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Abdolfattah Soltani aus dem Gefängnis entlassen

Völlig überraschend ist der iranische Menschenrechtspreisträger Abdolfattah Soltani am 21. November 2018 aus der Haft entlassen worden. Er war seit September 2011 in einem Teheraner Gefängnis inhaftiert. Nach ersten Informationen der Familie des Preisträgers wird Soltani zwar weiterhin für fünf Jahre unter Beobachtung stehen, seine Freilassung gilt jedoch als unbefristet.

Portrait des iranischen Rechtsanwalts Abdolfattah Soltani

Soltani hatte 2009 den Nürnberger Menschenrechtspreis erhalten. Seinen Preis konnte er jedoch nie persönlich entgegennehmen, da der Iran ihm die Ausreise verweigerte.


Wer ist Abdolfattah Soltani?

Der iranische Rechtsanwalt vertrat in seinem Heimatland politische Gefangene und setzte sich fortwährend für die Menschenrechte ein. Für dieses Engagement wurde er mehrmals von den iranischen Behörden willkürlich verhaftet oder zu Gefängnisstrafen verurteilt. Außerdem erhielt er wiederholt Berufsverbot. 2009 verlieh ihm die Stadt Nürnberg den Internationalen Menschenrechtspreis. Die letzten sieben Jahren war Soltani im Teheraner Evin-Gefängnis inhaftiert, wo immer wieder Insassen gefoltert werden sollen. Das Verfahren gegen Soltani gilt als politisch motiviert.


Große Freude im Rathaus

Oberbürgermeister Ulrich Maly nahm die erfreuliche Nachricht mit großer Erleichterung auf: "Niemand kann Abdolfattah Soltani die gestohlenen Jahre seines Lebens zurückgeben. Aber ich hoffe sehr, dass er sich schnell von den Strapazen der Haft erholt und dass wir ihn hoffentlich bald in Nürnberg begrüßen dürfen."

Weltweit hatten zahlreiche Organisationen, Initiativen und Einzelpersonen gegen die Inhaftierung und Verurteilung Soltanis protestiert, als er im Juni 2012 im Berufungsverfahren zu 13 Jahren Haft verurteilt worden war. Einer der vier Haftgründe war die Auszeichnung mit dem Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis gewesen: Verurteilt wurde er für die "Annahme eines ungesetzlichen Preises", wie es das Revolutionsgericht damals begründete.


Preisverleihung ohne Preisträger

Bereits die Auszeichnung konnte Soltani am 4. Oktober 2009 nicht persönlich im Opernhaus entgegennehmen. Er war zwei Tage zuvor in Teheran am Flughafen an der Ausreise gehindert worden. Stellvertretend nahm damals seine Ehefrau Masoumeh Dehghan die Auszeichnung in Empfang, die mit 15.000 Euro dotiert ist.

Abdolfattah Soltani gehört dem "Zentrum für Menschenrechtsverteidigung" an, das seine Kollegin und Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi in Teheran gegründet hat. Zudem vertrat Soltani gewaltlose politische Gefangene und scheute auch nicht davor zurück, Menschenrechtsverletzungen der iranischen Behörden anzuklagen.

Blick ins Publikum im Opernhaus mit einem leeren Sitz, auf dem Foto von Soltani angebracht ist.

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Auch hier blieb Soltanis Platz leer: Bei der Preisverleihung an die Gruppe "Caesar" 2017 erinnert ein Foto an den iranischen Menschenrechtsaktivisten.

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