Markenzeichen der Stadt Nürnberg

Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 323 / 18.03.2026

Klimaschutz: Emissionen 2024 auf Tiefstand, aber Tempo zu langsam

Im Umweltausschuss am Mittwoch, 18. März 2026, stellte Britta Walthelm, Referentin für Umwelt und Gesundheit der Stadt Nürnberg, die erreichten Fortschritte und den aktuellen Stand der gesamtstädtischen Endenergie- und Treibhausgasbilanz bis zum Jahr 2024 vor. Der aktuelle Bericht zeigt eine positive Entwicklung: Mit einem Treibhausgasausstoß von rund 2,8 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten wurde 2024 erstmals eine Reduktion auf unter die Hälfte der Emissionen des Ausgangsjahrs 1990 (5,7 Millionen Tonnen) erreicht. Gleichzeitig ist 2024 das emissionsärmste Jahr seit Beginn der Bilanzierung. Nachdem die Emissionen in den Jahren 2021 und 2022 zwischenzeitlich gestiegen waren, setzt sich der langfristige Trend der Reduktion nun wieder fort.

Trotz dieses Fortschritts zeigt die Bilanz auch, dass die Geschwindigkeit der Emissionsminderung weiterhin nicht ausreicht, um die selbst gesteckten Klimaziele der Gesamtstadt zu erreichen. Gegenüber dem Jahr 2023 sanken die Emissionen um rund 67 000 Tonnen beziehungsweise 2,3 Prozent. Damit hat sich die jährliche Einsparrate sogar etwas verlangsamt.

„Die Entwicklung in Nürnberg macht deutlich, dass sowohl viele Bürgerinnen und Bürger als auch zahlreiche Unternehmen bereit sind, aktiv Verantwortung zu übernehmen und konkrete Maßnahmen für den Klimaschutz umzusetzen“, erklärt Britta Walthelm. „Sei es durch die Nutzung von Balkon-Photovoltaik, den Umstieg auf Wärmepumpen oder die verstärkte Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs  viele kleine Schritte tragen zu einem großen Ganzen bei. Damit diese vielfältigen Anstrengungen jedoch ihr volles Potenzial entfalten können, sind verlässliche und unterstützende Rahmenbedingungen auf Bundes- und europäischer Ebene unerlässlich.“

Zentrale Ergebnisse der Bilanz
Ein Großteil der Emissionsminderung entfiel auf den Strombereich. Rund 57 Prozent der Reduktion lassen sich hier verorten. Neben einem tatsächlichen Rückgang des Stromverbrauchs spielte auch der bundesweit sinkende Emissionsfaktor für Strom eine wichtige Rolle. Ursache dafür ist der kontinuierliche Ausbau erneuerbarer Energien im deutschen Stromnetz, der sich auch positiv auf die Bilanz der Stadt Nürnberg auswirkt. Die Emissionsreduktion verteilt sich grundsätzlich auf alle Verbrauchsbereiche. Wie bereits im Vorjahr weist jedoch der Bereich Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und Industrie sowohl absolut als auch prozentual die größte Reduktion auf. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass etwa 70 Prozent des im Stadtgebiet verbrauchten Stroms in diesem Sektor anfallen.

Im Bereich der privaten Haushalte lag die Treibhausgasreduktion von 2023 auf 2024 mit zwei Prozent knapp unter der Gesamtminderung. Der Verkehrssektor bleibt hingegen weiterhin die größte Herausforderung: Hier wurde im gleichen Zeitraum weniger als ein Prozent eingespart. Seit 1990 beträgt die Reduktion im Verkehrsbereich insgesamt lediglich 4,9 Prozent. Der Anteil erneuerbarer Energien innerhalb des Stadtgebiets liegt derzeit bei rund vier Prozent. Positive Entwicklungen zeigen sich beispielsweise bei der Nutzung von Wärmepumpen: Sie liefern mittlerweile 3,8 Prozent der regionalen Wärmeversorgung – ein Zuwachs von 38 Prozent zwischen 2020 und 2024.

Klimaneutralität bleibt ambitioniertes Ziel
Für die weitere Steuerung der Klimaschutzaktivitäten ist insbesondere die Entwicklung der jährlichen Reduktionsrate entscheidend. Würde der durchschnittliche Rückgang der letzten fünf Jahre fortgeschrieben, würde Nürnberg sein Ziel der Klimaneutralität erst im Jahr 2046 erreichen – also sechs Jahre später als geplant. Gegenüber der letzten Bilanzierung bedeutet dies ebenfalls eine Verschiebung um sechs Jahre nach hinten.

