des Nürnberger Kulturbeirates zugewanderter Deutscher im Haus der Heimat Nürnberg und der Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg.

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