Nr. 673 / 19.06.2026
In seiner Sitzung am Mittwoch, 17. Juni 2026, hat der Nürnberger Stadtrat den diesjährigen Umweltpreis vergeben. Er stand heuer unter dem Motto „Gutes Klima in der Stadt“. Mit dem Umweltpreis zeichnet die Stadt Nürnberg alle zwei Jahre herausragende Leistungen zum Schutz der Umwelt und zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung aus, die entweder dem Stadtgebiet selbst zugutekommen oder einen Bezug zu Nürnberg haben. Hauptpreisträger ist die „Bäume für Nürnberg Stiftung“ mit 8 000 Euro. Weitere Preisträger sind das Projekt „Schalanderfreunde“ mit 4 000 Euro sowie das Projekt „Perspektiven wechseln“ des „Vereins Museum im Koffer“ und der „Verein Lebensmittelretten & Nachhaltigkeit Nürnberg“ sowie das „Projekt Zukunftsakademie Nürnberg“ mit jeweils 1 000 Euro. Eine Anerkennungsurkunde für den Umweltpreis ohne Fördergelder erhalten die Unternehmen „Mit Ecken und Kanten GmbH“, die „VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg“ sowie die „Gentlemachine GmbH“. Die feierliche Preisverleihung findet am Freitag, 2. Oktober 2026, im direkten Anschluss an die Nachhaltigkeitskonferenz statt.
Beim Referat für Umwelt und Gesundheit gingen 27 Bewerbungen ein. Britta Walthelm, Referentin für Umwelt und Gesundheit, ordnet ein: „Die Bewerbungen für den Umweltpreis 2026 zeigten ein beeindruckend hohes Niveau. Es wurde deutlich, dass die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen ein wichtiges Anliegen für die gesamte Stadtgesellschaft ist. Dabei geht ein gutes Stadtklima weit über den reinen Klimaschutz hinaus: Es umfasst auch soziale Aspekte und trägt maßgeblich zur Lebensqualität in Nürnberg bei. Unsere Preisträgerinnen und Preisträger haben Bäume als natürliche Klimaanlagen, Grünflächen als Orte der Erholung und Begegnung sowie eine kinderfreundliche Stadtplanung als zentrales Wirkungsfeld im Blick.“
Die Bewerbungen wurden von der Preisjury unter dem Vorsitz von Britta Walthelm ausführlich diskutiert und bewertet. Die Jury beschloss einstimmig, ihren Vorschlag für die Nominierung der Preisträger und Aufteilung der Preisgelder dem Stadtrat vorzulegen.
Hauptpreisträger: Bäume für Nürnberg Stiftung
Die gemeinnützige „Bäume für Nürnberg Stiftung“ wurde 2013 als Stiftung bürgerlichen Rechts gegründet. Stiftungszweck ist die Schaffung von mehr Grün in der Stadt. Insbesondere sollen Pflanzung und Pflege von Straßenbäumen gefördert werden. Nürnberg gehört zu den am dichtesten besiedelten und am stärksten versiegelten Großstädten in Deutschland. So fehlt es im Vergleich zu anderen Städten an Grün und Bäumen. In Zeiten des Klimawandels kann dies in Stadtgebieten mit zu wenig Grün zu starken Einschränkungen der Lebensqualität führen. Straßenbäume leisten einen wichtigen Beitrag zur Klimaresilienz: Sie speichern Kohlenstoffdioxid, produzieren Sauerstoff, spenden Schatten und kühlen aktiv ihre Umgebung durch Verdunstung von Wasser. So sind Bäume effiziente natürliche Klimaanlagen. Mit den Baumpflanzungen in rund 40 Straßen konnte die Stiftung einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität leisten.
Weitere Preisträger
Das Projekt „Schalanderfreunde“ machte aus dem Schalanderweg zwischen dem Schillerplatz und der Rollnerstraße eine grüne Oase mitten in der Nürnberger Nordstadt. Rund um die Uhr geöffnet, steht dieser kleine private „Stadtpark“ allen Nürnbergerinnen und Nürnbergern offen. Wo früher ein versiegelter Plattenweg mit wenig Begleitgrün Hitze speicherte, ist durch behutsame gartenbauliche Maßnahmen der ansässigen Eigentümer ein Ort entstanden, der kühlt, durchatmen lässt und Lebensqualität schafft. Gerade in Zeiten zunehmender Sommerhitze zeigt der Schalanderweg, wie wichtig wohnortnahe grüne Rückzugsräume für ein gutes Stadtklima sind.
Das „Museum im Koffer e. V.“ hat im Rahmen des Projekts „Perspektiven wechseln“ gemeinsam mit Kindern und Familien die Welt der Stadtplanung beleuchtet: Wie sieht es in der Umgebung des Kindermuseums aus? Was gefällt den Kindern, was würden sie anders machen? Mithilfe eines Stadtmodells, das immer wieder neu aufgebaut werden kann, diskutieren die teilnehmenden Kinder und Familien ihre Wünsche, Träume und Utopien für ein zukunftsfähiges Nürnberg. Ein zentrales Element ist der Perspektivwechsel: Neben der Sicht von Familien werden bewusst auch Tiere sowie Menschen mit besonderen Bedürfnissen einbezogen. Die Kinder übernehmen es als Stadtverwaltung unterschiedliche Interessen abzuwägen und die Zukunftsfähigkeit der Stadt im Blick zu behalten. In zusätzlichen Experimentstationen etwa zum Schwammstadt-Prinzip erfahren sie, was Entsiegelung, Begrünung und Wasserrückhalt angesichts zunehmender Hitze und Starkregenereignisse für ein gutes Stadtklima bedeuten.
