Markenzeichen der Stadt Nürnberg

Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 31 / 14.01.2026

Ansprache des Oberbürgermeisters Marcus König beim Neujahrsempfang der Stadt Nürnberg in der NürnbergMesse am Mittwoch, 14. Januar 2026 

– SPERRFRIST 14. Januar 2026, 16 Uhr –

– Es gilt das gesprochene Wort –



Nürnberg funktioniert. Zuversicht durch Zusammenhalt.

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Nürnbergerinnen und Nürnberger,
verehrte Gäste,

ich begrüße Sie sehr herzlich zum Neujahrsempfang der Stadt Nürnberg.

Großer Dank gebührt unserer Bürgermeisterin Julia Lehner, die auch dieses Mal die Herkulesaufgabe der Begrüßung mit Bravour gemeistert hat.

Liebe Julia Lehner, lieber Christian Vogel, für euch beide ist das der letzte städtische Neujahrsempfang in der Funktion als Bürgermeister. Ich weiß, dass ihr euere Ämter mit voller Kraft bis zum 30. April dieses Jahres ausüben werdet. Dennoch in diesem Rahmen schon einmal persönlich wie im Namen der Stadt Nürnberg ein herzliches Dankeschön für eueren Dienst an unserer Stadt und an den Bürgerinnen und Bürgern, den wir noch gesondert würdigen werden. Vielen Dank, liebe Julia, lieber Christian!

Ich möchte heute darüber sprechen, was Nürnberg zusammenhält und dass Nürnberg funktioniert.

Ein Ereignis hat dabei vielen von uns eindrücklich vor Augen geführt, was Zusammenhalt in dieser Stadt bedeutet: die Entschärfung der Weltkriegsbombe im Nürnberger Norden in der Nacht von 14. auf den 15. November 2025.

Innerhalb kürzester Zeit haben Verwaltung, Einsatzkräfte, Hilfsorganisationen und Ehrenamtliche Hand in Hand gearbeitet. Tausende Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen, es war die größte Evakuierung seit dem Zweiten Weltkrieg – und trotzdem verlief alles ruhig, geordnet und professionell. Hauptamt und Ehrenamt haben hier in hervorragender Weise zusammengewirkt. Das war kein Zufall. Das war das Ergebnis von guter Vorbereitung, klaren Strukturen und gegenseitigem Vertrauen.

Nürnberg funktioniert. Gerade dann, wenn es darauf ankommt. Vorgestern haben wir den vielen Helferinnen und Helfern für ihren Einsatz gedankt, und dieses Danke will ich hier noch einmal wiederholen: Unsere Stadt hält zusammen – Danke dafür!

Ich bin auch nach wie vor davon überzeugt, dass ein „Jahr für Deutschland“ den Zusammenhalt in unserem Land stärken würde. Ein Pflichtjahr – ob nun im Zivilschutz, bei der Bundeswehr, im Naturschutz oder im sozialen Bereich – kann ein Instrument sein, die Funktionsfähigkeit wichtiger Bereiche zu verbessern und gleichzeitig das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Wer sich engagiert, spürt, dass er selbst etwas bewirken und verändern kann. Und er erfährt, dass man in der Gemeinschaft mehr erreicht. Ein Jahr im Dienst für unser Land, für unsere Demokratie, für unseren Zusammenhalt. Es lohnt sich, darüber nachzudenken – gerade in diesen Zeiten.

95 Prozent der Menschen leben gern in Nürnberg. 95 Prozent! Was für eine Liebeserklärung an unsere Stadt Nürnberg. Das ist ein Ergebnis der repräsentativen Befragung „Nürnberg erleben 2024“, an der sich fast 4 000 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger beteiligt haben. Wir haben unter anderem danach gefragt, was ihnen besonders an Nürnberg gefällt. Die meistgenannten Aspekte waren: Unsere Sehenswürdigkeiten, die Grünflächen und Parks, die Mobilität sowie die Lebensqualität.

Grund sich auszuruhen? Sich zurückzulehnen? Sicher nicht! Denn klar ist auch: Die aktuellen Herausforderungen treffen uns doch wie alle anderen Städte auch: Die Rezession, die unser Land erlebt, geht an Nürnberg nicht spurlos vorüber. Aber: Wie wir damit umgehen, wie wir unsere Stadt gestalten, das haben wir selbst in der Hand.

