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Der Tullnaupark erwacht aus seinem Dornröschenschlaf

Venedig liegt in Franken. Zumindest, wenn man einer Zeitungsanzeige aus den 1930er-Jahren glauben kann. Gemeint war das Ausflugsziel rund um den Tullnauer Weiher. Die letzten 90 Jahre gingen nicht spurlos an der einzigartigen Parkanlage vorbei, weshalb Teile sogar gesperrt werden mussten. Doch die Sanierung läuft - bis Ende 2018 soll der Park in neuem Glanz erstrahlen.

Die Anfänge

Die Pergola-Anlage im Tullnaupark mag antik anmuten, sie besteht aber erst seit 90 Jahren. Seit 1391 befand sich eine Papiermühle auf dem Gebiet der Tullnau, der Aue des Goldbachs, die von ebenjenem Bach angetrieben wurde. Später wurde aus der Mühle eine Spinnerei und ab 1864 entwickelte sich das Gebiet am Weiher zum Ausflugsziel: Der Spinnereibesitzer J. A. Weiß eröffnete eine Gastwirtschaft. 1876 siedelt sich die Brauerei Zeltner in der Tullnau an – dort, wo heute die Ostendstraße verläuft. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es am Weiher eine Wasserrutsche, die zeitweise auch am Valznerweiher und auch am Dutzendteich ihren Platz hatte. Johann Georg Zeltner wollte das Restaurant schon 1911 stark umgestalten und eine Gartenterrasse anlegen, doch der Erste Weltkrieg verhinderte seine Pläne. Der Bau der Terrassenanlage begann dann erst 1921 und dauerte bis 1926.

Das fränkische Venedig

Die Formsprache der neuen Anlage erinnerte manche Zeitgenossen an die italienische Renaissance. Ein Zeitungsbericht aus den 1930er-Jahren spricht vom „griechisch anmutenden Bau“, eine Anzeige vom „fränkischen Venedig“. Es finden sich aber ebenso Elemente des Jugendstils wie auch des Art Deco in der Terrassenanlage und in ihrer Bauweise aus Eisenbeton ist sie sogar völlig neuzeitlich. Steinmetze haben die charakteristischen feinen Ornamente in den Baustoff hineingearbeitet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

1954 kaufte die Stadt die Fläche, die im Zweiten Weltkrieg Schäden erlitten hatte. Die Gaststätte riss man ab, um die Ostendstraße verbreitern zu können. Der Stadtrat entschied, den Tullnau-Weiher mit den Hangterrassen und der Pergola zur öffentlichen Grünanlage umzugestalten. Die Anlage entwickelte sich zur beliebten Fotokulisse der Nürnberger Bevölkerung, vor allem für Brautpaare. 1959 bis 1961 wurde der Park umgestaltet, kleine Plätze wurden angelegt, außerdem ein Sandkasten für Kleinkinder.

Heute

Nach 90 Jahren sind deutliche Schäden an der Anlage erkennbar: Die Terrasse zeigt Risse, Ausblühungen, Abplatzungen, Korrosion und Graffiti. Deswegen wurde die Pergola-Anlage 2010 gesperrt. In der Folgezeit gab die Stadt ein Gutachten zur Bausubstanz in Auftrag und legte einzelne Sanierungsschritte fest. Ein Unterstützerkreis hat sich gebildet, der 100.000 Euro Sponsorengelder als Grundstock für die Sanierung der Pergola einwerben konnte. Seit Mitte 2016 bearbeiten nun Restauratoren die Steine. Bis voraussichtlich 2018 soll die Renovierung von Pergola, Treppenanlage, Bepflanzung und Wegeführung im Park abgeschlossen sein.

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