Beim „Verein Lebensmittelretten und Nachhaltigkeit Nürnberg e. V.“ holen 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wöchentlich 2,5 Tonnen Lebensmittel, die noch genießbar sind, aber nicht mehr verkauft werden können, bei Herstellern und Händlern ab. Seit dem Start im Jahr 2019 im Süden Nürnbergs wurden 400 Tonnen Lebensmittel gerettet und dadurch Tausend Tonnen CO2 eingespart. 150 Besucherinnen und Besucher werden zwei Mal wöchentlich versorgt. Neben der Lebensmittelausgabe gibt es ein Begegnungscafé, das die Menschen mit Kaffee, Tee und Gebäck versorgt und zum Gespräch einlädt.
Das „Projekt Zukunftsakademie Nürnberg“ wurde im Juni 2024 von der Eine Welt-Station Nürnberg, einer Kooperation von Mission EineWelt, Lorenzer Laden und Oikocredit Förderkreis Bayern e. V., gestartet. Ausgebildete Multiplikatorinnen und Multiplikatoren bieten in Lerneinrichtungen bei Vertretungen und Workshops das Schulfach „Zukunft“ an. Dafür übernehmen sie regelmäßig in Schulen anfallende Vertretungsstunden oder erläutern Themen zur Nachhaltigkeit in einmaligen Workshops wie auch bei interaktiven konsumkritischen Stadttouren für Gruppen, Schulen im Rahmen von Projekttagen, Ausflügen und Unterrichtsgängen. Eingebunden ist das Fach „Zukunft“ in die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) wie auch ins Globale Lernen. Beide Konzepte basieren auf den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDG). Bis Ende Januar 2026 hat das „Projekt Zukunftsakademie Nürnberg“ mehr als 300 Doppelstunden und 150 Einzelstunden durchgeführt. Das Vertretungsstundenmodell gibt es bislang an vier Nürnberger Schulen, darunter Mittelschulen und Gymnasien.
Anerkennungsurkunden
"Mit Ecken und Kanten“ ist Deutschlands erster Unperfektshop für nachhaltige Marken. Seit 2017 gibt „Mit Ecken und Kanten“ nachhaltigen und fair hergestellten Produkten mit kleinen Schönheitsfehlern eine zweite Chance im eigenen Onlineshop. Der Fokus liegt darauf, vermeintlich minderwertige B- oder Outlet-Ware von ihrem schlechten Image zu befreien, ein Bewusstsein für die Wertigkeit von unperfekten Produkten zu schaffen und damit der Ressourcenverschwendung entgegenzuwirken. Im ersten eigenen Store, der im Juni 2024 in der Hans-Sachs-Gasse in Nürnberg eröffnet wurde, werden der Qualitätsanspruch und die Wertigkeit der Produkte anfassbar und erlebbar. Bis heute wurden so über 900 000 nachhaltigen Produkten eine zweite Chance gegeben und mehr als 106 000 Kundinnen und Kunden erreicht.
Mit der Elektrifizierung ihrer Stadtbusflotte leistet die „VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg“ einen zentralen Beitrag zur Verbesserung von Luftqualität und Lärmemissionen im urbanen Raum. Seit 2018 verfolgt sie das Ziel, ihre rund 200 Busse starke Flotte schrittweise auf batterieelektrische Antriebe umzustellen und damit lokal und durch den Einsatz von Ökostrom auch global emissionsfrei zu betreiben. Im Projekt „eBus to Grid“ wurde ein ganzheitlicher Ansatz entwickelt, der Fahrzeugbeschaffung, Ladeinfrastruktur, Energiewirtschaft und Digitalisierung integriert. Grundlage war eine Vorstudie mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, die zeigte, dass ein elektrischer Busbetrieb technisch wie wirtschaftlich realisierbar ist. Die vollständige Umstellung bis Anfang der 2030er-Jahre erfolgt ressourcenschonend im Rahmen regulärer Ersatzbeschaffungen. Das ist sowohl wirtschaftlich als auch nachhaltig.
Die „Gentlemachine GmbH“ wurde 2023 gegründet, der stationäre Store eröffnete Ende November 2024 in der Nürnberger Innenstadt. Seitdem entwickeln die Betreiberinnen fortlaufend Formate rund um nachhaltigen Konsum, Reparatur und textile Kreisläufe. Die Projekte finden regelmäßig oder in wiederkehrenden Abständen statt und sind langfristig angelegt. Ziel ist es, ein dauerhaftes Angebot für nachhaltige Mode, Ressourcenschonung und gemeinschaftliches Engagement in Nürnberg zu etablieren. Mit zusätzlichen Projekten wie dem textilen RepairCafé, dem KinderKleiderTausch, dem Future Fashion Festival und der Make SMTHNG Week initiiert die „Gentlemachine“ niedrigschwellige Angebote, die Ressourcenschonung, Klimaschutz und soziales Miteinander verbinden. let