Markenzeichen der Stadt Nürnberg

Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 658 / 17.06.2026

Stadtrat vergibt Ehrenbürgerwürde an Prof. Dr. Julia Lehner und Dr. Ulrich Maly

Der Stadtrat hat in seiner Sitzung am heutigen Mittwoch, 17. Juni 2026, die Alt-Bürgermeisterin Prof. Dr. Julia Lehner und den Alt-Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly aufgrund herausragender Verdienste um die Stadt Nürnberg zur Ehrenbürgerin beziehungsweise zum Ehrenbürger ernannt. Die Verleihung der höchsten Auszeichnung der Stadt an die geehrten Persönlichkeiten wird in feierlicher Form voraussichtlich am Samstag, 12. September 2026, um 17 Uhr im Historischen Rathaussaal stattfinden.

Prof. Dr. Julia Lehner
Prof. Dr. Julia Lehner zählt zu den prägenden Persönlichkeiten des kulturellen Lebens in Nürnberg. Geboren am 3. März 1954 in Nürnberg, blieb die Stadt über alle Stationen ihres Lebens hinweg ihr Mittelpunkt. Nach dem Abitur am Sigena-Gymnasium studierte sie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Germanistik, Geschichte, Sozialkunde und Kunstgeschichte. 1980 schloss sie das Studium mit der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien ab, es folgte die Promotion zur Dr. phil.

Von 1987 bis 2002 arbeitete sie bei der Sparkasse Nürnberg, ab 1989 als Leiterin des Unternehmensbereichs Öffentlichkeitsarbeit und Sponsoring. Parallel dazu engagierte sie sich intensiv im Kunst- und Kulturbereich – publizistisch, kuratorisch und ehrenamtlich. Von 1992 bis 2002 leitete sie den Förderkreis Bildende Kunst Nürnberg und setzte sich für die Sichtbarkeit zeitgenössischer Positionen und die Stärkung der lokalen Kunstszene ein. Seit dem Jahr 2000 ist sie Honorarprofessorin an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Von 1996 bis 2026 gehörte Julia Lehner durchgehend dem Nürnberger Stadtrat an. 2002 wurde sie zur berufsmäßigen Stadträtin und Kulturreferentin bestellt, seit 2020 führte sie diese Arbeit als Bürgermeisterin mit dem Geschäftsbereich Kultur bis 2026 fort.

Mit ihrem Namen verbunden sind zahlreiche wegweisende Vorhaben und Konzepte, die das kulturelle Profil Nürnbergs dauerhaft verändert haben. Neue Kulturorte wie die Kunstvilla, der südpunkt und die Kulturwerkstatt Auf AEG wurden eröffnet, bestehende Institutionen weiterentwickelt und kulturelle Infrastruktur langfristig gesichert, etwa mit dem Neubau der Stadtbibliothek Zentrum und der umfassenden Sanierung des Künstlerhauses. Mit dem BildungsCampusNürnberg und dem KunstKulturQuartier wurden große Kulturdienststellen etabliert.

Nürnbergs Kulturgroßveranstaltungen erhielten in dieser Zeit ein geschärftes Profil und starke überregionale Wahrnehmung. Festivals, Ausstellungen und spartenübergreifende Formate wurden konsequent als identitätsstiftende Angebote einer vielfältigen Stadtgesellschaft verstanden. Über viele Jahre setzte sie sich für die strukturelle und finanzielle Stärkung des heutigen Staatstheaters Nürnberg ein und begleitete den Transformationsprozess vom kommunalen Theater zum Staatstheater. Die Gründung der Stiftung Staatstheater Nürnberg im Jahr 2005 ermöglichte die langfristige Absicherung und Weiterentwicklung eines der bedeutendsten Mehrspartenhäuser Deutschlands.