Der Nürnberger Stadtrat hat 2022 beschlossen, das für die Stadt berechnete CO₂-Restbudget auf Basis des globalen 1,5-Grad-Ziels einzuhalten. Dieses Restbudget wird seit dem Beschluss zum Klimaschutzkonzept 2025 transparent in der jährlichen Treibhausgasbilanz ausgewiesen. Bei den aktuellen jährlichen Emissionen von rund 2,8 Millionen Tonnen wäre das energetisch bedingte CO₂-Budget  ohne weitere Reduktionen  rechnerisch bereits im Jahr 2025 aufgebraucht gewesen. Je nach Berechnungsansatz verschiebt sich dieser Zeitpunkt auf 2027 oder 2033.

Deutliche Fortschritte in der Stadtverwaltung
Auch innerhalb der Stadtverwaltung zeigen sich Fortschritte. Die bilanzierten Gesamtemissionen sanken von 83 828 Tonnen CO₂-Äquivalenten im Jahr 2022 auf 72 166 Tonnen im Jahr 2024  ein Rückgang von 13,9 Prozent. Diese Entwicklung ist auf zahlreiche Maßnahmen zurückzuführen. Im Rahmen der städtischen Photovoltaik-Strategie wurden weitere Anlagen auf kommunalen Gebäuden errichtet, unter anderem auf der Feuerwache 1, dem Verwaltungsgebäude des Marktamts sowie auf mehreren Schulen, Kindertagesstätten und Turnhallen. Im vergangenen Jahr sorgte der einmalige Ausbau der Freiflächenanlage am Flughafen dafür, die Zubau-Dynamik zu halten.

Darüber hinaus werden energetische Gebäudesanierungen im Hochbauamt kontinuierlich vorangetrieben. Gleichzeitig konnten bei städtischen Eigenbetrieben weitere Effizienzpotenziale genutzt werden – etwa durch technische Modernisierungen, die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED oder energetische Verbesserungen in kommunalen Einrichtungen. Zusätzliche Einsparungen wurden durch Maßnahmen aus dem Sonderfonds zur Bewältigung der Energiemangellage erreicht. Dazu zählen unter anderem weitere Photovoltaikanlagen, LED-Umrüstungen, Fassadensanierungen sowie technische Modernisierungen.

Auch der städtische Fuhrpark (minus 10,1 Prozent) sowie die eingekauften Güter (minus 29,2 Prozent) verursachten deutlich weniger Emissionen als 2022. Rückgänge gab es ebenfalls bei Notstromanlagen und Kühlmitteln. Lediglich bei Dienstreisen stiegen die Emissionen wieder an, liegen jedoch weiterhin unter dem Niveau des Jahres 2019 und machen lediglich 0,2 Prozent der Gesamtemissionen aus.

Und auch hier geht Nürnberg mit gutem Beispiel voran: Mit 123 Elektrobussen im Einsatz schafft die VAG die Grundlage für eine zunehmend klimafreundliche Mobilität in der Stadt.

Klimaschutzziele der Stadt Nürnberg
Im Juli 2019 hat der Stadtrat anerkannt, dass die bisherigen Maßnahmen der Stadt nicht ausreichen, um die selbst gesteckten Klimaziele zu erreichen, und hat Klimaschutz zur zentralen Zukunftsaufgabe der Stadt Nürnberg erklärt. Um seiner Vorbildfunktion im Klimaschutz gerecht zu werden, hat der Stadtrat im Juni 2020 außerdem beschlossen, dass die Stadt Nürnberg die Klimaneutralität der Stadtverwaltung bis zum Jahr 2035 anstrebt. Die Stadtverwaltung soll damit bereits deutlich früher klimaneutral werden als es die städtischen Zielsetzungen für die Gesamtstadt vorsehen. Laut Stadtratsbeschluss vom Mai 2022 strebt die Stadt Nürnberg die gesamtstädtische Klimaneutralität, unter Einhaltung der Pariser Klimaschutzziele und des für Nürnberger verbleibenden CO₂-Budgets, bis spätestens 2040 an.    let