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Hübsch und handgemacht: Mudra-Taschen und Schmuck

Text und Bilder: Johannes Barthel

Geldbeutel aus der Mudra-Nähwerkstatt

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Ein Verkaufsschlager bei der Mudra: Die aufwändig genähten Geldbeutel.

Wer während des Christkindlesmarkts einmal vom Hauptmarkt in Richtung Burg gelaufen ist, dem ist vielleicht der Stand mit den knallbunten Taschen, Geldbeuteln und Täschchen sowie dem feinen Schmuck aufgefallen. Auch von Events wie dem Sommerkiosk, dem Südstadt- oder dem Zabo-Fest kennt man diese Nürnberger Originale. Hergestellt werden sie in den Schmuck- und Nähwerkstätten, die die Mudra Drogenhilfe in der Südstadt betreibt.

"Langjährige Drogenabhängigkeit erschwert den Einstieg in den 'normalen' Arbeitsmarkt erheblich", erklärt Max Hopperdietzel, Leiter des Bereichs Berufliche Integration bei der Mudra. Ziel der Werkstatt-Projekte sei es daher, wieder feste Strukturen im Leben der Betroffenen zu etablieren. "Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Belastbarkeit, das sind ganz wesentliche Dinge, die man in so einer Situation erst einmal wieder lernen muss", weiß der Sozialpädagoge.

"Sinnhafte Arbeit stabilisiert den Menschen", sagt auch Claudia Cabolet, die für die sozialpädagogische Betreuung der Mitarbeitenden in den Werkstätten zuständig ist. Seit mittlerweile 27 Jahren besteht die Schmuckwerkstatt der Mudra. In der Sturmstraße 6-8 leitet Marina Kerkez seit 1987 die Beschäftigten an. Inzwischen produzieren dort fünf ehemalige Drogenkonsumentinnen allerlei fein gearbeiteten Schmuck.

Von Auftragsarbeit hin zur Kreativwerkstatt

Die Materialien, mit denen gearbeitet wird, werden dabei immer vielfältiger: War es anfangs hauptsächlich Metallschmuck, den Kerkez und ihr Team herstellten, so arbeiten sie jetzt auch mit Holz und Leder. "Ich mache das seit 27 Jahren, aber weil es so eine kreative Arbeit ist und wir ständig Neues entwerfen, ist mir überhaupt nicht langweilig", sagt die Anleiterin. Aus dem umfangreichen Sortiment sind seit dem letzten Christkindlesmarkt die Lederarmbänder mit Magnetverschluss der absolute Renner.

Im Jahr 1997 kam zur Schmuckwerkstatt noch eine Nähwerkstatt für Frauen hinzu. Zunächst erledigte man dort Auftragsarbeiten für Einrichtungen wie Seniorenheime. Nach einigen Jahren dachte sich Kerkez, als sie die bekannten Freitag-Taschen aus LKW-Planen sah: "Das könnten wir doch auch einfach mal machen!" Gesagt, getan: Die bunten Planentaschen der Mudra sind seither der Klassiker unter den Produkten der Nähwerkstatt.

Seit Kurzem leitet nun Nina Horn dort die Klientinnen an. Das Sortiment umfasst inzwischen weit mehr als die Planentaschen. So sind der aktuelle Verkaufsschlager die Kosmetikbeutel. Dem Grundmaterial ist man in der Nähwerkstatt dennoch treu geblieben: "Bis auf ganz wenige Ausnahmen bestehen nach wie vor alle unsere Produkte zum großen Teil aus LKW-Plane", so Horn. Geldbeutel, Handytaschen, Rucksäcke, Federmäppchen und vieles mehr finden die Kunden dort handgefertigt.

Nicht nur auf Märkten: Werkstattladen, Individuelles und Online-Shop

"Den größten Umsatz machen wir natürlich am Christkindlesmarkt", sagt Kerkez. Das ist auch wichtig für die Finanzierung der Werkstätten: Einen Teil der Kosten muss die Mudra selbst erwirtschaften. Neben einigen Nürnberger Stadtteilfesten sind die Frauen der Werkstätten zudem in Fürth und bei der Rummelsberger Diakonie mit ihren Verkaufsständen anzutreffen. "Mehr können wir leider nicht stemmen, dafür haben wir nicht genug Leute", sagt Kerkez. Ehrenamtliche Helfer, wie es sie beim Christkindlesmarkt schon manchmal gegeben hat, sind daher immer herzlich willkommen.

Auch aus einem weiteren Grund findet die sozialpädagogische Betreuerin Cabolet die Verkaufsstände auf Märkten besonders wertvoll: "Menschen mit einer aktuellen oder ehemaligen Suchterkrankung stehen unter einem ungemeinen Rechtfertigungsdruck. Wenn sie auf den Märkten mit den Bürgern einfach ganz zwanglos ins Gespräch kommen, dann können da beide Seiten nur davon profitieren."

Schon lange kann man aber auch im Werkstattladen die handgearbeiteten Produkte erstehen. "Seit Kurzem bewerben wir diese Möglichkeit nun intensiver", erklärt Leiter Hopperdietzel. Die Kunden können vor Ort auch ihre ganz individuellen Wünsche äußern und bekommen dann ein für sie persönlich gefertigtes Produkt. "Da können die Leute auch ihre eigenen Materialien mitbringen, die wir dann einarbeiten", so Horn. Wenn es nicht ganz so persönlich sein soll, dann bieten die Mudra-Werkstätten ihre Waren aber auch in einem eigenen Online-Shop an.

Schönes aus der Mudra-Schmuckwerkstatt

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Schmuckstücke aus der Werkstatt der Mudra in Nürnberg.

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