Nr. 76 / 23.01.2026
Die Stadt Nürnberg entwickelt die Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände zu einem Ort der Kunst und Kultur. Dort entstehen Ermöglichungsräume für Kunst und Kultur sowie eine Spielstätte des Staatstheaters Nürnberg. Der Theaterbau im Innenhof der Kongresshalle nimmt 13 Monate nach dem offiziellen Start der Bauarbeiten immer konkretere Formen an.
Dieser sogenannte Ergänzungsbau beinhaltet die Hauptbühne, den Orchestergraben, den Orchesterprobenraum und den Zuschauersaal für 800 Personen. Der Neubau ist als unselbstständiges Gebäude konzipiert: Der Großteil der Funktionsbereiche des Staatstheaters – beispielsweise Werkstätten und Verwaltung – ist im Kongresshallen-Rundbau verortet, ebenso die Foyers, Gastronomie-Angebote, Garderoben und weitere Räume. Insgesamt sechs Übergangsbauwerke verbinden auf drei Ebenen den historischen Bestand mit dem Neubau.
Im Rahmen der Baufeier am heutigen Freitag, 23. Januar 2026, mit rund 250 Gästen wurde diese Verbindung zwischen dem denkmalgeschützten Hauptgebäude und dem sogenannten Ergänzungsbau im Innenhof der Kongresshalle symbolisch vollzogen. Oberbürgermeister Marcus König, Staatsminister Albert Füracker, Bürgermeisterin Prof. Dr. Julia Lehner und Planungs- und Baureferent Daniel F. Ulrich haben einen der Übergänge geöffnet, durch die künftig das Publikum von den Foyers im Kongresshallen-Rundbau in den Theaterbau gelangen wird.
Albert Füracker, Staatsminister der Finanzen und für Heimat: „Vor gut einem Jahr wurde hier mit dem Bau begonnen – und es ist beeindruckend, was seitdem alles geschehen ist! Die Baujahresfeier steht für Fortschritt und Wandel: Aus einer dunklen Vergangenheit entsteht eine vielversprechende Zukunft! Mit dem Ergänzungsbau geben wir dem geschichtsträchtigen Gelände neues Leben und bewahren gleichzeitig die Erinnerungen. Dieser Ort ist einzigartig und heute ein kraftvolles Zeichen dafür, dass Freiheit, Freude und Vielfalt lebendig sind. Mein herzlicher Dank gilt der Stadt Nürnberg für die hervorragende Zusammenarbeit. Allen Beteiligten wünsche ich weiterhin viel Erfolg und alles Gute!“
„Nürnberg ist Kulturstadt – und wir werden gerade hier zeigen, wie sinnstiftend Kultur wirken kann. An einem Ort, der für Unkultur stand, geben wir künftig Kunst, Theater und Offenheit Raum – ohne den Kontext der Vergangenheit auszublenden. Die Kongresshalle wird so zu einem Ort der kulturellen Auseinandersetzung mit nationaler und internationaler Strahlkraft – und zu einem starken Zeichen für eine lebendige, demokratische Stadtgesellschaft“, betont Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König.
Kulturbürgermeisterin Prof. Dr. Julia Lehner: „Die Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände entwickelt sich mit dem heutigen symbolischen Schritt der Verbindung zwischen Bestands- und Neubau weiter zu einem offenen Ort für Kunst, Kultur und demokratische Auseinandersetzung. Hier entsteht ein Kulturort von nationaler Bedeutung, der die Vergangenheit reflektiert und zugleich Raum für zeitgenössische künstlerische Praxis schafft.“
„Hier und heute wird erstmals sichtbar, was bislang nur auf Plänen existierte: der Übergang vom Torso der Kongresshalle in die neue Spielstätte des Staatstheaters. In absehbarer Zeit wird das Publikum diesen Weg barrierefrei und auf kurzem Weg nutzen können, um direkt in den Zuschauerraum – das Herzstück des Staatstheaters – zu gelangen. Der zügige Baufortschritt bestätigt, dass die Entscheidung für die Vergabe an einen Totalübernehmer richtig war. Er zeigt zugleich, dass verantwortungsvolle Planung und klare politische Entscheidungen zu verlässlichen Ergebnissen führen. Der heute erlebbare Baufortschritt stimmt mich sehr zuversichtlich“, so Planungs- und Baureferent Daniel F. Ulrich.