Nürnberg funktioniert – weil die Wirtschaft funktioniert. 2020 hatten wir zu Beginn meiner Amtszeit 421 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen. 2024 waren es 676 Millionen Euro. Unsere Unternehmen stehen gut da. Die Wirtschaft ist breit aufgestellt, von Start-ups über den Mittelstand bis zu großen Unternehmen. Und wir müssen alles tun, damit es unserer Wirtschaft weiter gut geht. Gesunde Unternehmen schaffen Arbeits- und Ausbildungsplätze und sorgen für Wohlstand. In Nürnberg gibt es 400 000 Arbeitsplätze – so viele wie noch nie in unserer Geschichte. Die Gewerbesteuern brauchen wir, um unsere Stadt zu gestalten. Diese Steuern werden von Unternehmen und Mitarbeitenden gemeinsam erwirtschaftet. Ganz wichtige Partner sind natürlich die Gewerkschaften. Daher sage ich: Danke an die Unternehmen, danke an alle, die Steuern zahlen. Danke an alle, die Nürnbergs starke Wirtschaft stützen!

Was aber genauso wichtig ist, damit wir uns gut entwickeln, sind die Bereiche Bildung, Forschung, Innovation!

1526, vor 500 Jahren, weihte Philipp Melanchthon mit einer „Lobrede auf die neue Schule“ in Nürnberg das erste deutsche Gymnasium ein. Er sagte damals: „Wenn auf eure Veranlassung hin eure Jugend gut gebildet ist, wird sie eurer Vaterstadt als Schutz dienen; denn für die Städte sind keine Bollwerke oder Mauern zuverlässigere Schutzwalle als Bürger, die sich durch Bildung, Klugheit und andere gute Eigenschaften auszeichnen.“ Verkürzt: Bildung ist wichtiger als Mauern.

Und diese Erkenntnis gilt heute immer noch: Bildung ist die Grundlage für eine erfolgreiche, resiliente und solidarische Gesellschaft. Hier leisten wir viel, hier setzt der Stadtrat ein großes Ausrufezeichen. Allein für Schulbauten investieren wir bis 2030 eine Milliarde Euro. An Bildung und an Betreuung wird nicht gespart, denn der Rohstoff Geist ist der einzige Rohstoff, den wir haben. Das ist der Nürnberger Weg!

Der Freistaat Bayern ist auch hierbei unser verlässlicher Partner. Das wichtigste Beispiel dafür sind die Investitionen des Freistaats in Wissenschaft und Forschung. Die neue technische Universität, die UTN, wird die Entwicklung Nürnbergs in Zukunft massiv prägen. Dies gilt selbstverständlich auch für die weiteren Hochschulen und Universitäten in unserer Stadt. KI und Robotik sind Mega-Themen der Zukunft. Wir werden weitere internationale Studenten gewinnen und wir werden Innovationen entwickeln, die direkt vor Ort in unserer vielfältig aufgestellten Wirtschaft Anwendung finden werden. Das ist die Zukunft Nürnbergs – und auf diese Zukunft freue ich mich!

Diese Zukunft braucht aber auch eines: Mut. Mut, etwas auszuprobieren. Mut, etwas zu wagen. Mut, manch ausgetretenen Pfad zu verlassen. Und diesen Mut, den wünsche ich uns allen, auch für 2026. Ich will auch gerne weiter zusammen mit Ihnen in den kommenden Jahren mutige Entscheidungen fällen. Mut statt Miesmacherei, schlau machen statt schlechtreden, das ist die Devise!

Eine dieser mutigen Entscheidungen ist der Kauf der Cnopf’schen Kinderklinik und der Klinik Hallerwiese. Andernorts werden Krankenhäuser geschlossen – wir nehmen unsere Verantwortung wahr und sichern eine essenzielle medizinische Versorgung, insbesondere für Mütter, Kinder und Neugeborene. Natürlich ist der Kauf einer solchen Klinik keine Kleinkigkeit, weder für das Klinikum noch für die Stadt Nürnberg. Aber: Was wäre die Alternative? Wir müssten beim Klinikum Kapazitäten für rund 3 500 Geburten pro Jahr schaffen. Ich bin überzeugt: Der Übergang der Cnopf’schen Kinderklinik an das Klinikum ist eine richtige, kluge und nachhaltige Entscheidung. Wir stärken die Gesundheitsversorgung in unserer Stadt – Nürnberg funktioniert.

