Nr. 121 / 02.02.2026
Das KunstKulturQuartier Nürnberg setzt seine programmatische Arbeit mit einem vielfältigen, inhaltlich profilierten Ausstellungsprogramm fort. In den Ausstellungshäusern – Kunsthalle Nürnberg, Kunsthaus und Kunstvilla – stehen 2026 sowohl große institutionelle Kooperationen als auch präzise kuratierte Einzel- und Retrospektivausstellungen im Fokus. Zugleich blickt das KunstKulturQuartier auf ein erfolgreiches Kunstjahr 2025 zurück, das erneut von gesteigerten Besucherzahlen, neuen Förderinstrumenten und strukturellen Weiterentwicklungen geprägt war.
Vorschau auf das Ausstellungsprogramm 2026 in der Kunsthalle
„Colour Crush“ (21. März bis 7. Juni 2026)
Die Ausstellung „Colour Crush“ rückt die Farbe in den Mittelpunkt – nicht nur als visuelles Phänomen, sondern als komplexes Medium. Farbe besitzt Textur, sie reflektiert und erzeugt Licht, sie tritt in Resonanz mit Raum und Oberfläche. Sie transportiert Emotionen, verändert Atmosphären, trägt kulturelle Bedeutungen, symbolische Botschaften und historische Traditionen in sich.
Die Werke von Kirsten Arndt, Rana Begum, Matti Braun, Rupprecht Geiger, Sophie Herz, Erika Hock, Franziska Holstein, Christoph John, Schirin Kretschmann, Zora Kreuzer, Sebastian Kuhn und Kai Schiemenz zeigen innerhalb ihres gewählten Mediums, von flüssiger Farbe bis zu genähtem Stoff, von farbigem Glas bis zu Neon-Röhren, die Komplexität und die Möglichkeiten von Farbe. Die teils ortsspezifischen Rauminstallationen verändern die acht Oberlichtsäle der Kunsthalle Nürnberg und laden dazu ein, die Architektur neu zu erleben. So wird deutlich: Farbe ist weit mehr als Oberfläche – sie ist Substanz, Sprache und sinnliches Erlebnis zugleich.
„Ibid.“ 30 Positionen aktueller Malerei (4. Juli bis 4. Oktober 2026)
Im Sommer realisiert die Kunsthalle Nürnberg gemeinsam mit dem Institut für moderne Kunst und dem Kunstverein Nürnberg – Albrecht Dürer Gesellschaft ein außergewöhnliches Großprojekt: Unter dem Titel „Ibid.“ vereint die Ausstellung 30 internationale Positionen zeitgenössischer Malerei.
Der Titel – lateinisch für „ebenda“ – verweist auf einen gemeinsamen Ausgangspunkt: die Zeit, die die beteiligten Künstlerinnen und Künstler im Rahmen des Marianne-Defet-Malerei-Stipendiums in den vergangenen 15 Jahren in Nürnberg verbracht haben. In der Begegnung mit der Stadt, ihrer Architektur, ihren Menschen und Geschichten entstand ein individueller, lebendiger Austausch, der in den Arbeiten nachhallt. Daran knüpft „Ibid.“ an – als kollektiver Resonanzraum und als Ausblick auf malerische Perspektiven der Gegenwart und Zukunft.
Im Jahr 2026 wären Marianne und Hans Friedrich Defet 100 Jahre alt geworden. Zugleich wird das Marianne-Defet-Malerei-Stipendium im Frühjahr 2026 zum 30. Mal vergeben. Diese besonderen Jubiläen sind Anlass für die groß angelegte institutionenübergreifende Ausstellung, zu der alle internationalen Künstlerinnen und Künstler erneut nach Nürnberg eingeladen werden.
Andreas Oehlert: „Paper Moon“ (31. Oktober 2026 bis 14. Februar 2027)
Mit der Einzelausstellung „Paper Moon“ von Andreas Oehlert präsentiert die Kunsthalle Nürnberg einen der bedeutendsten Künstler der Region, dessen Arbeiten durch inhaltliche Präzision und hoch ästhetische Formensprache überzeugen.
