Nr. 1416 / 19.12.2025
Der Umweltausschuss des Nürnberger Stadtrats hat sich am Mittwoch, 17. Dezember 2025, mit dem aktuellen Stadtklimagutachten befasst. Es bildet eine zentrale fachliche Grundlage für die Arbeit der Umweltverwaltung und dient als Abwägungsmaterial für städtebauliche Planungen und Konzepte. Herzstück des Gutachtens sind detaillierte geografische Karten, die unter anderem die Entwicklung von Überwärmung sowie den Luftaustausch im Stadtgebiet veranschaulichen. Darüber hinaus enthält es Empfehlungen für Maßnahmen zu einem klimaangepassten Stadtumbau. Erstmals liegen damit auch detaillierte Szenarien zur zukünftigen Entwicklung des Stadtklimas in Nürnberg vor.
Britta Walthelm, Referentin für Umwelt und Gesundheit der Stadt Nürnberg, stellt fest: „Schreitet der Klimawandel ungebremst voran, erwarten Prognosen für Nürnberg zwischen 2031 und 2060 ein Temperaturniveau wie heute in Lyon, einer der heißesten Städte Frankreichs. Ab 2071 könnten die klimatischen Bedingungen sogar denen der italienischen Stadt Rimini entsprechen. Für uns in Nürnberg bedeutet das: Parks und Grünflächen sichern und ausbauen, mehr Wasserelemente in den Stadtraum integrieren, Schatten durch Bäume, Sonnensegel oder Pergolen schaffen und Kaltluftleitbahnen konsequent von Bebauung freihalten.“
Mit dem Stadtklimagutachten wurde – wie bereits für die erste Version von 2014 – das Büro GEO-NET Umweltconsulting beauftragt. Dirk Funk, Betreuer des Gutachtens bei GEO-NET, erläutert: „Eine nachhaltige und zukunftsorientierte Stadtentwicklung benötigt fachlich belastbare Rauminformationen und Entscheidungsgrundlagen. Deren Güte hängt eng mit dem Detaillierungsgrad der zugrunde liegenden Daten zusammen. Mit der vorliegenden räumlich hoch aufgelösten Untersuchung liegen nicht nur umfassende Daten zur bioklimatischen Situation am Tage und in der Nacht vor. Durch die Einbeziehung des Klimawandels in die Bewertungen steht ein fundiertes Abwägungsmaterial aus klimatischer Sicht bereit, um die Klimafunktionen und die Empfindlichkeiten im Nürnberger Stadtgebiet für die weitere Stadtentwicklung einschätzen zu können.“
GEO-NET verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Klimaökologie und hat für Nürnberg zudem zahlreiche Fachgutachten im Rahmen von Bebauungsplanverfahren erstellt (das sind unter anderem die Gebiete Tiefes Feld, Wetzendorf, Brunecker Straße). Stadtklimaanalysen wurden von GEO-NET auch für weitere deutsche Städte wie Hannover, Kaiserslautern, Mannheim und Gütersloh erarbeitet.
Das Stadtklimagutachten ist ein zentraler Baustein der Nürnberger Klimaanpassungsstrategie. Es bildet eine wesentliche Grundlage für das Klimaanpassungskonzept sowie für die Umsetzung von Maßnahmen im Rahmen des Hitzeaktionsplans. Darüber hinaus ist das Gutachten von großer Bedeutung für die Einwerbung von Fördermitteln zur Klimaanpassung.
Auf Grundlage der Stadtraumsituation von 2022 berücksichtigen die im Gutachten modellierten Zukunftsszenarien unter anderem Bauflächenpotenziale aus dem wirksamen „Flächennutzungsplan mit integriertem Landschaftsplan“, rechtskräftige oder noch in Bearbeitung befindliche Bebauungspläne sowie potenzielle Wohn- und Gewerbeflächen mit einer Größe von mehr als einem Hektar (Stand 2023). Aus gutachterlicher Sicht hat dabei die Sicherung von Flächen, die heute und auch künftig zur Kalt- und Frischluftversorgung beitragen, oberste Priorität. let