Die Stadt Nürnberg hat eine Kommunale Wärmeplanung (KWP) erstellt: Ziel ist es, die Wärmeversorgung langfristig klimafreundlich, effizient und bezahlbar zu gestalten. Fossile Brennstoffe sollen schrittweise ersetzt und erneuerbare Energien genutzt werden. Die Stadt arbeitet hier eng mit der N-Ergie Aktiengesellschaft zusammen. Bei der KWP handelt es sich um eine vom Bundesgesetzgeber geforderte Planung, die das Stadtgebiet in verschiedene Wärmeversorgungsgebiete einteilt und Potenziale für klimaneutrale Wärmequellen ermittelt. Der Stadtrat hat die vorgestellte KWP in seiner Sitzung am heutigen Mittwoch, 4. Juni 2025, beschlossen.
„Die Frage, wie geheizt wird und woher die Wärme kommt, bewegt die Menschen. Wir gehen den Weg zur Wärmeplanung Schritt für Schritt und transparent, sodass die Menschen dann in der Lage sein werden, sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Die Stadt Nürnberg und die N-Ergie arbeiten eng zusammen und informieren die Bürgerinnen und Bürger digital und analog, unter anderem mit einer Informationsveranstaltung“, betont Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König.
Dort, wo dichte Bebauung vorherrscht und viel Wärme verbraucht wird, wird das Fernwärmenetz erweitert und verdichtet werden. Am höchsten ist der Wärmeverbrauch im Stadtzentrum, in dem dichte und zum Teil alte, denkmalgeschützte Geschossbauten existieren. Die Fernwärme selbst wird schrittweise kohlenstoffdioxid-neutral werden. Dabei wird auf eine Vielzahl an Quellen erneuerbarer Energie gesetzt, zum Beispiel auf Abwärme, Geothermie und Biomasse. In Gebieten mit weniger dichter Bebauung eignen sich dezentrale Heizmöglichkeiten wie Wärmepumpen, Biomasseanlagen oder an manchen Orten auch neue Nahwärmenetze. Rund 25 Prozent der Heizwärme, die aktuell in Nürnberg gebraucht wird, liefert die Fernwärme. Bis 2040 könnte die Fernwärme einen Anteil von 50 Prozent haben.
„Der Kommunale Wärmeplan bildet den Anfang einer Reihe von Überlegungen und Maßnahmen, die die Stadt Nürnberg in Zukunft anstreben und umsetzen will. Mit dem Beschluss des Plans wird die Wärmewende in Nürnberg deutlich vorangetrieben. Fest steht: eine klimaneutrale Wärmeversorgung ist realistisch. Das bereits bestehende Fernwärmenetz und die fortgeschrittenen Planungen der N-Ergie zu dessen Dekarbonisierung beschleunigen den Prozess im Vergleich zu Städten ohne nennenswerten Netzausbau“, so Planungs- und Baureferent Daniel F. Ulrich.
Der konkrete Ausbau der Fernwärme ist unter anderem abhängig vom Wärmebedarf, der Nähe zum vorhandenen Netz und dessen verfügbaren Kapazitäten, der Nachfrage sowie der daraus resultierenden Wirtschaftlichkeit und schließlich den Finanzierungs- und Förderbedingungen. Die Wärmeplanung definiert nun für jeden Bau-Block in Nürnberg, wann in etwa und ob überhaupt Fernwärme eine Rolle spielen wird. Es ist aber nicht auszuschließen, dass ein Anschluss aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen nicht realisierbar ist.