Neuer Theaterbau nimmt Gestalt an
Der Ergänzungsbau lässt inzwischen eindeutig die künftige Form und Funktion des Gebäudes erkennen. Mit einer Grundfläche von 4 700 Quadratmetern nimmt der Neubau etwa ein Fünftel der Hoffläche ein. Der Rohbau ist aktuell bis zum Dach über dem Hauptgeschoss auf 17 Meter Höhe fertiggestellt. Es fehlt nur noch der 34 Meter hohe Bühnenturm.
Im unteren der bisher errichteten zwei Geschosse wurden bereits die Flächen für Anlieferung, Magazine, Unterbühne, Künstlergarderoben, den Orchesterprobensaal der Staatsphilharmonie, den Orchestergraben sowie diverse Betriebs- und Technikflächen realisiert. Das darüberliegende Hauptgeschoss beherbergt künftig die Hauptbühne mit Hinter- und Seitenbühne, die große Probebühne sowie den Zuschauerraum mit Regiekabinen, die am oberen Ende des zweigeteilten Parketts verortet sind.
Ebenfalls klar erkennbar sind inzwischen die Übergangsbauwerke, die den Neubau auf drei Ebenen mit dem historischen Bestand verbinden. Der Ergänzungsbau selbst ist als unselbstständiges Gebäude konzipiert: Etwa ein Fünftel der Funktionen des Staatstheaters werden hier untergebracht, während der überwiegende Teil weiterhin im denkmalgeschützten Hauptgebäude verortet bleibt.
Künftig wird das Publikum das Theater, ebenso wie die angrenzenden Ermöglichungsräume für Kunst und Kultur, über den Arkadengang des Torsos betreten. Die wesentlichen Publikumsbereiche wie Eingangshalle, Abendkasse, Foyerflächen, Gastronomie, Garderoben und WCs befinden sich ebenfalls im Bestandsgebäude.
Seit Baubeginn wurden 10 500 Kubikmeter Beton, 1 762 Tonnen Bewehrungsstahl, 245 Tonnen Stahlträger und 2 200 Quadratmeter Gitterträgerdecken über den Bühnen, der Montagehalle und dem Orchesterprobensaal verbaut.
In den nächsten Wochen werden die Außenwände des Bühnenturms, die Parkettebene des Zuschauerraums, der Rang und die Dachdecke über dem Zuschauerraum hergestellt. Alle Dächer sollen bis Anfang April 2026 regendicht sein. Die Fertigstellung des Ergänzungsbaus soll zum Jahresende 2027 erfolgen.
Ein Ort für Kunst, Kultur und Bildung
Die Stadt Nürnberg verfolgt seit der Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2025 das Ziel, Teile der bislang in weiten Zügen nicht oder nur profan genutzten Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände als Raum für die Künste zu öffnen. Im Jahr 2028 sollen auf über 7 000 Quadratmetern unter anderem Ateliers, Studiobühnen, Ausstellungsflächen und Proberäume für Kunst und Kultur aller Sparten und der Freien Szenen entstehen, die sogenannte Ermöglichungsräume. Zeitgleich wird das Staatstheater Nürnberg eine Spielstätte in der Kongresshalle eröffnen. Derzeit wird hierfür im Innenhof der Kongresshalle ein Theaterbau mit Bühne, Zuschauersaal, Orchestergraben und Orchesterprobenraum realisiert.
Damit erfährt die Kongresshalle eine bedeutsame Erweiterung der künstlerischen und kulturellen Potenziale vor Ort wie das Orchester der Nürnberger Symphoniker, die Open-Air-Spielstätte Serenadenhof und das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, das aufgrund der stetig wachsenden Besucherschaft zuletzt neu konzipiert und erweitert wurde. Bund und Freistaat Bayern fördern dieses Vorhaben ebenso wie die Entwicklung des benachbarten Ensembles aus Zeppelinfeld und Zeppelintribüne zu einem Lern- und Begegnungsort.