Ob Zeichnungen, Fotoarbeiten, Installationen oder Skulpturen: Stets eröffnen seine Werke überraschende Perspektiven und verwandeln den Raum in ein Erlebnis zwischen Realität und Imagination. Die Ausstellung Paper Moon ist bewusst nicht als Retrospektive konzipiert, sondern eine Einladung an Andreas Oehlert, neue Arbeiten zu schaffen und installativ mit den Räumen der Kunsthalle Nürnberg umzugehen. Neben einer Auswahl seiner über Jahre entstandenen außerordentlichen Aquarelle wird der Künstler speziell für diesen Anlass zahlreiche neue Werke entwickeln.
Vorschau auf das Ausstellungsprogramm 2026 im Kunsthaus
„ECHOS.“ Fotografische Retrospektive Lajos Keresztes (7. März bis 31. Mai 2026)
Der Fotograf Lajos Keresztes ( geboren 1933 in Budapest) gehört zu den bedeutenden Vertretern der künstlerischen Fotografie in Deutschland. Nach seiner Flucht aus Ungarn 1956 studierte er zunächst Architektur in München und anschließend Fotografie in Köln. Danach arbeitete er als freischaffender Fotograf und Fotodesigner in Nürnberg.
Der Großteil seines Werks entstand in der analogen Fotografie. Seine Arbeitsweise ist stark von Malerei und Zeichnung geprägt und bewegt sich in der abstrakten Fotografie nahe am Surrealismus. Keresztes experimentierte intensiv mit Farbe, Form und den technischen Möglichkeiten der Kamera, widmete sich aber auch Stadt- und Landschaftsmotiven. Neben seiner freien künstlerischen Arbeit gestaltete er Buchcover für den Fischer Taschenbuch Verlag sowie Schallplattenhüllen für Labels wie EMI, ECM und Deutsche Grammophon.
Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem World Press Photo Award (1966). Das Kunsthaus Nürnberg würdigt mit dieser Retrospektive das Lebenswerk des heute 92-jährigen Fotokünstlers und seine Bedeutung für die Fotogeschichte.
Kunstpreis der „Nürnberger Nachrichten“ (2. Juli bis 6. September 2026)
Der Kunstpreis der „Nürnberger Nachrichten“ findet dieses Jahr zum 34. Mal statt, ein Beleg für seine beeindruckende Kontinuität und Relevanz. Der Preis richtet sich an Kunstschaffende, die aus der Region Nürnberg stammen oder hier leben und arbeiten. Ausgelobt wird er in den Bereichen Malerei, Skulptur, Originalgrafik und künstlerische Gold- und Silberschmiedearbeiten. Er gehört zu den höchstdotierten Auszeichnungen für bildende Kunst in Deutschland.
„shift/walls. Raum für urbane Kunst“: (September 2026)
Beim offenen Atelierprojekt „shift/walls“ in der Ausstellungsfläche des Kunsthauses und dem Festsaal des Künstlerhauses experimentieren acht Künstlerinnen und Künstler mit einem schwelenden Prozess als Gegenentwurf zum gewohnten Ausstellungsbetrieb.
Die Künstlerinnen und Künstler gestalten nicht nur gemeinsam verschiedene Räume. Auch ihre Genres wie Graffiti, Performance, Malerei, Zeichnung, Sound und Installation verweben sich und gehen neue Beziehungen zueinander ein. In das Projekt fließen sowohl fertige Konzepte als auch vor Ort entwickelte Ideen der urbanen Künstlerinnen und Künstler ein. Dabei entstanden in vergangenen Ausgaben beispielsweise ein großes farbintensives Mural an der Außenwand des Künstlerhauses, faszinierende Soundprojekte, spielerische Keramikkunst oder zeichnerische und lyrische Wandgestaltungen.
An den Wochenenden gibt es offene Sonntagsrundgänge mit den Künstlerinnen und Künstlern sowie eine fulminante Endsession, die die letzten Eindrücke des Projekts einfängt, bevor die Maler den White Cube des Kunsthauses wieder in seinen Ursprungszustand zurückversetzen.