Auch über Nürnberg hinaus war und ist Julia Lehner in kulturpolitischen Netzwerken und Gremien aktiv, darunter im Landesdenkmalrat Bayern, im Vorstand des Bayerischen Volkshochschulverbands, in der Stiftung zur Erhaltung der Lorenzkirche, im Institut für moderne Kunst, in der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten sowie über viele Jahre im Bayerischen und Deutschen Städtetag. Als Vorsitzende des Kulturausschusses des Bayerischen Städtetags brachte sie kommunale Perspektiven in landesweite kulturpolitische Debatten ein. Darüber hinaus war sie Mitglied im Bundesvorstand der Kulturpolitischen Gesellschaft und engagierte sich in bundesweiten kulturpolitischen Netzwerken sowie als Vorsitzende des Landesvereins Bayern des Deutschen Bühnenvereins. In politischen Verhandlungs- und Abstimmungsprozessen wirkte sie an der Formulierung kulturpolitischer Positionen auf Landes- und Bundesebene mit, zuletzt beim Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung.

In ihre Amtszeit fallen zudem die Gründung des Memoriums Nürnberger Prozesse als international wahrgenommener Erinnerungs- und Lernort, die inhaltliche und bauliche Weiterentwicklung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände mit seiner neuen Dauerausstellung sowie die Konzeption des Lern- und Begegnungsorts Zeppelintribüne und Zeppelinfeld.

Die Entwicklung der Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände und das Vorhaben, diesen historisch belasteten Ort nicht allein als bauliches Erbe zu bewahren, sondern ihn durch Kunst und Kultur neu zu erschließen, geht auf Julia Lehners Initiative zurück. Unter ihrer Verantwortung wurde die Konzeption für die kulturelle Nutzung der Kongresshalle entwickelt und die Grundlage für eines der größten Kulturbauvorhaben Deutschlands geschaffen. Auch nach dem Ende ihrer Amtszeit bleibt sie diesem Projekt verbunden: Als Bevollmächtigte des Oberbürgermeisters gestaltet sie die nächsten Schritte zur institutionellen Verstetigung der Stiftung Kongresshalle Nürnberg.

Julia Lehner wurde unter anderem mit dem Bayerischen Verdienstorden sowie der Medaille „Pro meritis scientiae et litterarum“ des Freistaats Bayern ausgezeichnet.

Dr. Ulrich Maly
Dr. Ulrich Maly, geboren am 8. August 1960 in Nürnberg, ist verheiratet und hat mit seiner Frau Petra Maly zwei Kinder. Nach Abschluss seiner schulischen Laufbahn am Johannes-Scharrer-Gymnasium und dem Zivildienst in einem Altenheim studierte er bis 1987 Volkswirtschaftslehre an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. 1990 folgte die Promotion zum Dr. rer. pol. (magna cum laude) mit der Dissertation „Wirtschaft und Umwelt in der Stadtentwicklungspolitik“.

Maly engagierte sich seit 1967 ehrenamtlich bei der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken und war als deren Delegierter in den 1980er-Jahren Vorsitzender des Kreisjugendrings. Seit 1984 ist er Mitglied der SPD, 1990 wurde er Geschäftsführer der Stadtratsfraktion. Verantwortung innerhalb der Stadtspitze übernahm Ulrich Maly erstmals 1996 als Kämmerer. Nicht zuletzt seinen innovativen Finanzierungsmodellen sind der Neubau des Eisstadions und der Ausbau des damaligen Franken-Stadions zu verdanken. 2002 folgte die Wahl zum Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg. Dieses Amt hatte er bis 2020 inne. Maly ist damit in der Nachkriegszeit nach Dr. Andreas Urschlechter (1957-1987) das Stadtoberhaupt mit der bislang zweitlängsten Amtszeit.

Die Idee einer solidarischen Stadtgesellschaft war ein Leitgedanke von Malys Arbeit als Oberbürgermeister. In seinem politischen Handeln ging es immer auch darum, im Sinne einer Stellvertreterpolitik jenen eine Stimme zu geben, die in der öffentlichen Debatte oft gar nicht oder zu wenig vorkommen.