Ein Anschluss- und Benutzungszwang sieht der KWP nicht vor, da einerseits die Nachfrage nach Fernwärme sehr hoch ist, andererseits langfristig nur noch klimaneutral geheizt wird und sich ein Zwang nicht auf Gebäude mit emissionsfreien Heizeinrichtungen beziehen könnte. „Nürnberg will Wahlfreiheit für die Bürgerinnen und Bürger, das umfasst auch die Wahl der Heizung im Rahmen der langfristigen Dekarboniserungsstrategie“, so Oberbürgermeister Marcus König. „Wo immer möglich ist Fernwärme ein optimaler Weg, aber darüber können die Menschen selbst entscheiden.“
Der Beschluss zur Kommunalen Wärmeplanung hat für Bürgerinnen und Bürger derzeit keine direkte rechtliche Verpflichtung im Rahmen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG). Die Regelungen des GEG in Verbindung mit dem KWP gelten in Nürnberg ab dem 1. Juli 2026. Das Bundesgesetz legt energetische Anforderungen für Neubauten und bestehende Gebäude fest und verpflichtet dazu, erneuerbare Energien in der Wärmeversorgung zu nutzen.
In den dezentralen Gebieten werden sich die Gebäudeeigentümer bis etwa 2040 selbst um eine Wärmeversorgung weitgehend aus erneuerbaren Energien kümmern. „Dabei ist oft die Wärmepumpe die erste Wahl. Hinzu kommen natürlich Biomasse- und Biogasheizungen, die je nach Brennstoffverfügbarkeit eine gute Option sein können. Auch hier ist das Ziel relevant, die Reduktion der Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen bei gleichzeitiger Minimierung der CO2-Emissionen. Die Wärmeplanung ist ein wichtiger Baustein des neuen Klimaschutzkonzepts der Stadt Nürnberg“, so Umweltreferentin Britta Walthelm.
„Ein Wasserstoffnetz für Endkunden wurde im Wärmeplan als nicht wirtschaftlich und daher nicht sinnvoll erachtet. Wir werden jedes Kilogramm verfügbaren Wasserstoffs für unsere industriellen Kerne brauchen, dort gilt es entsprechende Anstrengungen zu bündeln“, so Wirtschafts- und Wissenschaftsreferentin Dr. Andrea Heilmeier.
Die KWP hat auch ergeben, wo im Stadtgebiet Wärmepumpen nicht sinnvoll sind, zum Beispiel aus Platzmangel, Emissionsgründen oder wegen unzureichenden Gebäudeeigenschaften. Dort und auch in den Potenzialgebieten für Wärmenetze werden in den nächsten Jahren nähere Untersuchungen zur Wärmeversorgung stattfinden.
Zum einen verdichtet die N-Ergie das Fernwärmenetz entlang der bestehenden Trassen, zum anderen wurden bislang vier Ausbaugebiete definiert und sind zum Teil bereits in der Umsetzung: Friedrich-Ebert-Platz Ost/Meuschelstraße Süd, Nordostpark, Züricher Straße und Zuleitung Wetzendorf. Jedes Jahr werden weitere Ausbau-Gebiete folgen. Eine im Rahmen der Kommunalen Wärmeplanung erstellte Übersichtskarte „Wärmeversorgungsgebiete“ zeigt auf, wo nach heutigem Stand Fernwärme und in welcher Priorisierung ausgebaut werden wird. Diese Übersichtskarte ist in kontinuierlicher Bearbeitung, seine Umsetzung hängt nicht nur an der Nachfrage, sondern auch an der Förderkulisse, lokalen Ressourcen und stadtstrukturellen Notwendigkeiten im Straßenbau.
Am Montag, 23. Juni 2025, um 16 Uhr lädt die Stadt Nürnberg interessierte Bürgerinnen und Bürger zu einer Informationsveranstaltung zur Kommunalen Wärmeplanung ein. Über Details zur Anmeldung und zum Ablauf wird in einer gesonderten Pressemitteilung informiert. maj
Weitere Informationen zur KWP sowie zur Übersichtskarte „Wärmeversorgungsgebiete“ online unter waermeplanung.nuernberg.de
Weitere Informationen zur Fernwärme-Versorgung der N-Ergie online unter
fernwaerme.n-ergie.de