Nr. 783 / 15.07.2026
Der Klimawandel führt auch in Nürnberg zunehmend zu Wetterextremen. Neben Hitze und Trockenheit treten Starkregenereignisse häufiger auf, teils in Verbindung mit heftigem Wind. Diese Ereignisse können erhebliche Schäden an Gebäuden und Infrastruktur verursachen und machen eine kontinuierliche Anpassung an die Folgen des Klimawandels erforderlich. Allein in diesem Sommer wurde Nürnberg bereits zweimal von schweren Unwettern mit orkanartigen Böen, Starkregen und Hagel getroffen. Dabei wurden zahlreiche Bäume entwurzelt, Verkehrswege blockiert und Menschen in Gefahr gebracht. Eine Maßnahme der Stadt Nürnberg ist das Aktionsprogramm Starkregen.
Britta Walthelm, Referentin für Umwelt und Gesundheit und Erste Werkleiterin der Stadtentwässerung und Umweltanalytik Nürnberg (Sun), berichtete am Mittwoch, 15. Juli 2026, im Ausschuss für Umwelt, Klima- und Naturschutz, über den Stand des Aktionsprogramms: „Um als Stadt den Folgen dieser Starkregen besser begegnen zu können, müssen wir heute gezielt Klimaanpassungsmaßnahmen ergreifen. Nürnberg verfolgt mit dem Aktionsprogramm Starkregen und dem Leitbild der Schwammstadt einen wichtigen Ansatz, der konsequent weiterentwickelt und umgesetzt werden muss. Hierfür sind finanzielle und personelle Ressourcen unabdingbar.“
Das Aktionsprogramm umfasst verschiedene Handlungsfelder. Ziel des Handlungsfelds „Optimierung der Datenlage“ ist es, Starkregenereignisse in Nürnberg besser zu verstehen, um Risikobereiche gezielt zu identifizieren und wirksame Vorsorgemaßnahmen einzuleiten. Im Umweltamt werden Niederschlags- und Radardaten ausgewertet sowie automatisierte Meldungen an die Feuerwehr erprobt. Wiederkehrend betroffene Bereiche, sogenannte „Wetspots“, werden anhand von Betriebserfahrungen, Feuerwehreinsatzdaten und hydraulischen Modellierungen des Kanalnetzes identifiziert und priorisiert. Darüber hinaus installierte Sun rund 60 Sensoren im Kanalnetz, um Niederschläge und Kanalfüllstände zu erfassen und die Modelle weiter zu verbessern. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in das kommunale Sturzflut-Risikomanagement sowie in die Erstellung der Starkregengefahrenkarten ein. Aufgrund begrenzter personeller und finanzieller Ressourcen können jedoch nur ausgewählte Standorte vertieft untersucht und mit konkreten Maßnahmen versehen werden.
Das Handlungsfeld „Bauliche Maßnahmen“ zielt darauf ab, bekannte Überflutungsbereiche durch technische und bauliche Maßnahmen gezielt zu entlasten. Ein Pilotprojekt des Servicebetriebs Öffentlicher Raum Nürnberg (Sör) ist die neue Hochwassersensorik mit Warnanlage an der Unterführung Zerzabelshofstraße, die Wasserstände überwacht, frühzeitig warnt und Einsatzkräfte informiert. An weiteren Starkregen-Hotspots wie der Forchheimer Straße, der Gebersdorfer Straße und Kornburg werden mögliche Entlastungsmaßnahmen untersucht. Während sich einige Ansätze als nicht wirksam erwiesen, befinden sich weitere Lösungen in Planung oder Prüfung. Künftig sollen im Rahmen des kommunalen Sturzflut-Risikomanagements konkrete Maßnahmenkonzepte entwickelt, priorisiert und umgesetzt werden. Die Umsetzung erfordert jedoch einen langfristigen, schrittweisen Stadtumbau sowie ausreichende personelle, finanzielle und zeitliche Ressourcen, um Starkregenschäden wirksam vorzubeugen.
Das Handlungsfeld „Öffentlichkeitsarbeit, Beratung, Förderung“ stärkt die Sensibilisierung und Eigenvorsorge der Bevölkerung durch Informationsangebote wie Starkregen-FAQs auf der Klima-Webseite der Stadt, aktualisierte Flyer und Klimawandelrundgänge. Die Einführung eines Starkregenmelders wurde geprüft, aber vorerst zurückgestellt. Gleichzeitig haben sich die Fördermöglichkeiten für private Maßnahmen zum Regenrückhalt und zur Versickerung aufgrund fehlender Haushaltsmittel verschlechtert, sodass entsprechende Unterstützungsangebote derzeit nur noch eingeschränkt verfügbar sind.
Weitere Maßnahmen umfassen die Beschaffung eines mobilen Abschottungssystems für den Nordostbahnhof, die Entwicklung von Leitfäden für eine stärkere Berücksichtigung der Starkregenvorsorge in Planungsprozessen sowie ein neues Merkblatt zur Niederschlagswasserbewirtschaftung in Bauleitplanverfahren. Zudem wird das kommunale Sturzflut-Risikomanagementkonzept vorbereitet, das Gefahrenkarten, Risikoanalysen und konkrete Maßnahmen für besonders gefährdete Bereiche umfasst. Der Projektstart ist für Mitte 2026 vorgesehen. let
Starkregen-FAQs unter: nuernberg.de/internet/klima/starkregen.html