„Jamel Shabazz. New York Moves and Black Communities“ (24. Oktober 2026 bis 17. Januar 2027)
Die Fotografien von Jamel Shabazz ( geboren 1960 in Brooklyn/NY) richten den Blick auf Menschen aus Black Communities und Communities of Color in New York City. Mit empathischen, kraftvollen Porträts dokumentiert er ihre Lebensrealitäten und sozialen Zusammenhänge und zeigt die Bedeutung öffentlicher Räume für seine Protagonistinnen und Protagonisten. Seine Arbeiten sind von großer Nähe und Wertschätzung geprägt und setzen den Dargestellten mit Offenheit und Respekt ein visuelles Gegenüber.
Seit den 1980er-Jahren fängt Shabazz mit kompositorisch starken Fotografien die Vielfalt menschlicher Lebensentwürfe ein und tritt dabei bewusst negativen, häufig rassistisch geprägten Stereotypen entgegen. In natürlichem Licht entstehen Bilder, in denen sich die Porträtierten selbstbewusst in Szene setzen. Zugleich verweisen seine Arbeiten auf den prägenden kulturellen Einfluss von Black Communities durch Hip-Hop, Streetwear und urbane Tanz- und Kunstszenen.
Die Ausstellung New York Moves and Black Communities zeigt erstmals in Deutschland als Museumsausstellung zentrale Werkgruppen von Jamel Shabazz. Präsentiert werden Schwarzweiß- und Farbfotografien aus den frühen 1980er-Jahren sowie frühe Fotoalben und Publikationen des in Brooklyn lebenden Fotografen. In der Tradition sozial engagierter Fotografie steht er unter anderem in der Nachfolge von Gordon Parks. Während seines Militärdienstes war er in den 1980er-Jahren in Deutschland stationiert. Nach internationalen Ausstellungen und Veröffentlichungen erfährt sein Werk zunehmende Aufmerksamkeit. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Museum für Photographie Braunschweig und der Galerie Bene Taschen.
Vorschau auf das Ausstellungsprogramm 2026 in der Kunstvilla
„Constantin von Mitschke-Collande. Ein Künstlerleben zwischen Dresden und Nürnberg“ (28. Februar bis 28. Juni 2026)
Im Jahr 2026 jährt sich der Todestag des 1884 geborenen Künstlers Constantin von Mitschke-Collande (1884–1956) zum 70. Mal. Die Kunstvilla zeigt aus diesem Anlass eine großangelegte Retrospektive des Künstlers, dessen Leben und Schaffen von Brüchen gekennzeichnet war.
Der zunächst in München, Paris und Dresden tätige Künstler verbrachte gemeinsam mit seiner ebenfalls als Künstlerin tätigen, zweiten Frau Hilde von Collande seine letzten Lebensjahre in Nürnberg. In Dresden hatte Mitschke-Collande ab 1907 unter anderem bei dem Impressionisten Robert Sterl und bei dessen Widerpart, dem neusachlichen Maler Oskar Zwintscher studiert. Daneben hinterließen Künstlerreisen nach Rom, Florenz und Paris, wo er Maurice Denis und Fernand Léger kennenlernte, bleibende Eindrücke. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Mitschke-Collande gemeinsam mit Otto Dix zu den Gründern der gesellschaftskritischen Künstlervereinigung „Dresdner Sezession Gruppe 1919“, woran sich eine expressionistische Werkphase in seinem Schaffen anschloss. Eine Zäsur stellte die Diffamierung durch die Nationalsozialisten dar: 1937 wurde eines seiner Gemälde in der Münchner Femeausstellung „Entartete Kunst“ präsentiert, weitere wurden beschlagnahmt oder vernichtet. Die Zerstörung seines Ateliers durch die Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg bedeutete den Verlust eines Großteils seines bis dahin entstandenen Œuvres.
Die Ausstellung vereint Werke aus dem Bestand der Kunstvilla, der Sammlung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie in Regensburg sowie aus Firmen- und Privatsammlungen. Sie würdigt nicht nur den Künstler, sondern auch den Menschen, der nach Krieg und Vertreibung in Nürnberg eine neue Heimat fand und dort bis zu seinem Tod 1956 wirkte.
