Markenzeichen der Stadt Nürnberg

Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 344 / 24.03.2026

12. Verleihung des „Mosaik-Jugendpreises – Mit Vielfalt gegen Rassismus“ am 18. März in München

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus fand am Mittwoch, 18. März 2026, die 12. Verleihung des „Mosaik-Jugendpreises – Mit Vielfalt gegen Rassismus“ im NS-Dokumentationszentrum in München statt. Die Jury hatte vier Jugendprojekte ausgezeichnet, darunter eines aus Nürnberg. Bürgermeisterin Prof. Dr. Julia Lehner für die Stadt Nürnberg und Bürgermeisterin Verena Dietl für die Landeshauptstadt München haben die Preise überreicht.

„Der Mosaik-Jugendpreis zeigt eindrucksvoll, dass Demokratie vom Engagement junger Menschen lebt“, so Bürgermeisterin Prof. Dr. Julia Lehner in ihrer Rede. „Die ausgezeichneten Projekte machen sichtbar, was oft übersehen wird, geben Erfahrungen eine Stimme und setzen ein starkes Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung. Sie erinnern uns daran, dass Vielfalt keine Bedrohung ist, sondern eine große Stärke unserer Gesellschaft – und dass es unsere gemeinsame Aufgabe ist, diese Vielfalt zu schützen und zu gestalten.“

Seit 2015 wird der Jugendpreis im Gedenken an die Opfer der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) in den Städten München und Nürnberg vergeben. Das Preisgeld von insgesamt 9 000 Euro wird je zur Hälfte durch die Landeshauptstadt München und die Stadt Nürnberg finanziert. Die Jury setzt sich aus Angehörigen der Opfer aus Nürnberg und München, Vertreterinnen und Vertretern des Nürnberger Rates für Integration und Zuwanderung sowie des Migrationsbeirates München und jeweils drei engagierten Jugendlichen aus beiden Städten zusammen.

Mehmet Daimagüler, ehemaliger Antiziganismusbeauftragter der Bundesregierung, Vertreter der Nebenklage im „NSU“-Prozess und Impulsgeber für den „Mosaik-Jugendpreis“, drückte in seiner sehr persönlichen Rede seine Bewunderung vor allem den Angehörigen gegenüber aus, die sich trotz aller Ungerechtigkeiten weiter für die lückenlose Aufklärung der Morde und den Kampf gegen Rassismus in der Gesellschaft einsetzen. Er blickte auf die Anfänge des Preises zurück und beschrieb, wie ihn auch noch Jahre später vor allem die Botschaften der Kinder der Scharrer-Mittelschule bewegt haben, die sie nach der Ermordung Ismail Yaşars direkt am Tatort neben ihrer Schule mit Erinnerungen an ihn niederlegten: „Liebe und Furcht sind die zwei stärksten Emotionen, die Menschen empfinden können – diese Kinder haben sich damals für die Liebe entschieden.“

Die Jugendjurymitgliedern Annemarie Oyelade und Lavinia Rath haben die Veranstaltung moderiert. Die 2024 mit dem „Mosaik-Jugendpreis“ ausgezeichnete Choreografin Sophie Haydee Colindres Zühlke und Serhat „Saïd“ Perhat begleiteten die Veranstaltung künstlerisch durch eine emotionale Tanzperformance.

Geehrt wurden folgende Projekte:

Erster Preis mit einem Preisgeld von 4 000 Euro: „Doppelt Unsichtbar“ (München)
Der erste Preis geht an das Ausstellungsprojekt „Doppelt Unsichtbar“, das von Mädchen und jungen Frauen im Alter von 9 bis 17 Jahren entwickelt wurde. Das Projekt beschäftigt sich mit der Überschneidung von Rassismus und Sexismus im Alltag und macht Erfahrungen sichtbar, die häufig übersehen werden. Ausgehend von persönlichen Erlebnissen setzten sich die Teilnehmerinnen mit Themen wie Intersektionalität, Kolonialismus, Raubkunst sowie antirassistischen Vorbildern auseinander. In einem generationenübergreifenden Austausch entstand eine Ausstellung mit sechs künstlerischen Arbeiten, darunter Collagen, Graffiti, Stickerkunst und gemeinschaftliche Installationen. Die Ausstellung wird dieses Jahr im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus im Guardini90 in München präsentiert.

Zweiter Preis mit einem Preisgeld von 2 000 Euro: „Das was fehlt – Eine Übung im gemeinsamen Erinnern“ (Nürnberg)
Der zweite Preis geht an ein Theaterprojekt der Theater-AG der Scharrer-Mittelschule Nürnberg. Über acht Monate entwickelten Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit pädagogischen Fachkräften und Studierenden der Akademie für Darstellende Kunst Bayern ein Theaterstück, das sich mit der „NSU“-Mordserie auseinandersetzt. Ausgangspunkt war die Geschichte von Ismail Yaşar, der 2005 in Nürnberg ermordet wurde. Das Stück entstand auf Grundlage persönlicher Biografien, historischer Fakten und klassischer Theaterliteratur. Das Projekt verbindet Erinnerungskultur mit künstlerischer Auseinandersetzung und ermöglicht Jugendlichen, eigene Ausdrucksformen zu entwickeln. Neben der Premiere in den Kammerspielen des Staatstheaters Nürnberg wurde das Stück auch im Stadtteil am Ismail-Yaşar-Platz aufgeführt.

Dritter Preis mit einem Preisgeld von jeweils 1 500 Euro: „Podcast: Migration und Flucht – Wie rechte Hetze die Asyl- und Migrationsdebatte beeinflusst“ (München)
Die DeinLife-Jugendredaktion entwickelte gemeinsam mit dem Medienzentrum München einen Podcast, der sich mit der Wirkung rechter Hetze auf gesellschaftliche Debatten beschäftigt. Neben journalistischer Recherche und Interviews kommen insbesondere geflüchtete junge Menschen zu Wort. Das Projekt richtet sich bewusst an junge Zielgruppen und nutzt Formate und Plattformen aus deren Medienalltag, um faktenbasierte Informationen bereitzustellen und junge Perspektiven sichtbar zu machen.

Dritter Preis mit einem Preisgeld von jeweils 1 500 Euro: „The Sisterhood Munich“ (München)
Das Kollektiv „The Sisterhood Munich“ organisiert seit mehreren Jahren Treffen und Veranstaltungen für Schwarze Frauen und Mädchen im Alter von 14 bis 27 Jahren. Ziel ist es, geschützte Räume für Austausch, Empowerment und Gemeinschaft zu schaffen. Neben Freizeit- und Bildungsangeboten organisiert das Kollektiv Workshops, kulturelle Veranstaltungen und Projekte zur Förderung der mentalen und körperlichen Gesundheit. Die Initiative leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Stärkung von Selbstbewusstsein, gesellschaftlicher Teilhabe und gegenseitiger Unterstützung innerhalb der Community.  kb

Weitere Informationen zum Jugendpreis online unter: nuernberg.de/internet/menschenrechte/mosaik_jugendpreis.html

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