Die Kommunalwahl im März wirft nun täglich mehr ihre Schatten voraus. Wir sehen es im Stadtbild an den Plakaten, wir spüren es aber auch an manch aufgeregter Debatte vor allem in den sozialen Medien. Bei aller Zuspitzung, Kritik und Konkurrenz ist mir aber heute sehr wichtig zu betonen: Wir Demokratinnen und Demokraten müssen fair und ernsthaft miteinander umgehen. Populismus, Verächtlichmachung und Fake News haben keinen Platz in diesem Wahlkampf – jedenfalls nicht für mich.

Die Herausforderungen, die vor uns liegen, sind groß. Ich plädiere daher auch für die Fortführung des Nürnberger Modells. Die großen demokratischen Fraktionen müssen nach meiner Auffassung an der Führung der Stadt konstruktiv beteiligt werden. Ich stehe weiterhin für Stabilität, Kontinuität und die Einbindung aller demokratischen Kräfte!

Ich appelliere an Sie alle: Machen Sie am 8. März bitte von Ihrem Wahlrecht Gebrauch. Niemand soll denken, seine Stimme habe kein Gewicht. Und werben Sie in Ihrem Umfeld, gerade damit Wählen eine Selbstverständlichkeit in unserer demokratischen Gesellschaft bleibt!

Wir leben in einer Zeit großer Geschwindigkeit. Nachrichten verbreiten sich in Sekunden. Meinungen werden sofort bewertet, geteilt und zugespitzt. Oft entsteht dabei eine große Aufregung – manchmal berechtigt, oft aber auch künstlich verstärkt.

Nicht jedes Problem ist gleich ein Skandal.
Nicht jede Schwierigkeit ist gleich ein Versagen.
Und nicht jede Entscheidung lässt sich in Schlagzeilen oder in TikTok-Zeit erklären.

Gerade auf kommunaler Ebene braucht es etwas anderes: nüchterne Betrachtung, Sachlichkeit und Verantwortungsbewusstsein.

Eine Stadt wie Nürnberg funktioniert nicht durch Aufregung, sondern durch Verlässlichkeit. Durch Menschen, die morgens zur Arbeit gehen, Entscheidungen vorbereiten, Einsätze planen, Anlagen warten, Verantwortung übernehmen – oft ohne große Aufmerksamkeit.

Natürlich müssen Missstände benannt werden dürfen. Natürlich braucht es Kritik. Aber wir sollten aufpassen, dass dauerhafte Erregung nicht den Blick für das Wesentliche verstellt und den Schatz unserer Demokratie beschädigt.

Denn die Wahrheit ist: Unsere Stadt Nürnberg funktioniert gut – jeden Tag, rund um die Uhr. Nicht immer perfekt. Aber zuverlässig. Und genau darauf kommt es an.

2026 wird ein Jahr, in dem wir wichtige Projekte weiter anpacken und voranbringen wollen:

All das erfordert Entscheidungen, Prioritäten und manchmal auch Geduld. Aber genau dafür ist Kommunalpolitik da. Und es braucht verlässliche Partner. Deshalb gilt mein Dank der Staatsregierung, dem Bund und allen weiteren Fördergebern für die gute Zusammenarbeit. Alle sollen wissen: Jeder Cent, jeder Euro für die Kommunen ist Mörtel für das Fundament unserer Demokratie!

Nürnberg steht vor großen Aufgaben. Und wir haben die Instrumente, diese Aufgaben zu bewältigen.

Wir haben Kompetenz. Wir haben Erfahrung. Und wir haben Menschen, die Verantwortung übernehmen.

Wir alle sind Nürnberg. Und gemeinsam gestalten wir die Zukunft unserer Stadt – besonnen, mutig und verlässlich.

Ihnen und Ihren Lieben alles Gute, Gesundheit, Glück und Segen für 2026! Ich freue mich auf viele Begegnungen!