„Mit Röntgenblick. Die Bildnisse von Michael Mathias Prechtl“ (28. März bis 28. Juni 2026)
Im April 2026 wäre der Künstler Michael Mathias Prechtl (1926–2003) 100 Jahre alt geworden. Die Kunstvilla zeigt aus diesem Anlass unter dem Titel „Mit Röntgenblick – Die Bildnisse von Michael Mathias Prechtl“ sein vielschichtiges Porträtschaffen. Präsentiert werden in einer Kabinettausstellung Werke aus der eigenen Sammlung sowie ausgewählte Leihgaben der Grafischen Sammlung der Stadt Nürnberg.
Die Ausstellung spannt dabei einen Bogen über zwei Jahrzehnte von Prechtls künstlerischem Wirken. Neben seiner „Denkmalerei“, die sich vor allem in seinen Porträts widerspiegelt, werden literarische Illustrationen wie „Wieviel Erde braucht der Mensch?“ nach Leo Tolstoi präsentiert. Von der Auseinandersetzung mit Rembrandt über das Porträt des langjährigen Direktors der städtischen Kunstsammlungen Wilhelm Schwemmer bis hin zum Ehrenbürger Hermann Kesten offenbart sich dabei Prechtls Gespür für Charakterdarstellung und Zeitgeist
„heizhaus. zwischen utopie und irgendwas“ (25. Juli bis 18. Oktober 2026)
"Das heizhaus ist – weil wir das so machen – solidarisch, ökologisch, gemeinschaftlich, offen, selbstbestimmt, (eigen-)verantwortlich, nachhaltig, kreativ, gestaltend, erschwinglich-zugänglich, divers, vermittelnd, international, intergenerationell und partizipativ“ heißt es im Leitbild des heizhaus, einem Pilotprojekt des Quellkollektiv e. V., das seit 2016 im Klinkerbau direkt am Turm des ehemaligen Quelle-Versandhauses angesiedelt ist und somit 2026 sein zehnjähriges Bestehen feiert. Mit etwa 80 Kreativ- und Kulturschaffenden aus dem Raum Nürnberg und circa 140 im Schwarm wird dort auf der Grundlage der Werte Toleranz, Solidarität und Nachhaltigkeit ein Netzwerk zum gemeinsamen Arbeiten und Austausch in verschiedenen Projekten gebildet. Das Quellkollektiv dient als Plattform für gelebte, zukunftsweisende Formen der Arbeit und des Miteinanders sowie für soziale und soziokulturelle Projekte in den Bereichen Stadtentwicklung, Ökologie, Kunst, Kultur und Bildung. Für sein Konzept wurde das heizhaus bereits mit dem Staatspreis für bayerische Kreativorte und dem Nürnberger Kulturpreis ausgezeichnet.
In ihrer Reihe der Ausstellungen mit Nürnberger Künstlergruppen und -vereinen stellt die Kunstvilla das heizhaus und zahlreiche seiner Akteure und Akteurinnen vor. Die Präsentation überschreitet dabei gängige Ausstellungsformate und wird als experimentelles Projekt mit einem Fokus auf kollektive, nachhaltige und partizipative Kunstformen konzipiert. Mit Beiträgen unter anderen von Michael Akstaller, fint, Camilla Gerber, Michael Grebner, Max Hanisch, Melissa Hieke, HOT JAM, Syowia Kyambi, Wanda Leuthe, Evanthia Lourandaki, Joana Oehm, Sissy Savile, Rudyard Schmidt, Klaus Schulz, Sarah Schwerda, Chris Weiß und Tobias Witt.
„Kunst ist ein Spiel, das Spaß macht - Spielzeug in der Nürnberger Kunst“ (14. November 2026 bis Frühjahr 2027)
"Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“ wusste schon Friedrich Schiller. Wo, wenn nicht in der Spielzeugstadt Nürnberg darf das gelten. Im Jahr 1926 fand in der damaligen Fränkischen Galerie die Ausstellung „Das Spielzeug“ statt, an der einige Professoren sowie Künstlerinnen und Künstler der Kunstgewerbeschule vertreten waren. Der Katalog vermerkt: „Aus der Klasse von Professor H. Gradl stammen die als selbstständige Arbeit anzusprechenden originellen Holztiere und Phantasie-Figuren von Georg Weidenbacher, das rote Ross, der Wagenlenker und andere phantastische Stücke“. Die Kunstvilla nimmt das Jubiläum zum Anlass, das Motiv des Kinderspiels in der Malerei und Objektkunst, Künstlerentwürfe für Spielzeug sowie Kinderbuchillustrationen von Nürnberger Künstlerinnen und Künstlern in der großen Sonderausstellung „Kunst ist ein Spiel, das Spaß macht“ zu präsentieren.
