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Bauen in Überschwemmungsgebieten

Hochwasser 2013 Kothbrunngraben

Nicht hochwasserangepasstes Bauen kann zu Schäden an Bauwerken (baulichen Anlagen) selbst und zur Gefährdung der Bewohner, zu Gefahren für Leib und Leben unbeteiligter Dritter und zu Schäden an deren Vermögenswerten führen. Weiter kann dadurch der Hochwasserabfluss behindert und die Umwelt gefährdet werden.

Deshalb ist das Bauen in vorläufig gesicherten und amtlich festgesetzten Überschwemmungsgebieten aus Gründen des Hochwasserschutzes gemäß § 78 Abs. 4 und 8 des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) grundsätzlich verboten, um die Hochwassersituation durch zusätzliche Bebauung nicht noch weiter zu verschärfen. Neue Baugebiete dürfen von der Gemeinde grundsätzlich gar nicht erst ausgewiesen werden. Für die Errichtung von baulichen Anlagen sind neben den Vorschriften des Baurechts auch spezielle Vorschriften des Wasserrechts zu beachten.

Ob Ihr Grundstück in einem Überschwemmungsgebiet liegt, können Sie beim Umweltamt der Stadt Nürnberg erfahren.
Auskunft über die konkrete Hochwassersituation auf Ihrem Grundstück (Hochwasserkote, Strömungsgeschwindigkeiten, etc.) erhalten Sie beim

  • Servicebetrieb Öffentlicher Raum Nürnberg (Gewässer III. Ordnung; Telefon: 0911/231 4874) bzw.
  • Wasserwirtschaftsamt Nürnberg (Gewässer I. und II. Ordnung; Telefon: 0911/23609 262)
Hochwasser 2013 - Gräben treten über die Ufer

Welche Anforderungen gelten für das Bauen in Überschwemmungsgebieten?

Falls Sie beabsichtigen, eine bauliche Anlage in einem solchen Überschwemmungsgebiet zu errichten, so ist neben der Baugenehmigung auch eine wasserrechtliche Ausnahmegenehmigung notwendig (§ 78 Abs. 5 WHG). Diese wird separat zur Baugenehmigung durch das Umweltamt der Stadt Nürnberg erteilt. Wenn Ihr Bauvorhaben verfahrensfrei ist oder keiner Baugenehmigung bedarf, benötigen Sie trotzdem eine wasserrechtliche Ausnahmegenehmigung. Ob ein Vorhaben genehmigungsfähig ist, ist immer vom jeweiligen Einzelfall abhängig.

Um die wasserrechtliche Ausnahmegenehmigung erteilen zu können, müssen bei der Planung und Ausführung des Vorhabens folgende Voraussetzungen erfüllt sein (§ 78 Abs. 5 WHG):

  • die Hochwasserrückhaltung nicht oder nur unwesentlich beeinträchtigt und der Verlust von verloren gehendem Rückhalteraum zeitgleich ausgeglichen wird,
  • den Wasserstand und den Abfluss bei Hochwasser nicht nachteilig verändert,
  • den bestehenden Hochwasserschutz nicht beeinträchtigt und
  • hochwasserangepasst ausgeführt wird.

Die Beachtung dieser Punkte ist notwendig, um sicherzustellen, dass die Hochwassersituation in Überschwemmungsgebieten durch zusätzliche Bebauung nicht nachteilig verändert wird. Sie dient sowohl dem Schutz Ihres eigenen Vorhabens, als auch dem Schutz Dritter.

Um die wasserrechtliche Genehmigungsfähigkeit Ihres Vorhabens beurteilen zu können, ist zusätzlich zu den Unterlagen, welche Sie im Rahmen des baurechtlichen Genehmigungsverfahrens eingereicht haben, die Einreichung eines speziellen Auskunftsbogens beim Umweltamt erforderlich (Download unten auf dieser Seite).

Bei komplexen Bauvorhaben oder bei Vorhaben in aus hochwassertechnischer Sicht besonders sensiblen Gebieten ist die Erstellung eines Gutachtens eines entsprechend kompetenten Sachverständigen (z. B. ein Privater Sachverständiger der Wasserwirtschaft ) zu empfehlen, in welchem plausibel und nachvollziehbar dargelegt wird, ob und wie die Thematik Hochwasserschutz bei der Planung des Vorhabens berücksichtigt wurde.

Ausgleich des Retentionsraumes

Für verloren gehenden Retentionsraum ist raumgleich ein Ausgleich zu schaffen. Aus den Planunterlagen zum wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren muss daher ersichtlich sein, wie der Retentionsraumausgleich erfolgen soll und auf welche Weise der Wasserstand und dessen Abfluss nicht nachteilig verändert werden (z. B. Lage des Vorhabens außerhalb des Hochwasserabflusses, geringe Wassertiefen, kleine Abmessung des Gebäudes). Hierzu ist der Retentionsraumverlust zu ermitteln.
In Einzelfällen sind hierfür Nachweise wie hydraulische Berechnungen erforderlich.

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