In der Kongresshalle sollen bestehende wie neue Institutionen nicht nur wegweisende kulturelle Impulse aussenden, sondern auch Räume für Diskurs, Auseinandersetzung und demokratische Bildung schaffen. Bereits heute nutzt die Stadt Nürnberg einen kleinen Teil der Kongresshalle, um diese Potenziale auszuloten. Die spartenübergreifenden und interdisziplinär angelegten Formate regionaler wie internationaler Kunst- und Kulturschaffender erfahren in hohem Maße Zuspruch. In großer Bandbreite fanden bislang Begegnung und Diskurs, partizipative Angebote, Musik, Performance und Bildende Kunst statt. Unter anderem trug die Kooperation mit dem Deutschen Pavillon auf der Biennale di Venezia zum Umgang mit NS-Architekturen der Besonderheit dieses Veranstaltungsorts Rechnung. Gleichzeitig entstehen auf partizipativem Wege und unter Beteiligung von Künstlerinnen und Künstlern Ideen für ein bedarfsgerechtes Betriebskonzept.
Die Kongresshalle steht in ihrer schieren Monumentalität beispielhaft für den Größenwahn des NS-Regimes. Mit den Mitteln von Kunst und Kultur wird sie künftig als kraftvoller Gegenentwurf zur NS-Ideologie auf der verlässlichen Basis einer zu gründenden Stiftung einen entscheidenden Beitrag zur Stärkung der staatlichen demokratischen Strukturen leisten können.
Nationales Erbe Kongresshalle
Von 1933 bis 1938 hielten die Nationalsozialisten im Nürnberger Südosten jährlich ihre Reichsparteitage als Staats- und Parteifeiern ab. Die Massenveranstaltung wurde im In- und Ausland wahrgenommen und prägt bis heute das Bild Nürnbergs als „Stadt der Reichsparteitage“. Dabei wurden nur wenige der Propagandabauten fertiggestellt. Die meisten blieben unvollendet, so die Kongresshalle.
Mit einer Grundfläche von 275 mal 265 Metern und 40 Metern Höhe zählt die Kongresshalle trotzdem zu den größten Hinterlassenschaften der NS-Zeit. Nachdem am 11. September 1935 Adolf Hitler die Grundsteinlegung vollzogen hatte, wurden mit Kriegsbeginn 1939 die Arbeiten nahezu komplett eingestellt. Was blieb, war der hufeisenförmige Rohbau mit zwei Kopfbauten und einem offenen Innenhof, der das Halleninnere gebildet hätte. Zum eigentlichen Zweck, einmal im Jahr Hitler die Bühne für den Parteikongress der NSDAP zu bieten, wurde die Kongresshalle nie genutzt. Dennoch steht das Bauwerk seit 1973 als Ausdruck der nationalsozialistischen Monumentalarchitektur unter Denkmalschutz.
Unmittelbar nach Kriegsende setzte eine pragmatische Nutzung des 80 000 Quadratmeter umfassenden Gebäudes ein: zunächst als Lebensmitteldepot der US-Armee und nach der Rückgabe an die Stadt Nürnberg unter anderem 1949 als Ausstellungsort der ersten Deutsche Bauausstellung. In den folgenden Jahrzehnten hielt man an dieser Art des Umgangs mit den leeren Innenräumen fest. Viele Institutionen, Vereine und Einzelpersonen nutzten den immensen Flächenbestand zu Lagerzwecken. Der größte Mieter blieb drei Jahrzehnte lang bis 2006 das Versandhaus Quelle mit einem umfangreichen Warenlager. Wie nahe dabei Pragmatismus und Hilflosigkeit angesichts der Raumdimensionen und der Entstehungsgeschichte der Kongresshalle zusammenlagen, zeigte sich beispielhaft im Innenhof. Zeitweise stellte hier die Polizei die im Stadtgebiet abgeschleppten Autos ab.
In den beiden Kopfbauten der Kongresshalle, die den Rundbau abschließen, haben schon frühzeitig Kunst und Kultur Einzug gehalten. Seit 1962 nutzen die Nürnberger Symphoniker einen Musiksaal und Proberäume inklusive Tonstudio im südlichen Gebäudeteil. Im nördlichen Pendant ist 2001 das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände mit einem umfangreichen Aufklärungs- und Vermittlungsangebot zur NS-Zeit eröffnet worden.