Markenzeichen der Stadt Nürnberg

Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 393 / 09.04.2026

Literarisches Erbe für die Stadt: Vorlass von Fitzgerald Kusz geht an das Stadtarchiv Nürnberg

Die Stadt Nürnberg würdigt einen ihrer bedeutendsten Gegenwartsautoren: Der fränkische Schriftsteller Fitzgerald Kusz (geboren 1944) übergibt seinen umfangreichen literarischen Vorlass an das Stadtarchiv Nürnberg. Damit wird ein zentrales Kapitel regionaler Literatur- und Theatergeschichte dauerhaft gesichert und der Forschung wie auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die feierliche Übergabe des Vorlasses findet am Mittwoch, 15. April 2026, um 11 Uhr im Schönen Saal des Nürnberger Rathauses, Rathausplatz 2, 2. Stock, Zimmer 208, statt.

Fitzgerald Kusz zählt seit Jahrzehnten zu den prägenden Stimmen der fränkischen Kulturlandschaft. Als freier Schriftsteller hat er sich insbesondere in der Lyrik und Dramatik einen herausragenden Ruf erarbeitet. Sein Werk ist eng mit der Region verbunden und zeichnet sich durch sprachliche Eigenständigkeit, poetische Verdichtung und eine unverwechselbare Verwendung fränkischer Dialekte aus. Dabei gelingt es Kusz, regionale Sprachformen in einen überregional verständlichen und künstlerisch anspruchsvollen Kontext zu überführen.

Seine literarische Bedeutung spiegelt sich auch in seinen Mitgliedschaften wider: Kusz gehört der Deutsche Akademie der Darstellenden Künste an, ist Mitglied der Münchner Turmschreiber, im PEN Berlin sowie im Verband Deutscher Schriftsteller aktiv. Diese Zugehörigkeiten unterstreichen seine Anerkennung weit über die Region hinaus.

Seinen künstlerischen Durchbruch erzielte Kusz mit dem Theaterstück „Schweig, Bub!“, das 1976 uraufgeführt wurde und bis heute als eines der bedeutendsten Werke der Nürnberger Theatergeschichte gilt. Das Stück entstand aus einer zunächst beiläufig wirkenden Alltagsszene – der Frage „Du, wou hammer letzthin ä suer Leberknidlersubbm gessn?“ Für Kusz markierte dieser Moment einen Wendepunkt: Der Stoff entzog sich bewusst einer rein lyrischen Bearbeitung und verlangte nach einer dramatischen Form.

Inhaltlich und ästhetisch steht „Schweig, Bub!“ deutlich unter dem Einfluss von Bertolt Brecht. Insbesondere dessen Idee einer grundlegenden Erneuerung des Theaters – weg von konventionellen, „verkommenen“ Formen hin zu einer kritisch-reflektierenden Bühnenkunst – prägte Kusz’ Ansatz maßgeblich. Gleichzeitig entwickelte er eine eigene, unverwechselbare Handschrift, die Dialekt, Alltagssprache und gesellschaftliche Beobachtung miteinander verbindet.

Mit der Übernahme des Vorlasses erhält das Stadtarchiv Nürnberg ein außergewöhnlich reichhaltiges und vielfältiges Konvolut von mehreren Regalmetern. Der Bestand umfasst unter anderem handschriftliche Manuskripte und Arbeitsnotizen, Typoskripte und Druckfassungen, Erstausgaben und Belegexemplare, Korrespondenzen und Materialien zur Werkgenese, digitale Dateien sowie audiovisuelle Dokumente auf Datenträgern.

Dieser Bestand erlaubt tiefe Einblicke in die Werkstatt eines Autors, der über Jahrzehnte hinweg die literarische und kulturelle Entwicklung Frankens mitgeprägt hat. Er dokumentiert nicht nur die Entstehung einzelner Werke, sondern auch deren Rezeption sowie Kusz’ Vernetzung innerhalb der deutschsprachigen Literaturszene.

Die Aufnahme des Vorlasses in das Stadtarchiv Nürnberg ist zugleich ein bedeutender Schritt zur Bewahrung des kulturellen Gedächtnisses der Stadt. Forschende, Studierende und künftige Generationen erhalten damit die Möglichkeit, die Entwicklung eines der wichtigsten fränkischen Autoren im Detail nachzuvollziehen und neu zu erschließen.    jos