Markenzeichen der Stadt Nürnberg

Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 693 / 25.06.2026

Nürnberger Pilotprojekt liefert Impulse für den Schulbau in ganz Deutschland

Die Stadt Nürnberg hat gemeinsam mit der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft sowie einem interdisziplinären Planungsteam einen wichtigen Meilenstein beim Pilotprojekt „Schulbau Open Source (SOS) Nürnberg“ erreicht: Nach 14 Monaten intensiver Zusammenarbeit liegt die Vorplanung für die Umnutzung des ehemaligen Siemens-Bürogebäudes in der Colmberger Straße zu einem modernen Schulstandort vor.

Mit dem Projekt beschreitet die Stadt Nürnberg neue Wege im Schulbau. Ziel ist es, leerstehende Immobilien als zukunftsfähige Bildungsorte weiterzuentwickeln und gleichzeitig ressourcenschonend mit dem Gebäudebestand umzugehen. Das ehemalige Siemens-Bürogebäude aus den 1990er-Jahren soll künftig moderne Lernlandschaften für Schülerinnen und Schüler bieten.

„Der Bedarf an Schulraum wächst kontinuierlich. Gleichzeitig stehen in vielen Städten kaum noch freie Flächen für Neubauten zur Verfügung. Mit dem Projekt zeigen wir, wie beide Herausforderungen zusammen gedacht werden können. Die Umnutzung bestehender Gebäude eröffnet neue Perspektiven für einen nachhaltigen und wirtschaftlichen Schulbau“, betont Bildungsreferentin Cornelia Trinkl.

Die nun abgeschlossene Vorplanung zeigt, dass die bestehende Stahlbeton-Skelettstruktur des Gebäudes die neue Nutzung als Schule aufnehmen kann. Wesentliche Teile der Tragstruktur bleiben erhalten. Durch gezielte Eingriffe entstehen flexible Nutzungseinheiten, die sowohl moderne pädagogische Konzepte unterstützen als auch langfristige Anpassungen ermöglichen.

Besonderes Augenmerk liegt dabei auf einer hohen Umnutzungsfähigkeit. Die Planung sieht vor, dass Innenwände unabhängig von der Tragstruktur errichtet werden. Dadurch können Raumzuschnitte künftig vergleichsweise einfach verändert und an neue Anforderungen angepasst werden.

Auch bei der technischen Gebäudeausrüstung verfolgt das Projekt innovative Wege. Das geplante Energie- und Lüftungskonzept setzt bewusst auf einen Low-Tech-Ansatz. Ziel ist es, sowohl die Investitionskosten als auch die langfristigen Betriebskosten zu reduzieren.

Geplant sind unter anderem eine clusterweise geregelte Fußbodenheizung sowie ein hybrides Lüftungssystem aus maschineller Unterstützung und natürlicher Fensterlüftung. Durch die Konzentration auf robuste und wartungsarme Lösungen soll ein wirtschaftlicher Betrieb über die gesamte Lebensdauer des Gebäudes ermöglicht werden.

Das Pilotprojekt dient nicht nur als Modell für die Umnutzung von Bestandsgebäuden, sondern auch als Beispiel für innovative Planungs- und Vergabeverfahren. So wurden die Planungsphasen vor das geplante Öffentlich-Private-Partnerschafts-Verfahren gestellt und die konzeptionellen Grundlagen gemeinsam mit einem Team aus Fachplanung, Schulfamilie und weiteren Beteiligten erarbeitet.

Dadurch werden pädagogische, architektonische und funktionale Anforderungen frühzeitig abgestimmt und in die spätere Ausschreibung übernommen. Die Ergebnisse der Vorplanung bilden nun die Grundlage für die Entwicklung der funktionalen Leistungsbeschreibung und die anschließende Ausschreibung der Bauleistungen.

Das Nürnberger Projekt versteht sich als Reallabor für den Umgang mit Bestandsgebäuden im Bildungsbereich. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen über Nürnberg hinaus nutzbar gemacht werden. Die Planungsergebnisse und Erfahrungen werden öffentlich im Blog der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft dokumentiert und anderen Kommunen sowie Planungsteams zur Verfügung gestellt.    let

Weitere Informationen unter: https://schulen-planen-und-bauen.de/