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Ein Tag mit dem Außendienst der Stadt Nürnberg

Die ADN-Kollegen Christian Wais und Alexander Wurmstein sorgen für Sicherheit in der Stadt.

Die Mitarbeiter des Außendienstes (ADN) Christian Wais und Alexander Wurmstein sorgen für Sicherheit in der Stadt – auch nachts und am Wochenende.


Die Weste hieb- und stichfest, die Sicherheitsstiefel schwarz, die Hose lang: Bei brütender Hitze ist allein das Anlegen der Uniform im ADN-Büro am Rathenauplatz eine schweißtreibende Angelegenheit. Während Nürnberg an einem Freitag Ende Juli ins Wochenende geht oder im Freibad abkühlt, steht Christian Wais (44) und Alexander Wurmstein (40) eine heiße Schicht bevor.

„Auf die Sicherheitsweste verzichte ich nicht. Die dient meinem Schutz“, sagt Christian Wais und zieht den Reißverschluss zu. Sein Partner Alexander Wurmstein schnallt sich den Funktionsgürtel um, an dem Handschuhe, Erste-Hilfe-Set, Reizstoff-Sprühgerät und ein Abwehrstock befestigt sind. „Pfefferspray und Stock dienen uns zur Abwehr von Angriffen“, sagt Wais, ADN-Außendienstler der ersten Stunde und Teamleiter. Seine Waffen habe er noch nie eingesetzt, aber das Pfefferspray habe er schon mehrmals gezogen. „Ziehen und androhen – das schreckt aggressive Zeitgenossen ab“, betont der 44-Jährige.


Beim Picknick der autonomen Szene

Von Freitag 16 Uhr bis Samstag um 1 Uhr morgens geht ihre Spätschicht. Für die Fahrten durch die Stadt steht ein kleines weißes Auto mit Gelblicht auf dem Dach bereit. Beim Einsatz können damit Sonderrechte angezeigt werden. Erste Station ist der Jamnitzer Park in Gostenhof. Dort hat die autonome Szene ein Picknick angemeldet. „Wir prüfen, ob eine Sondernutzung erforderlich wäre“, sagt der Teamleiter. Der Jamnitzer Platz ist gut besucht. Kinder toben auf dem Wasserspielplatz. Auf dem braunen Rasen haben es sich Familien bequem gemacht. Es gibt „Essen for free“, wie ein Plakat verkündet. „Alles harmlos, da müssen wir nicht tätig werden“, stellt Wurmstein fest.

Bei der obligatorischen Platzrunde winken Kinder den Streifendienstlern zu, eine Frau auf einer Bank bietet Chips an. „Die meisten Menschen finden es gut, Ansprechpartner auf der Straße zu treffen oder Uniformierte zu sehen. Wir bekommen Zuspruch und Lob. Manchmal werden wir auch mit der Polizei verwechselt“, sagt Wais – kein Wunder, denn Uniform und Ausrüstung sind teils identisch, und nicht alle können mit den ADN-Abzeichen samt Stadtwappen am Ärmel etwas anfangen.

Der ADN wurde 2018 ins Leben gerufen. Derzeit sind dort 20 Außendienstleistende sowie drei Verwaltungskräfte beschäftigt. Je sechs bis sieben ADNler gehören einem von drei Großteams an. „Wir kontrollieren, ob die städtischen Satzungen und Verordnungen beachtet werden, beobachten den fließenden Verkehr in Fußgängerzonen und vieles andere mehr“, erläutert Wais.

Weiter geht es in der Innenstadt, vom Hans-Sachs-Platz aus durch die Fußgängerzone bis zur Königtorpassage. Unterwegs rufen sie einen wildgewordenen E-Skooter-Fahrer zur Raison, fungieren als wandelnde Wegweiser, ermahnen eine Familie, die Tauben nicht zu füttern, vertreiben einen illegalen Blumenverkäufer, haben ein Auge auf Bettler und verweisen renitente Betrunkene aus der Stadt. Das geht nicht immer problemlos über die Bühne. Doch die ADN-Streife ist darauf trainiert, sich ruhig aber bestimmt durchzusetzen. Ob es bei einer Belehrung bleibt oder es zu einer Ordnungswidrigkeiten-Anzeige kommt, liegt im Ermessen des Teams: „Das hängt davon ab, wie kooperativ und einsichtig jemand ist. Wenn niemand gefährdet wurde, sehen wir von einer Anzeige ab.“

Im Skulpturengarten an der Frauentormauer kontrolliert Alexander Wurmstein eine bei Fixern beliebte Ecke. Er findet eine benutzte Spritze und dokumentiert den Fund mittels Handykamera. Das Bild leitet er an den Reinigungstrupp von Sör weiter. „Unser Job ist nicht einfach. Wir sehen viel menschliches Elend. Das erfordert Fingerspitzengefühl“, sind sich die beiden einig.

Wer zum ADN will, muss eine Verwaltungsausbildung oder einen Zertifikatslehrgang vorweisen und zahlreiche Fortbildungen besuchen, etwa eine interkulturelle Schulung. „Den Umgang mit Abwehrstock und Pfefferspray trainieren wir so lange, bis er ins ‚Muskelgedächtnis‘ übergeht, damit es im Notfall keine Probleme gibt“, sagt Wais.


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Nie ohne „Exit-Strategie“

Es ist dunkel geworden. Das Team beginnt seine nächtliche Streife durch die Parks. Die beiden Männer besprechen, wie sie sich gegenseitig sichern und rufen sich ihre „Exit-Strategie“ ins Gedächtnis. Dann zücken sie ihre starken Taschenlampen und marschieren in den Cramer-Klett-Park. Dort geht es hoch her. Rund 50 Jugendliche feiern lautstark. Beherzt und mit breiter Brust gehen Wais und Wurmstein auf die Gruppe zu, die im Lichtkegel sichtbar wird. Wais überschreit den Lärm. Er spricht allen Anwesenden einen Platzverweis aus und fordert sie dazu auf, aufzuräumen. „Der Platzverweis gilt bis morgen früh um sechs für alle städtischen Grünanlagen“, ruft Wais. Die Jugendlichen raffen ihre Utensilien zusammen und machen sich aus dem Staub.

Im Archivpark ist es weitaus ruhiger, aber auf der Wöhrder Wiese ist richtig Betrieb. Etwa 400 Menschen feiern in Gruppen. „Es ist viel zu riskant, hier zu räumen“, stellt Wais fest. Das Team zieht weiter. Nach einer Runde durch den Stadtpark ist die Schicht endlich zu Ende. Die Uniformen sind durchgeschwitzt, die Füße kochen. 13 Kilometer sind Christian Wais und Alexander Wurmstein bei der Hitze gelaufen. Um 1 Uhr sind sie zurück im Büro. Sie freuen sich auf eine Dusche, frische Klamotten – und auf ein entspanntes Familienwochenende.

Text: Thomas Meiler, Fotos: Christine Dierenbach


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