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Projekt "Lernort Zeppelinfeld"

Die Stadt Nürnberg will die Bauten auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände, insbesondere am Zeppelinfeld, in ihrem heutigen Zustand erhalten. Je weniger Zeitzeugen über die NS-Zeit berichten können, desto wichtiger werden solche authentischen Lernorte der deutschen Geschichte für die Vermittlung historisch-politischer Bildung. Gerade Zeppelintribüne und Zeppelinfeld sind ein authentischer Lern- und Erfahrungsort zur Geschichte der Reichsparteitage der NSDAP und der NS-Herrschaft. Die Bauten sind von besonderer Bedeutung für die Vermittlung von Wissen um den Nationalsozialismus und seine Propagandatechniken. Sie sind auch ein wichtiges Zeugnis für die Entwicklung einer demokratischen Erinnerungskultur in der Bundesrepublik Deutschland.

Zeppelinfeld: Was bisher geschah und was geplant ist

Hintergründe des Projekts "Lernort Zeppelinfeld"

Seit Jahren werden Schäden und Verfall der Zeppelinhaupttribüne und der Wallanlagen trotz des kontinuierlichen Bauunterhalts immer deutlicher. Regen und Frost haben den 1935/37 entstandenen Bauwerken immer mehr zugesetzt. Inzwischen werden an einzelnen Stellen bereits wieder die Reparaturen vergangener Jahre ausgebessert. Einzelne Decken im Gebäude müssen durch provisorische Holzkonstruktionen gestützt werden. Zäune schützen Passanten vor herabfallenden Steinbrocken. Manche Bereiche der Tribüne sind aus Sicherheitsgründen nicht mehr zu betreten.

Um der Aufgabe gerecht zu werden, Zeppelintribüne und Zeppelinfeld als Lern- und Erfahrungsort zur Geschichte der Reichsparteitage zu erhalten, hat der Nürnberger Stadtrat bereits am 19. Mai 2004 Leitlinien zum künftigen Umgang mit den baulichen Relikten der NS-Zeit beschlossen. Danach will die Stadt weder einen Verfall hinnehmen noch strebt sie eine Rekonstruktion an. Mit der Instandsetzung soll vielmehr der Status quo gesichert werden. Es geht weder um eine Rekonstruktion noch um eine "Verschönerung". Ein verstärktes Informationsangebot soll zugleich dem wachsenden nationalen und internationalen Interesse an diesen Bauwerken und ihrer Geschichte gerecht werden. Schon jetzt erkunden gezielt rund 200.000 Personen jährlich das Zeppelinfeld. Die Instandsetzung ist Voraussetzung für ein neues, umfassendes Besucher-Erschließungskonzept, das der Kulturausschuss des Stadtrats 2011 beschlossen hat. In der städtischen Broschüre "Lernort Zeppelinfeld – Projekt zum Erhalt eines besonderen nationalen Erbes" sind alle Fakten und Hintergründe zu dem Vorhaben ausführlich dargestellt.

Sanierung der Musterflächen und Kostenschätzung

Nach detaillierten Untersuchungen an ausgewählten Flächen im Jahr 2014 bereitete ein Expertenteam ein Instandsetzungskonzept vor, das musterhaft im Jahr 2015 umgesetzt wurde. Für die bauliche Sicherung des Zeppelinfelds mit Tribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände hat das Hochbauamt der Stadt Nürnberg nun eine belastbare Kostenschätzung erstellt. Die Berechnungen ergeben eine Gesamtsumme von circa 73 Millionen Euro, die sich gleichmäßig auf zwölf Jahre Bauzeit verteilt. Davon entfallen rund 60 Prozent auf die Zeppelintribüne und etwa 40 Prozent auf das Zeppelinfeld.

