Nr. 487 / 29.04.2026
Der Werkausschuss des Abfallwirtschaftsbetriebs Stadt Nürnberg (ASN) hat am Mittwoch, 29. April 2026, den Weg für ein neues Leuchtturmprojekt der kommunalen Kreislaufwirtschaft freigemacht: Nürnberg erhält ein Zirkuläres Kaufhaus. Damit entsteht in der Innenstadt ein moderner, inspirierender Ort, an dem Wiederverwendung, Reparatur und nachhaltiger Konsum erlebbar und alltagsnah zugänglich werden. Die Eröffnung ist für das Jahr 2027 geplant.
Das Kaufhaus bietet künftig Gebrauchtwaren, Upcycling‑Produkte und Verleihangebote an. Ergänzt wird das Angebot durch ein Repair‑Café sowie Beratungen, etwa durch das geplante Klima- und Energieberatungszentrum.
„Viele Menschen möchten nachhaltiger leben, brauchen aber Orte, die es ihnen einfach machen“, sagt Britta Walthelm, Referentin für Umwelt und Gesundheit. „Mit dem Zirkulären Kaufhaus schaffen wir einen Raum, der zeigt, wie Kreislaufwirtschaft konkret funktioniert – inspirierend, niedrigschwellig und für alle zugänglich. Damit setzen wir ein sichtbares Zeichen dafür, wie Nürnberg sich Schritt für Schritt zukunftsfest macht.“
Ein Projekt mit ökologischem und sozialem Mehrwert
Das Zirkuläre Kaufhaus unterstützt mehrere zentrale Ziele der Stadt Nürnberg. Es leistet einen wichtigen Beitrag zum Ressourcenschutz, da Reparatur, Wiederverwendung und Upcycling wesentlich dafür sind, Abfälle – insbesondere Sperrmüll – zu vermeiden und CO₂‑Emissionen zu reduzieren. Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass vergleichbare Einrichtungen jedes Jahr erhebliche Mengen an Material und Treibhausgasen einsparen.
Zugleich stärkt das neue Kaufhaus die Resilienz der Stadt, da die längere Nutzung von Produkten regionale Stoffströme festigt und Abhängigkeiten von globalen Lieferketten verringert. Mit seinem Nutzungsmix aus Handel, Bildung und Begegnung trägt das Projekt darüber hinaus zur Belebung der Nürnberger Innenstadt bei und schafft neue Aufenthaltsqualität. Durch die vielfältigen Bildungsangebote wird Kreislaufwirtschaft erlebbar. Diese Formate stärken das Wissen und die Kompetenzen der Nürnbergerinnen und Nürnberger im verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und fördern nachhaltige Entscheidungen im Alltag.
Umsetzung in Kooperation mit dem Bayerischen Roten Kreuz
Das Zirkuläre Kaufhaus soll zunächst als Kleinfläche mit rund 300 bis 500 Quadratmetern in der Nürnberger Innenstadt starten. Der ASN verantwortet den Betrieb und setzt diesen gemeinsam mit dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK) um. Das BRK bringt als langjähriger Betreiber der Wertstoffhöfe und eines eigenen Gebrauchtwarenkaufhauses umfangreiche Erfahrung im Umgang mit gebrauchten Waren, in der Logistik sowie in der Warenannahme und Qualitätsprüfung ein.
„Das Zirkuläre Kaufhaus verbindet ökologische Verantwortung mit sozialem Nutzen – genau das ist seit jeher ein Kernanliegen des Bayerischen Roten Kreuzes“, sagt Brigitte Lischka, Kreisgeschäftsführerin des BRK Kreisverbands Nürnberg Stadt. „Durch die Zusammenarbeit mit dem ASN können wir bewährte Strukturen nutzen und leisten damit einen konkreten Beitrag zur Abfallvermeidung und Ressourcenschonung. Gleichzeitig schaffen wir niedrigschwellige Zugänge zu nachhaltigem Konsum und stärken soziale Teilhabe in der Innenstadt.“
Durch die Kooperation werden bestehende Strukturen genutzt, parallele Angebote vermieden und ein risikoarmer Einstieg in den Betrieb ermöglicht. So kann das Konzept des Zirkulären Kaufhauses zügig erprobt und weiterentwickelt werden.
Die finanzielle Absicherung erfolgt über den Gebührenhaushalt des Abfallwirtschaftsbetriebs der Stadt Nürnberg, da das Zirkuläre Kaufhaus eine Maßnahme der Abfallvermeidung ist. Damit ist die langfristige Tragfähigkeit des Betriebs gewährleistet. Mit dem Beschluss können nun konkrete Flächenverhandlungen beginnen sowie Personalentwicklung und der Aufbau der notwendigen Betriebsstrukturen vorbereitet werden.
Starke Einbindung der Nürnberger Re‑Use‑ und Nachhaltigkeitsszene
Das Konzept wurde unter breiter Beteiligung lokaler Re‑Use‑ und Upcycling‑Szene entwickelt. In zwei Stakeholder‑Workshops wurden Bedarfe, Mitwirkungsmöglichkeiten und Kooperationsformen erarbeitet. Dabei wurde deutlich: Das Kaufhaus ergänzt die bestehende Landschaft, schafft Sichtbarkeit für lokale Akteure und schließt eine bislang nicht bediente Marktlücke, ohne Konkurrenzdruck aufzubauen.
„Nürnberg hat eine engagierte Re‑Use‑Szene. Das Zirkuläre Kaufhaus kann ein Ort werden, an dem diese Vielfalt zusammenkommt und für die ganze Stadt sichtbar wird“, so Britta Walthelm weiter. „Gemeinsam mit den Akteurinnen und Akteuren möchten wir hier einen Impuls setzen – für kluge Ressourcennutzung, kreative Ideen und einen bewussteren Umgang mit Dingen.“
Ein weiterer Schritt auf dem Weg zu „Nürnberg zirkulär"
Mit dem Zirkulären Kaufhaus setzt die Stadt eine zentrale Maßnahme aus dem Kreislaufwirtschaftskonzept „Nürnberg zirkulär“ um, das der Stadtrat 2024 beschlossen hat, und das Projekte zur Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Ressourcenschonung bündelt. Nürnberg zeigt damit, wie Kommunen konkrete Lösungen schaffen können – für mehr Nachhaltigkeit, geringeres Abfallaufkommen und eine lebenswerte, zukunftsfähige Stadt. let