Nr. 412 / 15.04.2026
Die Stadt Nürnberg entwickelt die Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände zu einem Ort der Kunst und Kultur. Dort entstehen Ermöglichungsräume für Künstlerinnen und Künstler der Freien Szenen sowie eine Spielstätte des Staatstheaters Nürnberg.
Einstimmig hat der Stadtrat in seiner Sitzung am heutigen Mittwoch, 15. April 2026, die Gründung der Stiftung „Kongresshalle Nürnberg am ehemaligen Reichsparteitagsgelände“ beschlossen. Mit dieser Weichenstellung schafft die Stadt Nürnberg die erforderlichen Strukturen, um rechtzeitig die für Herbst 2028 geplante Eröffnung und eine reibungslose Inbetriebnahme des neuen und einzigartigen Kulturorts vorzubereiten.
Oberbürgermeister Marcus König: „Die Stadt Nürnberg setzt ein Zeichen der Entschlossenheit, denn die Zeit drängt. Wir können die konkreten Vorbereitungen für eine Stiftungsgründung nicht länger aufschieben. Die Stiftung muss arbeitsfähig sein, um die Eröffnung vorzubereiten und ein attraktives Programmangebot für die Startphase sicherzustellen.“ Wie Marcus König erklärt, würden die formellen Schritte bis zur Stiftungsgründung unter Einbindung von Bund und Freistaat noch einige Zeit beanspruchen. Um diesen Prozess zu beschleunigen, werde nun zunächst eine städtische Stiftung gegründet. „So kann der Gründungsprozess umgehend eingeleitet werden“, betont der Oberbürgermeister.
Nach wie vor wird die Beteiligung des Freistaats Bayern und des Bundes als Träger der Stiftung angestrebt. Die konstruktiven Konsultationen der letzten Monate werden mit unverminderter Intensität weitergeführt. Oberbürgermeister Marcus König unterstreicht: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass Bund und Land so schnell wie möglich der Stiftung beitreten.“
Bürgermeisterin Prof. Dr. Julia Lehner betont: „Die Kongresshalle ist ein nationales Erbe von singulärer Bedeutung und der Umgang damit steht im Fokus internationaler Aufmerksamkeit“, so Julia Lehner. „Am künftigen Kulturort Kongresshalle werden bestehende und neue Institutionen wegweisende künstlerische und kulturelle Impulse setzen sowie Räume für Diskurs, Auseinandersetzung und Demokratiebildung eröffnen. Das Konzept der räumlichen Dichte strahlkräftiger Kulturinstitutionen und deren inhaltlicher Synergiebildung in einem ehemaligen NS-Bau ist ein Novum. Die Realisierung dieses Vorhabens ist eine nationale Aufgabe. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung wird der Kongresshalle als NS-Täter-Ort emblematische Bedeutung zugeschrieben mit dem Ziel des Erhalts und sowie der Unterstützung bei innovativer Vermittlungsarbeit. Dieser Verpflichtung können sich Bund und Land nicht entziehen.“
Aufgaben der Stiftung „Kongresshalle Nürnberg am ehemaligen Reichsparteitagsgelände"
Die Stiftung „Kongresshalle Nürnberg am ehemaligen Reichsparteitagsgelände“ soll als rechtsfähige Stiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz in Nürnberg gegründet werden, um den Erhalt des Monumentalbaus sowie den kulturellen Betrieb der Kongresshalle dauerhaft abzusichern. Nach dem Beitritt von Bund und Freistaat sollen die Zuwendungen zur Stiftung zur Hälfte vom Bund und zu jeweils einem Viertel von Land und Stadt getragen werden.
Zu den Aufgaben der Stiftung zählt der bauliche Erhalt der Kongresshalle, die seit 1973 unter Denkmalschutz steht. Die Stadt Nürnberg wird das bebaute Grundstück Kongresshalle in das Stiftungsvermögen einbringen. Inhaltlich wird die Stiftung auf einer übergeordneten Ebene Verantwortung für die zukunftsweisende Gestaltung der Erinnerungskultur übernehmen. Die Eigenständigkeit der Institutionen Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, Staatstheater Nürnberg und Nürnberger Symphoniker wird dabei unangetastet bleiben. Unmittelbar Verantwortung wird die Stiftung für den Betrieb der Ermöglichungsräume für Kunst und Kultur übernehmen.
