Kontakt

Blitzlichter

Blitzlichter

"In Würde sterben – frommer Wunsch oder doch Wirklichkeit?"

Palliativveranstaltung Publikum

Kann und wird uns das neue Hospiz- und Palliativgesetz einem besseren Sterben näher bringen? Wird der grundlegende menschliche Wunsch nach einem Abschied in Würde und liebevollem Versorgtsein in Erfüllung gehen – in einer Zivilgesellschaft, die rastlos das Leben feiert und den Tod am liebsten für immer ausblenden würde?

Die Diskussionsrunde, die der Stadtseniorenrat Nürnberg (StSR) gemeinsam mit der Akademie für Hospizarbeit und Palliativmedizin Nürnberg und dem Verein Hospiz-Team Nürnberg e.V. veranstaltete, brachte hoch qualifizierte Fachleute zusammen, deren ganze Arbeit und Sorge genau diesem Wunsch gewidmet ist. So war es kein Wunder, dass der große Saal des Nürnberger Südstadtforums voll war mit Menschen, die Näheres zu den neuen gesetzlichen Vorgaben erfahren wollten.

Podium Palliativveranstaltung

Auf dem Podium (von links nach rechts) Dr. Gerhard Gradl, Arzt für Allgemeinmedizin mit Schwerpunkt Palliativmedizin, Uta Behringer, Angehörige, Diakon Hans Müller, Einrichtungsleiter im Rummelsberger Stift St. Lorenz, Sabine Ritter, Leiterin des Caritas-Hospizes Haus Xenia, Diakon Dirk Münch, erster Vorsitzender Hospiz-Team Nürnberg e.V. und Dr. Gerda Hofmann-Wackersreuther, Ärztliche Leiterin und Oberärztin der Station für Palliative Medizin am Klinikum Nürnberg. Allen gemeinsam sind vielfältige Erfahrungen sowohl mit ambulanter, als auch stationärer Palliativmedizin.

Palliativveranstaltung Moderation

Die kenntnisreiche und souveräne Moderation durch Diakon Stefan Meyer, Geschäftsführer der Akademie für Hospizarbeit, formte aus Meinungen, Erfahrungen und Ansprüchen der Diskutierenden und des Publikums einen anspruchsvollen, zugleich verständlichen und berührenden Abend.

Da war die überaus bewegende Schilderung einer Angehörigen, die das leidvolle und zeitweise zornige Zögern und Verweigern ihres todkranken Mannes schilderte, das schließlich doch in einer friedlichen, von stillem Glück erfüllten letzten Woche im Hospiz endete.

Da waren die Erläuterungen des Sachverständigen Dirk Münch, der das neue Gesetz als reich an Potenzial, aber auch an Sprengkraft bezeichnete: Eine flächendeckende Umsetzung der Hospiz- und Palliativversorgung könne man nicht innerhalb eines Jahres erwarten, wohl aber die Schaffung verbesserter Strukturen und Vernetzungen. Zudem werden die Hospize eine leichte Verbesserung der Finanzsituation erfahren.
Das Sterben müsse ausgehalten werden, so Diakon Müller, es gelte in jedem Fall den Wunsch des Sterbenden zu achten – auch für den Fall eines möglichen oder verweigerten Notarzteinsatzes.

Das Wichtigste für den Arzt, so Dr. Gradl, sei es, den Gedankensprung vom Heilen zum endlichen Begleiten zu verinnerlichen. Er berichtete aus der Praxis der ambulanten Palliativversorgung samt nächtlicher Rufbereitschaft und geringfügiger Honorare und erhofft sich von deren Verbesserung einen zahlenmäßigen Anstieg von jungen Allgemeinärzten, die die ambulante Betreuung in der Nachfolge übernähmen.

Aus der Praxis der Palliativstation am Nürnberger Klinikum berichtete Dr. Hofmann-Wackersreuther, die ihren Arbeitsplatz als Insel und Platz zum Luftholen bezeichnete. Ein Rettungsanker sei sie, sowohl zu Beginn eines Pflegeprozesses, als auch zur Überprüfung und gegebenenfalls Neueinstellung der Medikamentierung. Pflegende Angehörige und Patienten werden in Gesprächen aufeinander zu geführt, es gibt klärende Moderationen, und natürlich vor allem Hilfe, wenn zu Hause zeitweise nichts mehr gelingen will. Sie wies besonders auf die periodische Überprüfung und Aktualisierung von Patientenverfügungen hin. Hierfür sieht das Gesetz das neue Advanced Care Planning (=Gesundheitliche Planung zum Lebensende) vor, das den Hausarzt darin einbindet. Die Ärztin nannte abschließend ein großes zukünftiges Ziel: " ...dass jeder Arzt die Palliativversorgung beherrscht, dass jede Krankenschwester es gelehrt bekommt, dass jeder Altenpfleger es kann."