Die Ausstellung beginnt in den 1920er-Jahren mit Werken von Hans Werthner, Hermann Gradl und Max Körner, von welchen selbst entworfenes Spielzeug ebenso wie Darstellungen überliefert sind. Ihre Schülerschar, darunter unter anderen Georg Weidenbacher, Andreas Bach und Dore Meyer-Vax, führte die Motivik in Kinderbildnissen fort. Andreas Bach schuf über Jahre hinweg Kinderbuchillustrationen für den Pestalozzi Verlag und auch von Lily Wieszner-Zilcher und Dore Meyer-Vax sind Kinderbücher erhalten. In der Gegenwartskunst faszinieren Spielzeug und Spielzeuganleitungen Künstler wie Peter Hammer, Roger Libesch, Wolf Sakowski und Christa Varadi. Während Peter Hammer Barbiepuppen zum Tanzen bringt, verstrebt Wolf Sakowski seine vielschichtigen Gemälde mithilfe von Aufbauanleitungen. Ludwig Hanisch lässt sich für seine Installationen von Computerspielen anregen.
Rückblick auf das Kunstjahr 2025
Rückblickend auf das vergangene Jahr freut sich das KunstKulturQuartier über mehr als 54 000 Besucherinnen und Besucher in den Ausstellungen. Alle Häuser verzeichneten einen Zuwachs an Gästen. Neben vielen Ausstellungshighlights wurde ein neuer Kunstpreis ausgelobt und ein umgebautes Gebäude in der Peuntgasse mit Platz für ein Kunstdepot und neue Ateliers bezogen.
Kunsthalle Nürnberg
Im Jahr 2025 setzte die Kunsthalle Nürnberg erneut starke Akzente in der zeitgenössischen Kunstlandschaft und begeisterte mit einem vielseitigen Programm aus Einzel- und Themenausstellungen. Herausragend waren partizipative Vermittlungsformate, die Kunst auf unkonventionelle Weise erlebbar machten. So luden der interaktive Parcours mit der internationalen Food-Designerin Marije Vogelzang und Felix Schneider vom Restaurant Etz die Besucherinnen und Besucher dazu ein, Kunst und Kulinarik auf ungewöhnliche Weise zu erfahren. Das Sommerfest der Kunsthalle Nürnberg anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Double or Nothing“ mit dem Künstlerpaar Mrzyk & Moriceau zog erneut rund 600 Gäste an und wurde musikalisch von DJ Kabus Kerim mit seinem Istanbul Express begleitet, wobei Kunst, Musik und Begegnung zu einem stimmungsvollen Erlebnis verschmolzen. Mit ihren ideenreichen Wandmalereien und Installationen und dem Badminton-Spielfeld im großen Saal avancierte die Ausstellung zum Publikumsliebling, was sich auch an den zahlreichen enthusiastischen Einträgen in das Gästebuch zeigte.
Der Förderverein der Kunsthalle Nürnberg Contemporaries e. V. lobte im Sommer erstmals den Preis „Die Vitrine 2024“ aus. Unter allen im Rahmen der „Vitrinen“-Ausstellungen, die 2024/25 im Foyer der Kunsthalle Nürnberg stattfanden, wurde Stefanie Probst als erste Künstlerin ausgezeichnet. Ein bedeutender Schritt für die lokale Kunstszene ist die erstmalige Vergabe städtisch geförderter Atelierräume im Werkhaus, Peuntgasse 7. Diese neuen Ateliers, die im November erstmals bezogen wurden, bieten Künstlerinnen und Künstlern, betreut von der Kunsthalle Nürnberg, zukünftig ein professionelles Umfeld für kreatives Schaffen und verstehen sich zugleich als offene Plattformen für Austausch, Vernetzung und Sichtbarkeit.