Kongresshalle Nürnberg – ein Ort für Kunst, Kultur und Bildung
Die Stadt Nürnberg verfolgt seit der Bewerbung um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2025“ das Ziel, Teile der bislang in weiten Zügen nicht oder nur profan genutzten Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände als Raum für die Künste zu öffnen. Im Jahr 2028 sollen auf über 7 000 Quadratmetern unter anderem Ateliers, Studiobühnen, Ausstellungsflächen und Proberäume für Kunst und Kultur aller Sparten und der Freien Szenen entstehen, die sogenannten Ermöglichungsräume. Zeitgleich wird das Staatstheater Nürnberg eine Spielstätte in der Kongresshalle eröffnen. Damit erfährt die Kongresshalle eine bedeutsame Erweiterung der künstlerischen und kulturellen Potenziale vor Ort wie das Orchester der Nürnberger Symphoniker, die Open-Air-Spielstätte Serenadenhof und das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, das aufgrund der stetig wachsenden Besucherschaft zuletzt neu konzipiert und erweitert wurde.
In der Kongresshalle sollen bestehende wie neue Institutionen nicht nur wegweisende kulturelle Impulse setzen, sondern auch Räume für Diskurs, Auseinandersetzung und demokratische Bildung schaffen. Bereits heute nutzt die Stadt Nürnberg einen kleinen Teil der Kongresshalle, um diese Potenziale auszuloten. Die spartenübergreifenden und interdisziplinär angelegten Formate regionaler wie internationaler Kunst und Kulturschaffender erfahren in hohem Maße Zuspruch. In großer Bandbreite fanden bislang Begegnung und Diskurs, partizipative Angebote, Musik, Performance und Bildende Kunst statt. Unter anderem trug die Kooperation mit dem Deutschen Pavillon auf der Biennale di Venezia zum Umgang mit NS-Architekturen der Besonderheit dieses Veranstaltungsorts Rechnung. Gleichzeitig entstehen auf partizipativem Wege und unter Beteiligung von Künstlerinnen und Künstlern Ideen für ein bedarfsgerechtes Betriebskonzept.
Nationales Erbe Kongresshalle
Von 1933 bis 1938 hielten die Nationalsozialisten im Nürnberger Südosten jährlich ihre Reichsparteitage als Staats- und Parteifeiern ab. Die Massenveranstaltung wurde im In- und Ausland wahrgenommen und prägt bis heute das Bild Nürnbergs als „Stadt der Reichsparteitage“. Dabei wurden nur wenige der Propagandabauten fertiggestellt. Die meisten blieben unvollendet, so die Kongresshalle.
Mit einer Grundfläche von 275 mal 265 Metern und 40 Metern Höhe zählt die Kongresshalle trotzdem zu den größten Hinterlassenschaften der NS-Zeit. Nachdem am 11. September 1935 Adolf Hitler die Grundsteinlegung vollzogen hatte, wurden mit Kriegsbeginn 1939 die Arbeiten nahezu komplett eingestellt. Was blieb, war der hufeisenförmige Rohbau mit zwei Kopfbauten und einem offenen Innenhof, der das Halleninnere gebildet hätte. Zu ihrem eigentlichen Zweck, einmal im Jahr Hitler die Bühne für den Parteikongress der NSDAP zu bieten, wurde die Kongresshalle nie genutzt. Dennoch steht das Bauwerk seit 1973 als Ausdruck der nationalsozialistischen Monumentalarchitektur unter Denkmalschutz.
In den beiden Kopfbauten der Kongresshalle, die den Rundbau abschließen, haben schon frühzeitig Kunst und Kultur Einzug gehalten. Seit 1962 nutzen die Nürnberger Symphoniker einen Musiksaal und Proberäume inklusive Tonstudio im südlichen Gebäudeteil. Im nördlichen Pendant ist 2001 das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände mit einem umfangreichen Aufklärungs- und Vermittlungsangebot zur NS-Zeit eröffnet worden. ja
Alle Informationen zur künftigen kulturellen Nutzung der Kongresshalle unter:
nuernberg.de/internet/kongresshalle/