Dem stimmte die Leiterin des Hospizes Xenia, Sabine Ritter, ohne Vorbehalte zu. Sie betonte, dass das Sterben endlich in der Gesellschaft als Teil des Lebens begriffen und erfahren werden müsse. Es gelte, erfüllt zu leben und entsprechend zufrieden und in Würde sterben zu dürfen: "Wir sind alle dafür zuständig"

Barbara Bredow


Ewig jung … und was dann? Ernstes Gespräch zu einem heiteren Abend

ewigjung

Große Bühnen haben alle bespielt, die sich im Schauspielhaus Nürnberg zu einer spannenden Podiumsdiskussion zusammen fanden.

Eingeladen hatte der Stadtseniorenrat und die locker gestellten Tischgruppen im Foyer waren bestens gefüllt, als Friederike Engel, Dramaturgin des Kultabends "Ewig jung" die Gäste begrüßte und die Diskussion souverän moderierte.

Ausgehend von dem heiteren Theaterstück wurden von den Experten des Alltags im 3. Lebensabschnitt die unterschiedlichen Facetten deutlich angesprochen, als es um die Frage ging, ob wir uns, die über sechzig und siebzig Jährigen, zu wenig mit dem Alter auseinandersetzen.

Dr. Glaser bei

Prof. Dr. Glaser, langjähriger Schul- und Kulturreferent der Stadt Nürnberg, antwortete mit Walther von der Vogelweide: "Owê war sint verswunden alliu mîniu jâr? Ist mîn leben mir getroumet oder ist ez wâr?"

"A weng O-Weh"

... sei immer dabei, so Glaser, der das Alter als ständiges Abschiednehmen erlebt: kein Abfahrtsski mehr, keine Gartenarbeit, kein Auto. Dennoch sieht sich der 88jährige erst in der vorletzten Alterphase.
Dr. Elisabeth Eigler, ehemalige Chefärztin für Rehabilitationsmedizin am Klinikum Nürnberg, sieht keine Patentrezepte fürs Altern, wohl aber viele Chancen durch vielfältige Angebote, die es zu nutzen gilt. So gründete sie die Gruppe 55 plus in Mögeldorf, engagiert sich in der Begegnungsstätte Degrin und arbeitet als ehrenamtliche Kirchenführerin in St. Lorenz.
Reiner Matschuck, seit fast 20 Jahren am Nürnberger Schauspielhaus, genießt die "gelebten" , altersgemäßen Rollen heute mehr als die "Altersrollen" in jüngeren Jahren. Dennoch sieht er seinen Abschied aus dem "Berufsleben" auch als Befreiung und freut sich auf eine freie Zeit ohne Verpflichtungen. Er will sich nicht sofort von Ehrenämtern einbinden lassen, sondern zunächst eine Phase des Nachdenkens und bewussten Lebens beginnen.

Wie gering der Abstand zwischen Jung und Alt sein kann, zeigte die Moderatorin als jüngstes Podiumsmitglied auf:

ewigjung

Im Arbeitsleben kann man mit 35 als berufsunerfahren gelten, mit 45 aber bereits als schwer vermittelbar. Diese Sicht auf die gesellschaftliche Realität weitete den Blick für viele weitere Aspekte. So wies sie auf die enorme, wirtschaftlich kaum vertretbare Kostenentwicklung bei den Krankenkassenausgaben in den letzten Lebensmonaten hin, während Dr. Glaser einen Paradigmenwechsel in der Gesellschaft sieht: Wurden früher Gebrechen und Behinderungen eher verdrängt, so erlebt er gerade bei jungen Menschen eine große Offenheit und Hilfsbereitschaft im alltäglichen Umgang.

Dem "deodoranten Frischwärts" der Werbung entgehen

Um jedoch dem "deodoranten Frischwärts" der Werbung zu entgehen, bedürfe es einer anderen Bildung, und zwar in ganzheitlichem Sinne, nicht nur einer Aus-Bildung im Sinne von wirtschaftlichem Zweckdenken.
Armin Ulbrich, ehemaliger Oberstudiendirektor und Barbara Bredow, ehemals Dramaturgin und als Stadtseniorenrätin Initiatorin der Veranstaltung, zeigten auf, wie wichtig im Umgang mit dem Alter immer die eigene Persönlichkeit ist. Alter an sich sei kein Verdienst und begründe keine Privilegien, so Bredow. Wie schwierig es sei, im Alter Gelassenheit zu erlernen, führte sie darauf zurück, dass Beschwernis, Verfall und Krankheit zwangsläufig zur Angst vor dem eigenen Tod führten. Auch die bisweilen spürbare Abneigung Jugendlicher sei vielleicht auf diesen Fixpunkt zurückzuführen.
Und so war man sich einig: Die beste Vorbereitung aufs Altwerden beginnt in der Jugend. Lebendigkeit, Interessiertheit, Freude an den Geschenken des Lebens und die Pflege guter Freundschaften sind wichtige Stützen im Alter - grad so, wie es in der anschließenden Aufführung "Ewig jung" so wunderbar gezeigt wird.
Die rundum gelungene Gesprächsrunde wurde beendet vom Vorsitzenden des Stadtseniorenrates, Christian Marguliés, der sich mit Bildbänden bei den Diskutanten herzlich bedankte.

Paul Storz

Impressionen von der Veranstaltung

Zurück zum Seitenanfang URL dieser Seite
<http://www.nuernberg.de/internet/stadtseniorenrat/blitz.html>