Kunsthaus
Das Ausstellungjahr 2025 im Kunsthaus Nürnberg war ein voller Erfolg. Mit der Ausstellung „INSIDE STREETS“ konnte das Kunsthaus zwei Kunstschaffende vorstellen, die eng mit der Stadt verbunden sind, aber längst über ihre Grenzen hinausgewachsen sind. Cris Koch (München) und Arianne Kipp (Berlin) zeigten mit ihren künstlerischen Aufarbeitungen von Plakaten aus dem öffentlichen Raum, wie sich die Grenzen zwischen Kunstgeschichte, Design und zeitgenössischer Kunst, zwischen Malerei, Skulptur, Fotografie, Ready Made und Urban Art überwinden lassen und welche Überraschungen in unseren Alltagsgegenständen schlummern können.
Beim Kunstpreis der „Nürnberger Nachrichten“ gab es im vergangenen Sommer zum zweiten Mal in Folge einen Besucherrekord. Die Auswahl der Jury zum 33. Kunstpreis sahen in diesem Jahr knapp 21 000 Menschen. Damit konnten sich noch einmal fast 5 000 Menschen mehr als beim bisherigen Rekord im vergangenen Jahr für den Kunstpreis begeistern.
Das in diesem Jahr neu gestartete Residenzprogramm studio.f etablierte eine neue Möglichkeit für FLINTA*-Personen einen temporären Arbeits- und Präsentationsraum zu beziehen. Die beiden ersten Residenz-Slots waren seitens der Kunstschaffenden ausgesprochen nachgefragt und der Glasbau des Künstlerhauses wurde rege besucht.
Seit Oktober zeigt das Kunsthaus die Fotopionierin „Ruth Orkin – Through Her Lens“. Die bisher größte institutionelle Ausstellung der Fotografin in Deutschland begeistert die Besucherinnen und Besucher auf ganzer Linie und beweist, wie sehr das Kunsthaus als Ort der Fotografie in der Metropolregion angenommen wird. Die Ausstellung ist in engem Austausch mit dem 25-jährigen Jubiläum des Neuen Museums entstanden, das mit einer Ausstellung der Fotolegende Martin Parr diesen Geburtstag ebenfalls der Fotografie widmet.
Kunstvilla
Das Jahr 2025 begann mit dem Umzug der Sammlung der Kunstvilla in das neu eingerichtete Depot in der Peuntgasse. Bewegt wurden rund 2 000 Kunstwerke und Werkkonvolute. Daneben stand die Inventarisierung zwischenzeitlich zugegangener Künstlernachlässe, unter anderem von Thomas Bachmeier und Heinz Karlicek, im Mittelpunkt, des Weiteren die fortschreitende Restaurierung des Sammlungsbestands und Planungen zur Onlinestellung der Bestände. Im Bereich Ausstellungen waren zwei äußerst erfolgreiche Projekte zu sehen.
Ab April 2025 widmete sich die Kunstvilla mit der Gruppenausstellung „FOKUS LEIPZIG“ Kunstschaffenden, die ihre kreativen Wurzeln in Nürnberg haben, ihre künstlerischen Karrieren aber derzeit in Leipzig fortsetzen. Zu sehen war das aktuelle Schaffen von Anna Bittersohl (geboren 1982), Philipp Kummer (geboren 1979), Anna-Maria Kursawe (geboren1973), Birgit Nadrau (geboren 1971) und Lisa Wölfel (geboren 1988) mit teils raumbezogenen Arbeiten, die eigens für die Ausstellung entstanden sind.
Ab Oktober 2025 präsentierte die Kunstvilla die umfangreiche Retrospektive „Oskar Koller – Aus Freude am Malen“ anlässlich des 100. Geburtstags eines der bekanntesten Nürnberger Künstler seiner Generation. Vorbereitend waren seit 2023 die städtischen Bestände von Oskar Koller (1925–2004) wissenschaftlich bearbeitet und restauriert worden. Für die Ausstellung wurden sie um hochkarätige Leihgaben aus dem Nachlass und aus Firmen- und Privatsammlungen ergänzt. Zur Ausstellung entstand ein Begleitband mit Texten von Hans Peter Miksch und Andrea Dippel, in dem der städtische Gemäldebestand des Künstlers erstmals vollständig dokumentiert ist.