Nr. 1297 / 24.11.2025
Der Servicebetrieb Öffentlicher Raum Nürnberg (Sör) stellt in der Sitzung des Sör-Werkausschusses am Mittwoch, 26. November 2025, den turnusmäßigen Brückenbericht für das Jahr 2025 vor. Der Bericht zeigt, dass die im vergangenen Jahr 2024 durchgeführten Maßnahmen den Erhaltungszustand von 286 Brücken und weiteren Ingenieurbauwerken stabilisieren und teilweise verbessern konnten. Gleichzeitig macht er deutlich, welche neuen Anforderungen sich durch aktuelle Erkenntnisse zur Spannungsrisskorrosion ergeben.
„Das Jahr 2024 war für den Brückenbau von tiefgreifenden Veränderungen und unerwarteten Ereignissen geprägt“, erklärt Bürgermeister und Erster Sör-Werkleiter Christian Vogel. „In Nürnberg mussten wir zwei schwere Unfallschäden an den Brücken in der Hügelstraße und der Schweinauer Hauptstraße über die Südwesttangente instand setzen. Der Einsturz der Carolabrücke in Dresden beschäftigt die gesamte Branche noch immer. Aktuell zeigt auch die Sperrung der Zirndorfer Brücke in Fürth wegen akuter Einsturzgefahr, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit der Sicherheit unserer Bauwerke ist.“
Ein Schwerpunkt des vergangenen Jahres lag auf der Überprüfung der Spannstähle der Frankenschnellwegbrücke über den Main-Donau-Kanal und die Südwesttangente. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) stellte bei diesen Untersuchungen im Zuge des Projekts „Erneuerung der Hafenbrücken“ erstmals tatsächliche Schädigungen fest. „Diese Ergebnisse machen deutlich, dass wir Brücken mit solchen Spannstählen schrittweise durch Neubauten ersetzen müssen“, so Bürgermeister Vogel. Für die betroffenen Bauwerke, darunter vor allem die drei Hafenbrücken, wird nun ein spezielles Schallemissions-Monitoring bis zum Rückbau eingerichtet, um Veränderungen frühzeitig festzustellen.
Trotz der Herausforderungen konnten 2024 auch zahlreiche Maßnahmen erfolgreich abgeschlossen werden, etwa der Ersatzneubau des Neuwerkstegs über die Rednitz, verschiedene Unterhaltsarbeiten an historischen Brücken wie dem Kettensteg und dem Henkersteg sowie die Sanierung von Stützwänden und Treppenanlagen. Dennoch bleibt der Sanierungsbedarf hoch: Rund ein Viertel der gesamten Nürnberger Brückenfläche weist weiterhin deutliche Schäden auf, und die Zahl der Brücken mit kritischem Zustand ist erneut gestiegen.
Mit Blick nach vorn konzentriert sich Sör vor allem auf große und besonders wichtige Projekte, wie die Erneuerung der Hafenbrücken, die fast 15 Prozent aller Nürnberger Brückenflächen ausmachen. Zudem steht eine Reihe von Maßnahmen zur Verbesserung der Rad- und Fußverkehrsinfrastruktur an, darunter der Ersatzneubau der Rennmühlbrücke über die Rednitz, die Sanierung der Brücke an der Wettersteinstraße sowie der Ersatzneubau der Bahnbrücke am Thumenberger Weg. Auch für zukünftige Projekte laufen bereits Planungen: So soll beispielsweise die Rad- und Fußwegbrücke über den Nordring nach heutigem Stand im Jahr 2029 umgesetzt werden.
Künftig soll die Bewertung der Brücken noch aussagekräftiger werden. Neben der bisherigen Bauwerkszustandsnote wird ein neuer technischer Indikator eingeführt: der sogenannte Traglastindex. Er beschreibt, wie tragfähig eine Brücke heute noch ist; also in welchem Verhältnis die tatsächliche Belastbarkeit zur ursprünglich geplanten Belastung steht. Damit können Prioritäten künftig noch gezielter und transparenter gesetzt werden.
Bürgermeister Vogel betont: „Unsere Brücken sind zentrale Bestandteile der städtischen Infrastruktur. Der neue Traglastindex wird uns dabei helfen, Entscheidungen noch fundierter zu treffen. Klar ist aber auch: Die vor uns liegenden Aufgaben sind groß und werden uns weit über das kommende Jahrzehnt hinaus beschäftigen." tom