Markenzeichen der Stadt Nürnberg

Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 697 / 26.06.2026

Nürnberg zündet Bau-Turbo: Neue Wohnungen auf bestehenden Gebäuden

Im Quartier am Gensfelderweg entstehen rund 60 zusätzliche Wohnungen – ohne dafür neue Wohnbauflächen in Anspruch zu nehmen: Die vier Gebäudezeilen aus den 1960er-Jahren werden um jeweils zwei Geschosse aufgestockt. Der Stadtplanungsausschuss hat am Donnerstag, 25. Juni 2026, dem städtebaulichen Vertrag zwischen der Stadt Nürnberg und der Siedlungswerk Nürnberg GmbH zugestimmt und den Weg für die Umsetzung des Projekts freigemacht. Zugleich schafft die Stadt die Voraussetzungen dafür, bei dem Vorhaben die neuen gesetzlichen Möglichkeiten des sogenannten Bau-Turbos anzuwenden.

„Der Gensfelderweg zeigt, wie wir in Nürnberg zusätzlichen Wohnraum schaffen können, ohne immer neue Flächen am Stadtrand zu verbrauchen: Wir bauen auf bestehenden Gebäuden weiter und nutzen die vorhandene Infrastruktur“, sagt Dr. Nasser Ahmed, Bürgermeister für Wohnen, Bauen und Stadtentwicklung. „Das Siedlungswerk zeigt hier, wie verantwortungsvolle Wohnungswirtschaft heute aussehen kann. Mit Mut, planerischem Anspruch und Verantwortung für das gesamte Quartier. Denn es entstehen nicht nur rund 60 neue Wohnungen. Auch die heutigen Bewohnerinnen und Bewohner profitieren von besseren Freiräumen, mehr Grün, barrierefreien Zugängen, Gemeinschaftsflächen und einem neuen Mobilitätskonzept.“

Das Vorhaben umfasst die Aufstockung von vier Gebäuden mit je acht Zwei-Zimmer-, zwei Drei-Zimmer- und vier Vier-Zimmer-Wohnungen. Gleichzeitig werden die Freiräume neu gestaltet, bestehende Garagen umgenutzt und die Stellplätze in einer neuen Quartiersgarage gebündelt. Dadurch entstehen zusätzliche Flächen für Aufenthalt, Spiel und Begegnung. Vorgesehen sind vielfältig nutzbare grüne Wohnhöfe, begrünte Dach- und Fassadenflächen sowie sogenannte Retentionsflächen, die Regenwasser aufnehmen und zur Klimaanpassung beitragen. Eine begrünte Lärmschutzwand soll die Wohnhöfe von der Zollhausstraße abschirmen. Neue Zugänge verbessern zudem die Barrierefreiheit.

Das Projekt ist eines von zehn bayerischen Modellvorhaben unter dem Leitmotiv „Weiternutzen. Weiterentwickeln. Weiterbauen. Nachhaltiger Wohnungsbau im Bestand“. Der Planung ging ein städtebaulicher und hochbaulicher Realisierungswettbewerb voraus. Der ausgewählte Entwurf von raum.land architekten und stadtplaner sowie NMM LandschaftsArchitektur entwickelt die vorhandene Siedlungsstruktur weiter und verbindet die Aufstockung mit einer umfassenden Aufwertung des Quartiers.

Der geltende Bebauungsplan sieht für die Gebäude bislang zwingend vier Vollgeschosse vor. Die geplante Aufstockung auf sechs Vollgeschosse kann deshalb nicht über die bisherigen regulären sogenannten Befreiungsmöglichkeiten genehmigt werden. Hier greift die im Oktober 2025 erfolgte Änderung des Baugesetzbuchs, der sogenannte Bau-Turbo. Das Projekt steht aus Sicht der Stadt beispielhaft für eine flächensparende Innenentwicklung: Bestehende Gebäude werden weitergenutzt, neuer Wohnraum entsteht auf bereits bebauten Grundstücken und das Wohnumfeld wird für die heutigen Bewohnerinnen und Bewohner verbessert.

„Beschleunigung darf nicht bedeuten, dass die Stadt auf Qualität und Steuerung verzichtet“, betont Dr. Ahmed. „Die Zustimmung zum Bau-Turbo bleibt eine kommunale Entscheidung. Mit dem Wettbewerb und dem städtebaulichen Vertrag sichern wir eine schnelle Umsetzung und zugleich die städtebaulichen, ökologischen und sozialen Qualitäten des Projekts. Der Bau-Turbo nimmt uns die Planungshoheit nicht – er gibt uns ein zusätzliches Werkzeug, um gute Vorhaben schneller möglich zu machen."   maj