Unter dem Motto „Stadtpolitik im Dialog“ sah er politische Entscheidungen als Ergebnis einer umfassenden gesellschaftlichen Debatte. Neben der institutionalisierten Beteiligung der Bürger führte er neue Formen des unmittelbaren Austauschs ein. Die von ihm ins Leben gerufenen „mobilen Bürgerversammlungen“ wurden nicht nur 2008 mit dem „Deutschen Fahrradpreis“ ausgezeichnet, sondern auch beispielgebend für andere Städte.

Das Thema Bildung hatte einen hohen Stellenwert für das Stadtoberhaupt, die gesellschaftspolitische Aufgabe der Integration erklärte er gar zur „Chefsache“. Maly trat aktiv ein für die Anerkennung und Gestaltung von Vielfalt in der Stadt. Sein besonderer Einsatz galt auch der Wahrung der Menschenrechte: Im Oktober 2004 unterzeichnete die Stadt Nürnberg die europäische Charta für den Schutz der Menschenrechte. Wissend um die besondere Rolle Nürnbergs in der NS-Zeit war ihm zudem ein verantwortungsbewusster Umgang mit den baulichen Hinterlassenschaften des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes besonders wichtig.

Weitere wesentliche Weichen der Nürnberger Stadtentwicklung wurden in seiner 18-jährigen Amtszeit gestellt. Seien es eine konsequente Innenentwicklung, die auf die Wiedernutzung nicht mehr benötigter Bahn- oder Gewerbeflächen setzt, Impulse zum verstärkten Wohnungsbau, zur Verbesserung der Grün- und Freiflächen oder die Stärkung des Öffentlichen Nah- und des Radverkehrs. Immer ging es ihm um das Management einer wachsenden Stadt mit dem Ziel, gleichzeitige „Wachstumsschmerzen“ möglichst verträglich zu gestalten und im Ausgleich zu vermitteln.

Maly verstand es auch im Amt des Oberbürgermeisters hervorragend, anderen Menschen zuzuhören, komplexe Sachverhalte verständlich zu erklären und für eigene Überzeugungen und Standpunkte zu werben. Mit kritischer Distanz zu sich selbst und ausgestattet mit hintergründigem Humor, konnte er die Menschen für sich einnehmen. Mit Witz würzte er auch seine Reden, die so umso nachhaltigere Wirkung erzielten.

Von 2005 bis 2011 war Ulrich Maly der erste Ratsvorsitzende der Europäischen Metropolregion Nürnberg, die heute als eine der wirtschaftsstärksten und lebenswertesten Regionen Europas gilt. Als Vorsitzender des Bayerischen Städtetags sowie als Präsident und Vizepräsident des Deutschen Städtetags setzte er immer wieder Akzente. Mit viel Überzeugungskraft prägte er bundesweite Debatten zu städtischen Themen. 2021 wurde ihm als Würdigung seiner Leistungen für den Verband die Ehrenmitgliedschaft des Deutschen Städtetags verliehen.

Von 2002 bis 2010 war Maly Mitglied im Ausschuss der Regionen (AdR) der Europäischen Union, von 2006 bis 2010 saß er im Präsidium des AdR. Von 2008 bis 2010 war er Vorsitzender der deutschen AdR-Delegation.

Der Alt-Oberbürgermeister hat zahlreiche Ehrenämter inne und eine Reihe von Auszeichnungen erhalten. Er ist unter anderem Träger des Verdienstordens Commendatore della Repubblica Italiana und des polnischen Kavalierskreuzes, aber auch des Frankenwürfels oder des Goldenen Trichters. Die Stadt Cordoba hat ihm 2018 die Ehrenbürgerwürde verliehen, Nürnbergs griechische Partnerstadt Kavala im Jahr 2022 ebenso.

Maly genoss stets überregionale Anerkennung – auch in seiner Partei. 2005 und 2009 wurde er in den Bundesvorstand der SPD gewählt. Dennoch kam es für den überzeugten Kommunalpolitiker nie in Frage, in die Bundespolitik zu wechseln. Sein Engagement galt stets seiner Heimatstadt.

Fast 25 Jahre lang arbeitete Ulrich Maly zum Wohle der Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger und hat sich in dieser Zeit herausragende Verdienste um seine Heimatstadt erworben.      ja