Kontakt

Ayten Akyıldız: "Stolz auf das, was wir geschaffen haben"

Die Leiterin des Filmfestival Türkei-Deutschland, Ayten Akyıld

Im Jahr 2015 feierte das Filmfestival Türkei/Deutschland sein 20. Jubiläum. Angefangen hat alles 1992 mit den "Türkischen Filmtagen", inzwischen ist das Festival eines der angesehensten interkulturellen Events der deutschen und türkischen Filmszene. Seit 1995 ist Ayten Akyıldız Teil des Organisatoren-Teams und hat heute die Leitung des Filmfestivals inne. Im Interview zum Jubiläum spricht sie über die Geschichte des Festivals, ihr politisches Engagement, die Rolle von Nürnberg in ihrem Leben und darüber, wie das Festival die Meinung Filmschaffender über Nürnberg verändert.

nuernberg.de

Herzlichen Glückwunsch zu 20 Jahren Filmfestival Türkei/Deutschland. Frau Akyıldız, hätten Sie das damals so erwartet?

Ayten Akyıldız

Als ich 1995 zum Team gestoßen bin, hieß unsere Veranstaltung noch „Türkische Filmtage“. Angefangen hat alles 1992 mit sechs Filmen im Metropolis-Kino. In unserem Jubiläumsjahr haben wir 39 Filme, davon elf Kurzfilme, im Programm. Das hätte so wahrscheinlich keiner von uns erwartet, aber gerade deshalb sind wir schon stolz auf das, was wir geschaffen haben.

nuernberg.de

Wie kamen Sie damals eigentlich dazu?

Ayten Akyıldız

Ich lernte die Gruppe um Adil Kaya im Cayhaus im Kulturladen Rothenburger Straße kennen. Ich war damals politisch aktiv und habe mich für die Rechte und die Integration von türkischen Migranten engagiert. Anfangs betrachtete ich so etwas wie ein Filmfestival noch als „Luxus“, weil ich viel drängendere Probleme sah. Als ich dann zwei-, dreimal dort war, habe ich erkannt, dass man auch mit so einem Filmfestival politisch arbeiten und viel bewegen kann. Seitdem bin ich mit Leib und Seele dabei.

nuernberg.de

Was waren für Sie in den 20 Jahren die schönsten Momente?

Ayten Akyıldız

Das ist schwer zu sagen, weil es ganz unterschiedliche schöne Momente gab. Außerdem sind nicht alle schönen Momente auch Momente des Erfolgs. Im Jahr 2000 haben wir zum Beispiel an Stelle der Türkischen Filmtage ein InterFilm-Festival veranstaltet. Das war für mich persönlich eine spannende Zeit, weil wir Filme und Menschen aus Italien, Bosnien, der Türkei, Griechenland, Spanien und noch mehr Ländern in einem Festival zusammen gebracht haben. Das war ein wirklich multikulturelles Projekt. Leider kam es bei den Zuschauern nicht als solches an, und es gab relativ wenig Austausch zwischen den verschiedenen Besuchergruppen. Trotzdem ist es mir als eine gute Zeit in Erinnerung. Es fällt mir aber wirklich schwer, aus den vielen schönen Momenten der letzten 20 Jahre einige besonders herauszuheben.

nuernberg.de

Jahr für Jahr bringt Ihr Festival hochkarätige Filme und auch Gäste aus der deutschen und türkischen Filmszene nach Nürnberg. Wie machen Sie das?

