Markenzeichen der Stadt Nürnberg

Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 455 / 23.04.2026

„Oder etwa nicht?“ – Ausstellung von Olaf Metzel in der Kongresshalle Nürnberg

Von Samstag, 25. April, bis Donnerstag, 11. Juni 2026, werden in Segment#16 der Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände Werke von Olaf Metzel präsentiert. Die Ausstellung mit dem Titel „Oder etwa nicht?“ umfasst Skulpturen, Installationen und eine Videoarbeit des international renommierten Künstlers aus über vier Jahrzehnten.

Olaf Metzel untersucht in seinen Werken die Bruchlinien gesellschaftlicher Wirklichkeit: Migration, Urbanität, Gewalt und deren mediale Verdichtung. Seine Arbeiten aus verbogenem Aluminium, zerschnittenen Gittern oder fragmentierten Schriftzügen wirken wie materielle Störungen – als hätten sie den Druck öffentlicher Diskurse physisch gespeichert.

Für Bürgermeisterin Prof. Dr. Julia Lehner steht die Ausstellung von Olaf Metzel exemplarisch für das künstlerische Potenzial der sogenannten Ermöglichungsräume für Kunst und Kultur: „Wir öffnen die Kongresshalle ganz bewusst für zeitgenössische Kunst und machen sie zu einem Ort der lebendigen Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart. Olaf Metzel und Kurator Dr. Florian Waldvogel stehen für eine künstlerische und kuratorische Praxis, die sich durch Präzision, Haltung und eine große Sensibilität für den Kontext auszeichnet. Dass sie sich auf eine Ausstellung in der Kongresshalle einlassen, ist ein starkes Signal für die Bedeutung dieses Projekts.“

Gerade aus seiner radikalen Auseinandersetzung mit den materiellen und symbolischen Infrastrukturen öffentlicher Räume ergibt sich Olaf Metzels besondere Prädisposition für die Kongresshalle Nürnberg. Das Gebäude verkörpert eine totalitäre Raumidee: Monumentalität als Mittel politischer und emotionaler Manipulation. Metzel hingegen operiert mit Deformation, mit dem Aufbrechen klarer Achsen und autoritärer Symmetrien. Wo die Architektur Geschlossenheit behauptet, setzt er auf Fragment und Widerstand.

Die Arbeiten des 1952 in Berlin geborenen Künstlers unterstreichen, dass Geschichte kein abgeschlossenes Kapitel ist, sondern ein Material, das sich unter gesellschaftlichem Druck erneut verformt. In der Kongresshalle Nürnberg wird diese Haltung räumlich erfahrbar. Der Dialog zwischen Skulptur und NS-Architektur macht sichtbar, wie sehr politische Systeme sich in Formen einschreiben – und wie Kunst diese Formen irritieren, verschieben, unterlaufen kann. So wird die Ausstellung nicht zur bloßen Nutzung eines historischen Orts, sondern zu einer Intervention in dessen Bedeutung.

Eröffnet wird die Ausstellung „Oder etwa nicht?“ am Freitag, 24. April, um 18 Uhr und kann dann bis zum 31. Mai immer von Donnerstag bis Sonntag jeweils zwischen 12 und 20 Uhr besucht werden. In der Abschlusswoche ist sie am Dienstag und Mittwoch, 9. und 10. Juni, jeweils von 12 bis 20 Uhr zugänglich. Am Donnerstag, 11. Juni, ist das Segment#16 von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos.

Über die Kongresshalle
Die Kongresshalle ist eines der größten erhaltenen Einzelbauwerke aus der Zeit des Nationalsozialismus. Der Rohbau auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände im Südosten Nürnbergs stand – nach einer intensiven Nutzung als Lagerfläche – in den vergangenen Jahren größtenteils leer. Nun werden Teilstücke des unvollendeten Monumentalbaus dauerhaft für eine Kunst- und Kulturnutzung erschlossen. Mit den Ermöglichungsräumen für Kunst und Kultur sowie einer Spielstätte für das Staatstheater Nürnberg schafft die Stadt Nürnberg in der Kongresshalle einen neuen, einzigartigen Kulturort, der Aspekte der Erinnerungskultur und der Künste aufs Engste miteinander verbindet.

Alle Informationen zur künftigen kulturellen Nutzung der Kongresshalle unter:
nuernberg.de/internet/kongresshalle/

Segment#16 – der provisorische Veranstaltungsraum im Kongresshallen-Rundbau
Seit 2023 hat der Geschäftsbereich Kultur der Stadt Nürnberg in Segment#1 des Kongresshallen-Rundbaus ein vielschichtiges Kunst- und Kulturprogramm präsentiert. Als Segment#1 wegen der fortschreitenden Bauarbeiten im Kongresshallen-Rundbau nicht mehr für Veranstaltungen genutzt werden konnte, wurde das Segment#16 ertüchtigt, um weiterhin diverse künstlerische und kulturelle Formate erproben zu können. Während Segment#1 im Arkadengeschoss an den vom Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände genutzten nördlichen Kopfbau angrenzt, liegt Segment#16 genau auf der gegenüberliegenden Seite des Kongresshallen-Rundbaus neben den Nürnberger Symphonikern.

Anfahrt Segment#16
Das Segment#16 befindet sich in der Kongresshalle, Bayernstraße 100, neben dem südlichen Kopfbau der Nürnberger Symphoniker und ist mit dem ÖPNV gut erreichbar (Haltestelle „Doku-Zentrum“, Straßenbahn-Ersatzverkehr; Buslinien 36, 45, 65). Besucherinnen und Besucher mit Pkw können die Stellplätze in der Schultheißallee oder den Parkplatz Meistersingerhalle (kostenpflichtig) nutzen.        ja

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