Nr. 823 / 22.07.2024
Die Historikerin Jennifer Oevermann von Geschichte Für Alle e. V. stellt ein historisches Modell der Nürnberger Altstadt vor und erläutert die Umstände seiner Herstellung während der NS-Zeit. Die etwa einstündige Führung „Das Große Stadtmodell und Willy Liebel – Ein Objekt im Kontext seiner Entstehung“ beginnt am Samstag, 27. Juli 2024, um 15 Uhr im Stadtmuseum im Fembo-Haus, Burgstraße 15.
Seit 1984 ist das „Große Stadtmodell“ Teil der Dauerausstellung des Stadtmuseums im Fembo-Haus und bietet mit seinen 2 580 Miniatur-Gebäuden den Besuchenden eine Einführung in die Stadtgeschichte Nürnbergs. Das im Zuge der Neugestaltung der Dauerausstellung aufwendig restaurierte Objekt ist als Ausstellungsstück überaus wertvoll und vielbestaunt. Doch haftet ihm eine schwierige Geschichte an. Angefertigt wurde es während der NS-Zeit im Auftrag von Oberbürgermeister Willy Liebel. Vier Holzschnitzer haben von 1935 bis 1939 daran gearbeitet. Dargestellt ist die Altstadt Nürnbergs nach der „Altstadtsanierung“ der Nationalsozialisten. Diese griffen teilweise schwer in das Stadtbild ein, um dieses nach dem vermeintlich mittelalterlichen Bild der Stadt wiederherzustellen. Das fertige Modell war in einer Sonderausstellung fränkischer Künstler und danach erst in den 1950er-Jahren wieder für die Öffentlichkeit zu sehen.
Die Führung rückt die Entstehungszeit des Modells in den Vordergrund und fragt nach den Gründen für die Herstellung des kostspieligen Stücks. Sie beleuchtet und kontextualisiert dabei auch die Geschichte Nürnbergs als eine der wichtigsten Städte des NS-Regimes.
Einen weiteren Rundgang gibt es am Samstag, 19. Oktober, um 15 Uhr. Die Teilnahme kostet 5 Euro Führungsgebühr zuzüglich zum Museumseintritt von 7,50 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Eine Anmeldung per E-Mail an stadtmuseum-fembohaus@stadt.nuernberg.de wird empfohlen. js