Nr. 833 / 23.07.2025
Die Stadt Nürnberg investiert in eines ihrer wichtigsten sozialpädagogischen Infrastrukturprojekte: Am etablierten Standort des städtischen Kinder- und Jugendhilfezentrums in der Reutersbrunnenstraße 34 entsteht bis 2032 ein modernes Gesamtensemble für den Kinder- und Jugendnotdienst (KJND), das Kinder- und Jugendhilfezentrum (KJHZ) sowie die Koordinierende Kinderschutzstelle (KoKi). Ergänzt werden diese durch betreute Wohnformen der Noris Inklusion gGmbH. Neben zwei Neubauten ist eine umfassende Sanierung des denkmalgeschützten Bestandsgebäudes vorgesehen.
„Ich bin froh und sehr erleichtert, dass nach langer Planung ein wichtiger Meilenstein für die Jugendhilfeinfrastruktur in Nürnberg erreicht ist. Mit dieser Baumaßnahme schaffen wir sichere, moderne und würdige Räume für Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenslagen und investieren in die dringend nötige Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden“, betont Elisabeth Ries, Referentin für Jugend, Familie und Soziales. „Es ist ein zentrales Projekt unserer Jugendhilfeplanung und ein klares Bekenntnis zur sozialen Verantwortung unserer Stadt.“
Das Gelände in der Reutersbrunnenstraße wird seit 1957 als Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung genutzt – bekannt auch unter dem Namen „Reutersbrunnenheim“. Doch die baulichen Strukturen sind längst überholt. Besonders der KJND, der Kinder und Jugendliche in akuten Krisen aufnimmt, steht unter hohem Druck: Beengte Räume, mangelhafte Trennung von Altersgruppen und schwierige Arbeitsbedingungen lösen dringenden baulichen Handlungsbedarf aus, auch aus Sicht der Heimaufsicht bei der Regierung von Mittelfranken.
Mit einer baulichen Neugestaltung sollen die stationären Wohn- und Inobhutnahmegruppen eine Raumstruktur bekommen, die modernen pädagogischen Anforderungen gerecht wird. In einer Machbarkeitsstudie wurde unter Berücksichtigung pädagogischer, ökologischer und wirtschaftlicher Aspekte eine umfassende Neugestaltung des Areals geplant. Ergebnis ist ein stimmiges Gesamtkonzept: Zwei versetzt stehende Neubauten mit jeweils eigenem Gartenbereich bieten künftig differenzierte Wohnformen – räumlich getrennt und auf die spezifischen Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen und Fachpersonal abgestimmt.
Im Westen entsteht das neue Gebäude des KJND mit vier eigenständigen Wohneinheiten, in denen Kinder und Jugendliche je nach Alter getrennt untergebracht werden, sowie eine Tiefgarage. Im Osten wird das neue KJHZ mit ebenfalls versetzt stehenden Baukörpern realisiert. Die Raumstruktur bietet Schutz und Rückzugsmöglichkeiten.
Zudem wird das historische Bestandsgebäude – der Kopfbau von 1900 und der Mitteltrakt aus den 1950er-Jahren – generalsaniert und gewinnbringend umgenutzt: Verwaltung, Beratung und gemeinschaftliche Einrichtungen wie Festsaal, Sporthalle und Seminarraum finden dort Platz. Der unzureichende Ostflügel wird rückgebaut. Die Räume der Verwaltung beziehungsweise Fachdienste werden während der Sanierung temporär auf eine freie Fläche des Sportplatzes in einen Container ausgelagert.
Planungs- und Baureferent Daniel Ulrich betont: „Ein zentrales Anliegen der Stadt Nürnberg ist es, die Maßnahme ressourcenschonend und zukunftsfähig zu gestalten. Das Projekt gilt als Pilotvorhaben im Rahmen des städtischen Programms ‚Einfaches Bauen‘ und setzt Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit, CO₂-Bilanz, Wiederverwertung und Energieeffizienz. Auf den Dächern entstehen großflächige Photovoltaikanlagen, es wird auf Low-Tech-Ansätze gesetzt und die naturnahe Begrünung des Areals bleibt erhalten.“
Die Gesamtkosten der Maßnahme belaufen sich auf rund 50 Millionen Euro. Die Stadt rechnet mit Fördermitteln von über drei Millionen Euro unter anderem aus dem KFN-Förderprogramm „Klimafreundlicher Neubau“ und der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).
Die Umsetzung des Projekts ist in zwei Bauabschnitten geplant. Von 2026 bis 2029 sollen die Neubauten für KJND und KJHZ entstehen – bei laufendem Betrieb. Für den Zeitraum von 2029 bis 2032 ist die Generalsanierung des Bestandsgebäudes und der Abschluss der Gesamtmaßnahme angesetzt.
„Kinder- und Jugendhilfe ist ein zentrales Element unserer Daseinsvorsorge. Mit dem Neubau in der Reutersbrunnenstraße schaffen wir Räume, in denen junge Menschen Geborgenheit, Struktur und neue Perspektiven finden können“, erklärt Jugendamtsleitung Dr. Kerstin Schröder.
„Ich danke dem Stadtrat und allen an der Planung beteiligten Kolleginnen und Kollegen, insbesondere dem Jugendamt, dem Planungs- und Baureferat sowie der Finanzverwaltung, für dieses starke Zeichen für eine moderne, inklusive und nachhaltige Sozialinfrastruktur“, sagt Jugendreferentin Ries. „Der breite politische Konsens zeigt: Die Maßnahme ist nicht nur fachlich dringend geboten, sondern genießt auch große gesellschaftliche Unterstützung." boe
Weitere Informationen im Internet unter: www.jugendamt.nuernberg.de