Markenzeichen der Stadt Nürnberg

Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 598 / 02.06.2026

Nachwuchs bei den Luchsen im Tiergarten

Bei den Karpatenluchsen (Lynx lynx carpathicus), einer Unterart des Eurasischen Luchses, im Tiergarten der Stadt Nürnberg gibt es Nachwuchs: Weibchen Desari hat vor wenigen Wochen zwei Jungtiere zur Welt gebracht. Welches Geschlecht sie haben, ist noch nicht klar, da die Tiere nicht bei der Aufzucht gestört werden sollen. Noch halten sich die Kleinen hauptsächlich in einer Felsnische auf und zeigen sich nur selten den Besucherinnen und Besuchern.

Luchse sind bei der Geburt noch blind und wiegen etwa 250 bis 300 Gramm. Die ersten Wochen verbringen die Kleinen deshalb in ihrem Versteck, wo sie von ihrer Mutter Desari gesäugt werden. Vater der Neugeborenen ist Sitka. Der vierjährige Kuder ist im April 2025 im Zuge des Erhaltungszuchtprogramms des Europäischen Zooverbands EAZA (EAZA Ex situ Programme, kurz EEP) aus dem belgischen Zoo Monde Sauvage in den Tiergarten gekommen. Ob eines oder beide Jungtiere aus diesem Jahr, wie in den letzten Jahren auch, ausgewildert werden oder im Rahmen des EEP weiter züchten sollen, steht noch nicht fest. Dies hängt vom Zuchterfolg im EEP und den Bedarfen der einzelnen Projekte und des EEP ab.

„Unsere Luchse ziehen jetzt schon zum vierten Mal in Folge Jungtiere groß – das ist ein großer Erfolg. Damit können wir – wie auch in den letzten Jahren – einen Beitrag zum Erhalt der größten Katzenart Europas und zu ihrer Wiederansiedlung in der Natur leisten“, sagt Jörg Beckmann, Biologischer Leiter und stellvertretender Direktor des Tiergartens. „Am Beispiel des Luchses wird einmal mehr deutlich, wie wichtig Zoos für den Artenschutz sind.“ Der Tiergarten engagiert sich auch darüber hinaus für den Erhalt und Schutz des Karpatenluchses. Er ist Mitglied im beratenden Gremium des EEP, dem sogenannten Species Committee, und Mitglied bei „Linking Lynx“: Das internationale Netzwerk beschäftigt sich mit der Erhaltung, dem Monitoring und dem Management des Karpatenluchses. Ziel ist es, Vorkommen zu stützen, zu gründen und miteinander zu verbinden.

Umbau der Luchs-Anlage durch Verein der Tiergartenfreunde

Die Luchs-Anlage im Nürnberger Tiergarten hat mit Blick auf Auswilderungsprojekte entscheidende Vorteile: Sie umfasst eine Fläche von rund 1 850 Quadratmetern, ist reich strukturiert und bewaldet. Damit bietet sie den Tieren viele Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten. Während der Aufzucht in Nürnberg bekommen die Luchse Rehe als Futter, die natürliche Hauptbeute. So kommt es nicht zu einer Fehlprägung auf andere Beutetiere. Die Rehe stammen vom Forstbetrieb Nürnberg der Bayerischen Staatsforsten. Sie werden bei der regulären, nachhaltigen Jagdausübung im Nürnberger Reichswald erlegt und dienen so als hochwertiges Futter.

Der Eurasische Luchs (Lynx lynx) gilt in weiten Teilen Europas als ausgestorben und konnte nur lokal wiederangesiedelt werden. In Deutschland und der Schweiz wird der Luchs deshalb auf der nationalen Roten Liste als „stark gefährdet“ beziehungsweise als „vom Aussterben bedroht“ aufgeführt. In Deutschland galt er bis ins späte 20. Jahrhundert hinein als ausgestorben. Ende 2020 gab es laut Bundesamt für Naturschutz wieder rund 190 wildlebende Eurasische Luchse in Deutschland. Das größte Vorkommen liegt im Harz und erstreckt sich bis Nordhessen. Die Population geht auf eine Auswilderung von 24 Luchsen aus Zoos und Wildparks Anfang der 2000er-Jahre zurück. Ein zweites Vorkommen befindet sich im Bayerischen Wald. Die dortigen Tiere sind aus dem Šumava-Gebirge in Tschechien zugewandert. Im Pfälzerwald hat sich aus einem 2016 gestarteten Wiederansiedlungsprojekt ein drittes Vorkommen entwickelt. Hier wurden Luchse aus der Schweiz und aus der Slowakei angesiedelt.

Der Luchs ist die größte Katze Europas und zählt mit dem Wolf und dem Bären zu den drei großen, landlebenden Beutegreifern der mitteleuropäischen Tierwelt. Luchse leben hauptsächlich in Wäldern und sind dämmerungs- und nachtaktiv. Charakteristisch sind die Haarpinsel an den spitzen Ohren und der kurze Schwanz.   maj

1 Anhang