Zu Testzwecken und als eine wichtige Grundlage zur Kostenermittlung waren Bauausführungen an ausgewählten Musterflächen auf dem Zeppelinfeld vorgenommen worden, die alleine die Stadt Nürnberg finanzierte. Trotz des experimentellen Charakters dieser Baumaßnahmen konnten von den eingeplanten 3 Millionen Euro rund 500.000 Euro eingespart werden. „Die Bearbeitung von Musterflächen an Tribüne und Wallanlage in den vergangenen zwei Jahren hat uns in die Lage versetzt, sehr gründlich die Schäden zu analysieren und die Gesamtkosten zu berechnen. Außerdem können wir nun vor Ort zeigen, wie eine bauliche Sicherung aussehen kann“, erklärt Planungs- und Baureferent Daniel F. Ulrich.

Geplante bauliche Maßnahmen

Der größte Teil der Gesamtkosten entfällt auf die Steinmetzarbeiten mit fast 20 Millionen Euro. Entgegen ursprünglicher Prognosen kann an der Fassade der größte Teil der Originalplatten erhalten werden, nur etwa 25 Prozent müssen ausgetauscht werden. Auch die Stufen der Zeppelintribüne können an Ort und Stelle verbleiben, jedoch müssen die Fugen abgedichtet werden. Somit kann eine optische „Modernisierung“ der Anlage vermieden werden.

Bei der Wallanlage des Zeppelinfelds wurde durch Belastungsversuche die Standsicherheit nachgewiesen. Nach wie vor ist der Wall schlecht verdichtet, jedoch ist eine Nutzung für Besuchergruppen problemlos möglich. Alleine bei Großveranstaltungen wie „Rock im Park“ bleibt der begrünte Wall gesperrt.

Im Inneren der Tribüne und der Türme werden nur notwendige statische Sicherungen durchgeführt. Eine kontrollierte Be- und Entlüftung soll die durchfeuchtete Konstruktion wieder abtrocknen. Wichtig ist die Abdichtung gegen eindringendes Regenwasser von oben. An der Tribüne wurden im Bereich der ehemaligen Pfeilergalerie zwei Varianten ausgeführt, bei einer ist die Begehung durch Besuchergruppen möglich.

An einem Treppenhaus der Tribüne sollen Besucher erstmals seit den 1960er Jahren wieder die Möglichkeit haben, diesen Bereich zu begehen, dazu ist eine Überdachung notwendig. Um die Rahmenbedingungen zu testen, steht bis 2017 auf der ehemaligen Pfeilergalerie noch ein provisorisches Gerüstdach. Über alle baulichen Maßnahmen informieren neue Tafeln, die vor Ort angebracht wurden.

Nutzungskonzept

Ziel ist es, für die Besucherinnen und Besucher – ob in Gruppen oder individuell – bisher verschlossene Türen zu öffnen, um keine Mystifizierung der Bauten am Zeppelinfeld entstehen zu lassen. Dazu gehört, das heute für die Öffentlichkeit gesperrte Zeppelinfeld sowie ausgewählte Punkte auf der Wallanlage begehbar zu machen. Ein Turm an der Wallanlage soll Einblick in seine banale Nutzung als Toilette geben. Zusätzliche Informationseinheiten sollen das bestehende Geländeinformationssystem ergänzen. Davon unberührt bleibt die etablierte Sport- und Freizeitnutzung, die diesen Ort demokratisch erschließt.

Die Halle im Mittelbau der Zeppelintribüne – umgangssprachlich „Goldener Saal“ genannt – wird als ein Ort der Information unter Federführung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände weiterentwickelt. In einem neu einzurichtenden Projektraum sollen neue pädagogische Ansätze des forschenden Lernens und Mittel der ästhetischen Bildung eingesetzt werden. Derzeit besuchen schätzungsweise mehr als 200 000 vor allem junge Menschen aus aller Welt im Jahr das Gelände.

Der Bund hat sich im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung zur gemeinsamen Verantwortung für den Erhalt des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes bekannt. Auch der Freistaat Bayern hat seine grundsätzliche Bereitschaft erklärt, für den Erhalt von Zeppelinfeld und -tribüne einen Beitrag zu leisten.

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