Nr. 883 / 04.08.2026
Bürgermeister Andreas Krieglstein ist erleichtert, dass die erneute Hitzewelle bislang keine weiteren Schäden an Straßenbahngleisen und Infrastruktur hinterlassen hat: „Das Klima ändert sich und damit auch die Wetterphänomene: Starkregenereignisse waren auch in diesem Jahr in der Region mehrfach Realität. Glück hatte, wer nicht betroffen war. Dieser Sommer zeigt einmal mehr, dass sehr heiße Sommertage keine Einzelereignisse mehr sind, sondern ein seit Jahren erkennbarer Trend. Die Stadt Nürnberg und die VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg müssen sich darauf einstellen. Aktuell heißt es für die VAG, Hitzeschäden an Straßenbahngleisen und Rädern der Straßenbahnen möglichst zu vermeiden, um nicht erneut den Betrieb einstellen zu müssen. Bisher konnte der Betrieb aufrechterhalten werden. Die getroffenen Maßnahmen wirken.“
Getroffene Maßnahmen: Kontrolle der Schienen und Bahnen
Wegen der ersten Hitzewelle Ende Juni 2026 hatte die VAG den Straßenbahnbetrieb vorübergehend einstellen müssen. Der Linienbetrieb konnte danach nur abschnittsweise wieder ans Netz gehen. Seit Mittwoch, 1. Juli, wird das Straßenbahnnetz durchgehend kontrolliert. Die Kontrollen wurde nun aufgrund der vorherrschenden heißen Temperaturen von weit über 30 Grad Celsius intensiviert. Im Fokus stehen insbesondere asphaltierte Streckenabschnitte, die auch von anderen Verkehrsteilnehmenden genutzt werden. Die Tram-Fahrerinnen und -Fahrer sind aufgerufen, Veränderungen am Zustand der Gleise frühzeitig an die Leitstelle zu melden, die dann wiederum die Facheinheiten informiert. Auch die Räder der Straßenbahnen werden nach Betriebsende kontrolliert. Zugleich dienen die Kontrollen auch dazu, Daten zu sammeln und zu bewerten, um aktuell und künftig die Situation besser einschätzen zu können.
Gleise schleifen, wässern und Bitumenfugen streuen
Die VAG setzt ihren Schienenschleifzug rund um die Uhr ein. Er fährt das gesamte Netz – insbesondere die asphaltierten Bereiche – ab, um Verschmutzungen zu entfernen und zu verhindern, dass sich Bitumen an Schienenköpfen und Rädern der Straßenbahnen sammeln und weiteres Bitumen mitnehmen. Zudem besprüht die VAG an heißen Tagen asphaltierte Streckenabschnitte mit Wasser. Dies geschieht mit Unterstützung des Eigenbetriebs Sör und mit Fahrzeugen und Personal des Maschinenrings, eines Zusammenschlusses von Landwirten. Dafür werden Fahrzeuge eingesetzt, die im Winter Salzsole sprühen und jetzt zum Wassersprühen genutzt werden können beziehungsweise auch in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Das Besprühen der Schienen reduziert die Oberflächentemperatur durch Verdunstung.
Sollten dennoch Schäden auftreten und Fugen klebrig werden, wird der Gleisbau der VAG die Bitumenstreifen im Asphalt mit Sand bestreuen und die klebrige Oberfläche dadurch abstumpfen. Dies soll verhindern, dass weich gewordenes Bitumen mitgenommen wird. Zudem wird Bitumen umgehend beseitigt, wenn es sich herauszieht und verteilt.
Allerdings ist klar: Notfalls müssen die Straßenbahnen für einen überschaubaren Zeitraum stehen bleiben, um nicht länger auszufallen. Bürgermeister Andreas Krieglstein, zuständig auch für das Thema Mobilität und damit für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Nürnberg, erklärt: „Das Ziel einer hitze- und klimaresistenten Stadt gilt auch für den ÖPNV. Wir müssen die Infrastruktur bewerten und entsprechend umbauen. Dies ist keine Aufgabe, die wir sofort lösen können, aber wir müssen sie mit Hochdruck angehen.“ Er ergänzt: „Die aktuellen Maßnahmen der VAG sind richtig. Es gilt, Daten zu sammeln und auszuwerten und es sind vorsorgliche Maßnahmen notwendig. Es ist zudem wichtig, die Thematik grundsätzlich anzugehen, um die Schienen so zu bauen, dass sie auch sehr heißen Temperaturen ohne Schäden besser standhalten. Von Seiten der Stadt unterstützen wir die VAG hierbei.“
VAG-Vorstandsmitglied Magdalena Weigel betont: „Wir sind sehr froh, dass die Stadt uns unterstützt. Wir haben in den vergangenen Jahren bereits eine ganze Reihe von vorsorglichen Maßnahmen ergriffen und werden diesen Weg konsequent weitergehen. Wir wollen unseren Fahrgästen weiterhin einen sicheren, zuverlässigen, stets verfügbaren und pünktlichen Nahverkehr bieten. Viele Menschen verlassen sich schließlich täglich auf unsere Dienstleistung und haben oft keine Alternative, da sie kein Auto haben beziehungsweise bewusst darauf verzichten.“ Weigel ergänzt: „Der öffentliche Nahverkehr ist eine wichtige Antwort, wenn es darum geht, im Verkehr den Kohlenstoff-Dioxid-Ausstoß zu reduzieren. Die VAG geht seit Jahren mit gutem Beispiel voran. Auch in diesem Punkt der Stadt Nürnberg ein Dankeschön, dass sie uns dies ermöglicht.“
Hitzeschutz im ÖPNV
In der Sitzung des Verkehrsausschusses am Donnerstag, 30. Juni 2026, wurde deutlich, dass die Fraktionen im Nürnberger Stadtrat den Kurs der VAG unterstützen. Bürgermeister Andreas Krieglstein unterstreicht: „Es ist uns allen ganz wichtig, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit da ist und wir die Maßnahmen gemeinsam angehen. Wir können hier sicher von anderen Städten lernen. Ich denke wegen des fehlenden Frosts im Winter weniger an Städte im Südeuropa, sondern an Städte wie Wien oder Budapest. In Budapest ist das Besprühen der Gleise übrigens bereits seit einigen Jahren üblich. Was mich überrascht hat, dass selbst Städte wie beispielsweise Helsinki im Sommer im Straßenbahnbetrieb Hitzeprobleme haben. Wir sind gut beraten, uns auszutauschen und gemeinsam für den Hitze- und Klimaschutz aktiv zu werden.“
Für Krieglstein steht zudem außer Frage, dass dies eine Aufgabe ist, die die Kommunen nicht alleine mit ihren Verkehrsunternehmen schultern können. „Klimaschutz kostet und wir brauchen hierfür in jedem Fall auch die finanzielle Unterstützung von Bund und Land und auch der Europäischen Union. Denn wir sehen bereits heute: Es kostet uns erheblich mehr, wenn wir nicht handeln. Mehr ÖPNV bedeutet mehr Lebensqualität in unserer Stadt. Wir brauchen mehr Grün in der dicht bebauten Stadt, mehr Schattenplätze, mehr klimatisierte öffentliche Verkehrsmittel. Die Weichen dafür sind in Nürnberg und in unserem ÖPNV bereits gestellt." tom