Ayten Akyıldız

Wir sind selber unglaublich viel unterwegs. Wir besuchen Filmfestivals in der Türkei und Deutschland, manchmal auch darüber hinaus. Dort treffen wir Regisseure, Schauspieler, Festivalveranstalter und entdecken die Filme, die wir dann in Nürnberg auf die Leinwand bringen. So sind bei mir auch schon Freundschaften fürs Leben entstanden. Anfangs wusste kaum jemand etwas mit „Nürnberg“ anzufangen, inzwischen haben die Stadt und das Festival einen richtig guten Namen in der türkisch-deutschen Filmszene. Wer einmal bei uns war, kommt gerne wieder. Ein bekannter Regisseur aus der Türkei hat mir einmal erzählt, wie er Nürnberg früher wahrnahm und wie sich das verändert hat: „Früher war Nürnberg für mich der Ort der Nürnberger Prozesse, heute ist Nürnberg für mich ein Ort der Begegnung“.

nuernberg.de

Es ist ja beeindruckend, was für ein Programm Sie jedes Jahr anbieten. Wie finanziert sich das Filmfestival Türkei/Deutschland eigentlich?

Ayten Akyıldız

Wir erhalten natürlich Unterstützung von vielen Seiten. Unser Hauptförderer ist die Stadt Nürnberg, wo wir auch im Künstlerhaus K4 Bürofläche zur Verfügung haben. Auch der Freistaat Bayern, der Bund und das Kultur- und Tourismusministerium der Türkei stellen uns finanzielle Mittel zur Verfügung. Daneben haben wir Sponsoren, und der Freundeskreis Filmfestival Türkei/Deutschland engagiert sich ebenfalls. Freundeskreis ist dabei übrigens sehr wörtlich zu nehmen: Die Mitglieder sind wirklich Freunde und Menschen, die uns und das Festival schon lange begleiten und unterstützen. Genauso wichtig wie die finanzielle Unterstützung ist aber der ehrenamtliche Einsatz von vielen Leuten, ohne den wir ein Festival in dieser Größenordnung nie stemmen könnten. Viele Bekannte und Verwandte von uns nehmen sogar Urlaub, um uns unter die Arme zu greifen. Ohne diese Menschen, die sich in den unterschiedlichsten Bereichen engagieren, würden wir jetzt nicht unser 20-Jähriges feiern. Daher möchte ich ihnen allen an dieser Stelle noch einmal von Herzen danken!

nuernberg.de

Haben Sie eigentlich schon einmal daran gedacht, mit dem Festival umzuziehen in eine andere Stadt?

Ayten Akyıldız

Als ich damals mit meinen Eltern aus Istanbul hier ankam, zuerst in Fürth-Stadeln, dachte ich noch, dass ich es hier in der Gegend niemals lange aushalten könnte. Das ist lange her – inzwischen ist Nürnberg meine Heimat, hier sind meine Freunde, hier fühle ich mich wohl. Und das ist das Wichtigste im Leben. Wir haben hier etwas aufgebaut, was deutschlandweit Strahlkraft hat, und das können wir nicht einfach woanders hin verpflanzen. Nürnberg und das K4 sind unser Zuhause, und wir sind glücklich, dass wir hier unser Festival veranstalten können.

nuernberg.de

Auf was können wir uns in den kommenden 20 Jahren einstellen?

Ayten Akyıldız

Wer weiß das schon? Es hat sich schon in den vergangenen 20 Jahren so viel geändert. Andere Spielorte, andere Formate, andere Mitwirkende, andere Unterstützer. Was das Filmfestival Türkei/Deutschland in der Zukunft ausmacht, kann und will ich also nicht vorhersagen. Wir werden weiter unser Bestes tun, um deutsche und türkische Cineasten zusammen zu bringen und so etwas für das interkulturelle Zusammenleben in der Stadt zu tun. Regelmäßige Veränderungen sind ja auch wichtig, um so ein Projekt am Leben zu erhalten. Wenn ich dann in 20 Jahren in einem Einkaufshaus immer noch junge deutsche Frauen auf mich zukommen und sagen „Bald ist es ja wieder das Filmfestival, wir freuen uns schon drauf!“, dann weiß ich, dass wir etwas richtig gemacht haben.

Interview: Johannes Barthel

Zurück zum Seitenanfang

Mehr zum Thema

URL dieser Seite:
<http://www.nuernberg.de/internet/stadtportal/filmfestival_tuerkei_deutschland_interview_akyildiz.html>