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Fair, lecker und schön: Weltläden in Nürnberg

Text und Bilder: Johannes Barthel

Nürnberg ist eine Stadt, in der Nachhaltigkeit und Fair Trade eine wichtige Rolle spielen. Wer auch beim Einkauf Wert darauf legt, dass die Waren nicht nur hübsch sind, sondern auch noch Gutes in der Welt bewirken, wird in zahlreichen Läden fündig. Vorreiter in diesem Bereich waren die Weltläden. Zwei von ihnen befinden sich sehr zentral in der Innenstadt: Das "Fenster zur Welt" der Katholischen Stadtkirche liegt in der Vorderen Sterngasse, der Lorenzer Laden - kurz Lola - in der Nonnengasse nahe des Lorenzer Platzes.

Als Konkurrenz nehme man sich aber nicht wahr, betont Inge Rehm, die Leiterin des "Fenster zur Welt": "Als nicht primär gewinnorientierte Läden arbeiten wir in vielen Bereichen gut zusammen, schließlich eint uns ein gemeinsames Ziel." Zusammen mit ihrer Kollegin aus dem Lorenzer Laden, Helga Reinholtz, ist sie beispielsweise im Fair-Trade-Steuerungskreis der Stadt Nürnberg engagiert. "Wir wollen ja nicht nur faire Produkte verkaufen, sondern sehen uns auch mit einem Auftrag zur Bewusstseinsbildung", erklären die beiden unisono.

Aus der Welt nach Nürnberg: Kaffee und Schokolade

Seit 2003 gibt es den "Nürnberg Café" aus lateinamerikanischen Bohnen. Der Lorenzer Laden hat ihn zusammen mit dem Nord Süd Forum Nürnberg auf den Markt gebracht. Man wolle damit zeigen, dass man Unterstützung für die "Länder des Südens" anbietet, erklärt Reinholtz. Das ursprüngliche Ziel einer weiten Verbreitung des Nürnberg Café im Stadtgebiet sei leider noch nicht erreicht worden, so die LoLa-Leiterin, man arbeite aber weiter daran.

Das Fenster zur Welt hat als ideale Ergänzung zum Nürnberger Kaffeegenuss die faire "Nürnberg Schokolade" in enger Kooperation mit der Stadt auf den Markt gebracht. Zu Weihnachten gibt es seit 2008 als Ergänzung die Weihnachtsschokolade. Die Stadtsilhouette, die auf den Verpackungen prangt, hat Stadtgrafiker Herbert Kulzer gestaltet, Oberbürgermeister Ulrich Maly hat eine Widmung verfasst.

Zusammen kann man die beiden Produkte in der Weihnachtszeit ebenfalls erstehen: Das Nürnberger Geschenk-Set enthält außerdem noch den weltweit ersten bio-fairen Lebkuchen, der einer Zusammenarbeit mit der Bio-Bäckerei Imhof entsprungen ist.

Von Kleidung über Spiele bis hin zu Instrumenten

Beide großen Weltläden verfügen über ein umfangreiches Angebot in den Bereichen Schmuck und besonders Lebensmittel, außerdem gibt es je nach Saison unterschiedliche Kleidung. Sowohl das Fenster zur Welt als auch der Lorenzer Laden haben jedoch jeweils eigene Besonderheiten im Sortiment.

So sagt Rehm: "Bei Instrumenten haben wir uns vor allem im Bereich Klangschalen inzwischen einen guten Namen gemacht." Die Auswahl dieser Schalen aus Nepal käme bei den Kunden des "Fenster zur Welt" gut an. Auch ein besonders großes Angebot an Schokoladen zeichnet den Laden aus. Nicht umsonst kooperiere man bei der Schokoladenstation auch mit dem Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne, so Rehm.

Der Lorenzer Laden hingegen bietet seinen Kunden als Besonderheit eine große Auswahl an Alpaka-Produkten. "Seien es nun Accesoires, Jacken, Pullover oder Röcke, wegen dieser Produkte kommen besonders viele Menschen zu uns", sagt Reinholtz. Dass man in einem Weltladen aber nie alles haben könne, sei ebenfalls klar: "Wenn die Leute auf der Suche nach sonstiger fairer Mode sind, schicken wir Sie zu Glore weiter." Andersherum funktioniere das ebenfalls hervorragend, so die Leiterin des LoLa.

Auch andere fair gehandelte Textilien, die je nach Jahreszeit wechseln, sind in beiden Läden gut nachgefragt. Menschen auf der Suche nach Schmuck oder Lederwaren werden hier ebenfalls fündig. Den Spieltrieb von Groß und Klein befriedigt eine große Auswahl an Spielwaren: Kuscheltiere, Handpuppen, Holzspielzeug und vieles mehr. Das afrikanische Spiel Kalaha ist laut Rehm im "Fenster zur Welt" gut nachfragt.

Daneben stehen auch Recycling-Produkte bei den Weltläden hoch im Kurs. Uhren aus gesammeltem Alteisen von einem kolumbianischen Projekt, Schachteln und Schalen aus Altpapier sowie Taschen aus Reissäcken: All das und noch viel mehr findet sich in den beiden großen Nürnberger Weltläden in der Innnenstadt. Einige Waren seien nicht fair produziert, erklärt Reinholtz. "Die sind aber auch deutlich als solche ausgezeichnet und wir führen sie nur als Ergänzungsprodukte", so die LoLa-Chefin.

Fairer Handel im Wandel: Qualität und Solidarität

Beim fairen Handel hat sich vieles verändert, wie Reinholtz erklärt: "Waren früher vor allem ehemalige Kolonial- und Ausbeutungsprodukte der Schwerpunkt, wird nun das Handwerk immer wichtiger." Rehm ergänzt mit einem Schmunzeln, dass es auch bei der Qualität einen Wandel gegeben habe im Vergleich zu den Anfangszeiten der Weltläden: "Früher hat man beispielsweise den Kaffee oft eher aus Solidarität getrunken als des Geschmacks wegen, heute sind faire Bohnen Spitzenprodukte."

Während man also in beiden Läden auf eine "Entdeckungsreise durch die ganze Welt des fairen Handels" gehen kann, wie Rehm es fomuliert, engagieren sich die beiden Frauen auch abseits der Geschäfte weiter. Um die Solidarität mit den Menschen der Welt in der Stadtgesellschaft zu verankern, organisieren sie beispielsweise konsumkritische Stadtführungen. Für den Geocache "Fairraten und Fairsteckt" erhielt der Lorenzer Laden 2014 den zweiten Preis in der Katgeorie Vereine und Initiativen beim Umweltpreis der Stadt Nürnberg. Auch für den Christkindlesmarkt haben Rehm und Reinholtz klare Vorstellungen: "Es wäre schön, den Fair Trade-Anteil auf dem Markt zu erhöhen", sagt die Leiterin des LoLa. Dafür werden sich die beiden Weltläden-Leiterinnen im Fairtrade-Steuerungskreis der Stadt Nürnberg weiter starkmachen.

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