Markenzeichen der Stadt Nürnberg

Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 639 / 15.06.2026

Stilles Gedenken zum 25. Todestag von Abdurrahim Özüdoğru

Mit einem stillen Gedenken haben Oberbürgermeister Marcus König und die türkische Generalkonsulin Fatma Taşan Cebeci am Samstag, 13. Juni 2026, an den 25. Todestag von Abdurrahim Özüdoğru am Tatort in der Gyulaer Straße / Ecke Siemensstraße erinnert. Abdurrahim Özüdoğru wurde 2001 in seiner Änderungsschneiderei in der Gyulaer Straße von der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ („NSU“) ermordet. Das Tatmotiv: menschenverachtender Rassismus. Er war das zweite von zehn Mordopfern der Terrorgruppe.

Oberbürgermeister Marcus König fand bei der Gedenkfeier deutliche Worte: „Dieser feige Anschlag war ein Angriff auf einen unserer Mitbürger, auf seine Familie – und auf unsere gesamte Stadtgesellschaft. Wir verneigen uns vor seinem Andenken und stehen an der Seite aller, die bis heute unter den Folgen dieser Verbrechen leiden. Nürnberg ist eine Stadt, die aus ihrer Geschichte Verantwortung ableitet. Wir treten entschieden gegen jede Form von Rassismus, Hass und rechtsextremer Gewalt ein. Unser Gedenken ist Mahnung und Verpflichtung zugleich: Wir schützen die Würde jedes Menschen, wir stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt und wir lassen nicht zu, dass sich solche Taten jemals wiederholen.“

Als Zeichen eines lebendigen Gedenkens verstreute Oberbürgermeister Marcus König gemeinsam mit der Türkischen Generalkonsulin Fatma Taşan Cebeci Blumensamen auf die den Tatort umgebenden Baumscheiben. „Als Generalkonsulat und als türkische Gemeinschaft stellen wir uns jeglicher Form von Hass und Extremismus entschlossen entgegen“, so Generalkonsulin Fatma Taşan Cebeci. „Die rassistische Terrorzelle ‚NSU‘ hat in ganz Deutschland zehn Menschen ermordet. In Nürnberg wurden drei Leben mitten aus unserer Gemeinschaft gerissen. Auch nach einem Vierteljahrhundert ist unser Schmerz unvermindert groß. Wir verurteilen diese unmenschlichen Morde aufs Schärfste. Damit sich ein solches Leid niemals wiederholt, betonen wir mit Nachdruck: Wir vergessen nicht, wir erinnern und wir werden die Erinnerung für immer wachhalten. Es bleibt unsere feste Pflicht, das Andenken an die Opfer in Ehren zu halten, das Leid der Familien zu teilen, an ihrer Seite zu stehen und den gesellschaftlichen Frieden zu schützen.”

Nach der Gedenkzeremonie am Tatort besuchte Oberbürgermeister König gemeinsam mit der Generalkonsulin und weiteren Gästen die Open-Air-Ausstellung „Pictures for the Human Rights“, die in den vergangenen Wochen im Abdurrahim-Özüdoğru-Park zu sehen war und nun weiter an das Sigmund-Schuckert-Gymnasium wandert. „Dass die Ausstellung in der Zeit vor dem Jahrestag im Abdurrahim-Özüdoğru-Park steht, war uns ein großes Anliegen“, so Martina Mittenhuber, Leiterin des Menschenrechtsbüros der Stadt Nürnberg. „Hier haben wir mit Flyern an seine Ermordung erinnert, ebenso wie mit einer stadtweiten Plakatkampagne und im Fahrgast-TV des Öffentlichen Nahverkehrs. Es ist wichtig, dass die Namen der Opfer nicht vergessen werden und wir uns immer wieder bewusst machen, dass diese schrecklichen rechtsextremen Taten vor unserer aller Augen stattgefunden haben und die Aufklärung noch lange nicht abgeschlossen ist. Bis heute sind trotz mehrerer Gerichtsprozesse und Untersuchungsausschüsse noch immer nicht alle Hintergründe der Verbrechen aufgearbeitet.“

Im Juni jähren sich drei der insgesamt vier „NSU“-Anschläge in Nürnberg: Nach dem Mord an Abdurrahim Özüdoğru 2001, wurde am 9. Juni 2005 Ismail Yaşar in seinem Dönerimbiss an der Scharrerstraße ermordet. Der Bombenanschlag 1999 auf die Gaststätte „Sonnenschein“ in der Scheurlstraße und ihren damaligen Besitzer Serkan Yildirim jährt sich am 23. Juni. Serkan Yildirim, der zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 18 Jahre alt war und lange nur unter dem Pseudonym „Mehmet O.“ bekannt war, überlebte den Anschlag schwer verletzt. Das erste „NSU“-Mordopfer war Enver Şimşek im September 2000.   maj

Weitere Informationen zu Abdurrahim Özüdoğru und dem „NSU“-Komplex online unter 
www.orte-des-erinnerns-nuernberg.de/veranstaltungen

1 Anhang