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Buchpatenschaft Philos. 8. 68

75 Philos 8 68 gross

Ut pictura poesis: Ein Holzschnitt nach einer aus der Antike überlieferten moralphilosophischen Bildbeschreibung.

Wolf, Hieonymus: Epicteti enchiridion. Basel: Johannes Oporinus, 1563

Hieronymus Wolf (1516-1580) erhielt in Nördlingen Unterricht im Schreiben und Rechnen sowie in Nürnberg bei Sebald Heyden in Latein und Griechisch. Studienaufenthalte in Tübingen und Wittenberg wurden von Tätigkeiten als Schreiber unterbrochen. Im Anschluss übernahm Hieronymus Wolf mehrere Stellen als Lehrer, wobei er 1547 in Basel Bekanntschaft mit dem Drucker Johannes Oporinus machte und seitdem für diesen als Übersetzer und Herausgeber tätig war. Die Übertragungen zahlreicher griechischer Autoren wie Isokrates, Demosthenes oder Epiktet finanzierten zum Teil Anton und Johann Jakob Fugger aus Augsburg.

Die Lehren des antiken Philosophen Epiktet zu ethischen Fragen und zum Konzept einer sittlichen Persönlichkeit wurden von den Humanisten breit rezipiert und in Drucken verbreitet. Hieronymus Wolf legte 1563 eine kritische und kommentierte Ausgabe der von Epiktet überlieferten Werke vor, nämlich des ‚Handbüchleins‘ (Enchiridion), zu den ‚Lehrgesprächen‘ (Scholien) und einer wissenschaftlichen Abhandlung in Form von Quaestionen. Oft verbunden mit den ‚Lehrgesprächen‘ wurde ein Dialog, der lange dem Sokrates-Schüler Kebes zugeschrieben worden war, aber wohl erst aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert datiert. Ein alter Mann legt in diesem Gespräch Besuchern ein Bild aus, das im Tempel des Kronos angebracht gewesen war. Dieses sollte dem Betrachter das ganze Leben vom Anfang bis zum Ende vor Augen führen und den Gang des Menschen durch Verführungen, Irrtümer, Fehlleitungen und Fährnisse schildern. Der Text bot also in Gestalt einer Bildbeschreibung einen moralphilosophischen Lebensentwurf. Im Sinn des Wettstreits der Künste wurde er im 16. Jahrhundert Ausgangspunkt für den Versuch, das in Worten Geschilderte in die Bildsprache zurückzuübersetzen. Zu den seit 1507 bekannten Bildentwürfen der ‚Tabula Cebetis‘ zählt auch ein wohl 1547 entstandener Einblattholzschnitt des Straßburger Künstlers Daniel Kandel, der als Vorlage für die große Falttafel im Druck des Hieronymus Wolf von 1563 diente.

Erstbesitzer des vorliegenden Exemplars war der umfassend gebildete Nürnberger Patrizier Hieronymus Paumgärtner d.Ä. (1498-1565), der auch Studien in der lateinischen und griechischen Sprache betrieben hatte. Sein Holzschnitt-Exlibris klebt im Vorderspiegel des flexiblen Pergamenteinbandes. Nach dem Tod seines Enkelsohnes gelangte die bedeutende Familienbibliothek in den Besitz der Stadt Nürnberg.

Schaden

Die hinten eingehängte Falttafel weist Risse und Verbräunungen durch säurehaltige und steife Verklebungen an den Knickstellen auf.

Behandlung

Der Band wird stellenweise trocken gereinigt. Die Falttafel wird herausgenommen und an einen neuen Falz montiert, die Risse geschlossen und die Tafel wieder eingehängt.

Restaurierungskosten

285.- Euro

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